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Aus der Stadt Hier wird die neue D-Linie gebaut
Hannover Aus der Stadt Hier wird die neue D-Linie gebaut
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00:17 06.05.2017
Von Bernd Haase
Jürgen Wendt steht am Ausgang des Posttunnels vor der Ernst-August-Galerie. Ab September sollen hier Bahnen fahren. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Auf der Baustelle am äußersten Ende der neuen Stadtbahnstrecke nahe der Raschplatz-Hochstraße ist es gerade laut. Mitarbeiter der Tiefbaufirma Müsing arbeiten mit einem Bodenrüttler. Aus der Erde ragt ein dicker Kabelbogen. Jürgen Wendt blickt fragend; Polier Heinz Schmidt spreizt zwei Finger zum Scherensymbol. Alles klar, das Kabel kann weg. Die Bauarbeiter erleben an dieser Stelle keine unliebsame Überraschung.

„Alle diejenigen, die in der Innenstadt den Spaten in die Erde stecken, wissen, dass immer Überraschungen auftauchen“, sagt Wendt. Die wenigsten dieser Überraschungen kann er gebrauchen. Der 59-jährige Bau-Ingenieur und Diplom-Kaufmann ist für seinen Arbeitgeber Infrastrukturgesellschaft (Infra) Projektleiter der kompliziertesten Baustelle, die Hannover derzeit zu bieten hat – der unter dem Begriff Projekt 10-17 firmierenden Bahntrasse von der Glocksee durch die City zum Raschplatz. Und er ist auch ihr Kommunikator. Er erklärt den vielen Anliegern, Geschäftsleuten, Interessensverbänden, die von dem Stadtbahnbau direkt oder indirekt betroffen sind, was läuft und laufen wird. Und was nicht.

Bisher viel Verständnis

Im Posttunnel neben dem Hauptbahnhof beispielsweise sind die Tiefbauarbeiter überraschend auf Reste früherer Bahnstrecken gestoßen. Sie wurden weggeräumt, ohne dass der Zeitplan groß in Verdrückung geriet. Jetzt liegen erste Schienen, als Schweißer Ismael Tuma sie bearbeitet, fliegen Funken.

Jürgen Wendt ist Projektleiter für den Stadtbahnstreckenbau in der City. Er ist froh, dass die Anlieger gutwillig sind – und die freuen sich, dass er sich wirklich Mühe gibt. Ein gemeinsamer Stadtspaziergang entlang der neuen D-Linie.

Aus dem Tunnel heraus geht es in die Kurt-Schumacher-Straße. Hier im Teil zwischen Ernst-August-Platz und Herschelstraße kann man schon sehen, was aus der Stadt mal wird, wenn die Hauptarbeiten durch sind. Und die Anlieger wissen, wie es ist, wenn man eine Großbaustelle vor der Tür hat, von den Verkehrsströmen abgeschnitten ist, Lärm und Dreck ertragen muss.

Bisher ist alles erstaunlich ruhig geblieben. „Die Betroffenen hier sind angespannt, aber sie zeigen auch Verständnis“, sagt Wendt. Marco Volck von der Volksbank-Hauptverwaltung sagt, mit den Verantwortlichen lasse sich ein „kritischer und konstruktiver Dialog führen.“ Wendt nennt noch einen anderen Grund für die relative Unaufgeregtheit. „Es ist keine dieser Baustellen, auf denen ein Loch ausgehoben wird und dann tagelang nichts passiert. Hier sehen die Leute ständig Veränderungen, und sie honorieren, dass wir uns wirklich Mühe geben.“

Lieber „Sie“ als „Du“

In der Goethestraße sehen die Anwohner vor lauter Schutthalden manchmal nicht viel. Als Wendt an einem Morgen dort vorbei kommt, sind auf der südlichen Seite von den Geschäften nicht viel mehr als die Schilder über den Eingängen und Fenstern zu sehen. Man fragt sich, wie die Inhaber hier noch auf ihre Kosten kommen. Sie könnten wohl wütend werden, aber der freundliche Verkäufer am Obststand von Gazi bietet Wendt Weintrauben an. Der lehnt ab. Er ist freundlich und verbindlich, will auf der anderen Seite jedoch Distanz wahren. Auf Baustellen ist man grundsätzlich schnell beim Du, aber der Projektleiter lässt sich siezen und siezt selbst. „Wir müssen auch unangenehme Dinge tun. Das Sie ist in solchen Situationen professioneller“, begründet er das.

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Weitere Texte zur Entstehung der neuen D-Linie finden Sie auf unserer Themenseite.

Zwischen Kurt-Schumacher- und Goethestraße liegt der Ort, an dem es zur großen Nagelprobe kommen wird. Wendt geht am Steintor zwischen Absperrungen zu einer Baugrube, wo die Arbeiter gerade eine große Fernwärmeleitung umlegen. Ende Mai wird das Steintor für 18 Wochen für den kompletten Verkehr gesperrt. In dieser Frist müssen Gleisanlagen, Hochbahnsteig und Verbindung zur Tunnelstrecke fertig sein. „Es passiert eigentlich zu viel mit viel zu wenig Platz und mit viel zu wenig Zeit“, umreißt er die Aufgabe, vor der alle Beteiligten stehen. Das bedeutet auch, dass schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen, wenn es Überraschungen gibt.

Bitte keine Bombe

Wendt besitzt die nötige Ruhe, um so etwas zu schaukeln. Einen Wunsch hat er aber doch, was besagte Überraschungen angeht: „Es wäre sehr schön, wenn wir am Steintor nicht auf eine Bombe stoßen.“ Dann geht er zurück ins Projektbüro an der Kurt-Schumacher-Straße und trinkt einen Kaffee.

Der Name der Linie

Ein Projekt, zwei Namen: Barrierefrei ausgebaut wird die oberirdische Stadtbahnstrecke in der Innenstadt. Festgesetzt hat sich der Begriff D-Linie. Er stammt daher, dass das Stadtbahnnetz in vier Hauptstrecken unterteilt ist, benannt nach den ersten Buchstaben des Alphabets. Die D-Linie führt von Ahlem in die City und ist dort beim Stadtbahnbau aus Kostengründen als einzige nicht in einen Tunnel geführt worden.

Genau daran hat sich ein jahrelanger heftiger Streit entzündet, als es darum ging, wie die Strecke zu modernisieren ist. Zur Debatte standen der Tunnelbau, ein neues oberirdisches System mit Niederflurbahnen und die Variante mit Hochbahnsteigen, die nun verwirklicht wird.

Weil der Name D-Linie seit dieser Zeit einen bitteren Beigeschmack hat, entschieden sich die Verantwortlichen mit Baubeginn für die Bezeichnung „Projekt 10-17“. Es sind die Nummern der beiden Bahnlinien, die auf der Strecke verkehren.

Wie soll sich Hannovers Innenstadt entwickeln? Der emeritierte Uni-Prof. Joachim Ganzert bescheinigt der Stadt, mit dem „Weiterdenken der Nachkriegsmoderne“ in Hannovers Zentrum ein „baukulturelles Desaster“ weiter zu befördern. Heute Abend gibt es dazu eine Podiumsdiskussion.

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