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Aus der Stadt Kaspar Klaffke hält Grünflächen für unverzichtbar
Hannover Aus der Stadt Kaspar Klaffke hält Grünflächen für unverzichtbar
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00:17 12.05.2017
Von Juliane Kaune
„Was ist denn da los?“ Im Maschpark erkundigt sich Kaspar Klaffke sogleich, was hinter den Baumarbeiten steckt. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Seile verlaufen kreuz und quer über den Gehweg. Auch um die mächtigen Stämme der beiden Baumriesen am Ufer des Maschteichs sind Stricke gespannt. „Was ist denn da los?“ Kaspar Klaffke zögert kurz. Dann spricht er den Mann mit dem Schutzhelm an. Zuständig ist Klaffke nicht mehr. Dennoch will der langjährige Leiter des hannoverschen Grünflächenamtes wissen, was Sache ist.

Es stellt sich heraus, dass der Mann mit Helm im Auftrag der Stadt die Standfestigkeit der alten Bäume untersucht. Mit Pilz sind sie befallen. In drei, spätestens in fünf Jahren muss erneut geprüft werden, ob die Blutbuche und die Roteiche noch genug Kraft haben. Klaffke nimmt die Nachricht etwas betrübt zur Kenntnis. „Schließlich“, sagt er, „stehen sie schon seit mehr als 100 Jahren an dieser Stelle.“ Das ist der Lauf der Zeit.

Die beiden Gesichter der Stadt

Anno 1902 ließ Hannovers erster Gartendirektor Julius Trip den Maschpark anlegen. Und Klaffke, gewissermaßen ein Nachfolger Trips, hat sich in seiner Amtszeit von 1982 bis 2002 besonders für die Restaurierung und Pflege des historischen Gartenensemble eingesetzt. „Der Maschpark hat eine hohe Symbolkraft“, erklärt der Gartenexperte, der heute 80 Jahre alt wird. „Er unterstreicht besser als jeder andere Ort die beiden Gesichter dieser Stadt - das Großstadtgesicht mit dem Rathaus und das Gartengesicht mit dem Blick nach Süden über den Maschsee bis zur Leineaue.“

Beim Spaziergang scheint er jede Ecke des Parks wie seinen eigenen Garten zu kennen. Aber mit Klaffke könnte man wohl durch so ziemlich jede Freifläche Hannovers flanieren - immer wüsste der Mann, der das grüne Gesicht der Stadt über zwei Jahrzehnte mitgeprägt hat, Wissenswertes zu berichten. Zwei Bücher über die Gärten, Parks und Landschaften in Stadt und Umland hat er verfasst, unterstützt von seiner Frau Gesa Klaffke-Lobsien, einer Biologin.

Eine neue Gartenkultur

Die beiden waren es auch, die vor 27 Jahren die Aktion „Offene Pforte“ ins Leben gerufen haben, bei der Pflanzenfreunde ihre Privatgärten zugänglich machen. Los ging es mit 26 Gärten, in diesem Jahr machen rund 170 Teilnehmer mit. „Es ist eine private Gartenkultur entstanden“, sagt Klaffke. Auch er bittet regelmäßig Gäste in sein grünes Zuhause - ein restauriertes, zum Wohnhaus umgebautes Jugendstil-Gewächshaus am Rand des Ricklinger Stadtfriedhofs.

Der Rundgang geht weiter über die Culemannstraße. „Am liebsten hätte ich sie in meiner Amtszeit sperren lassen“, erklärt Klaffke. Ein Übergang vom Maschpark zum Leineufer hätte sich so ergeben. Doch da konnte er sich nicht durchsetzen. Gelungen ist ihm und seinen Kollegen ein anderes Projekt, über das er noch immer ins Schwärmen gerät: „Wir haben eine fast durchgängige Wegeverbindung entlang der Leine geschaffen, vom Maschsee bis zur Königsworther Straße.“ Dort ist er selbst häufig mit dem Fahrrad unterwegs. Das Auto lässt er stehen, so oft es geht.

Die Expo machte vieles möglich

Möglich gemacht hat die Investition an der Leine die Expo 2000. „Plötzlich war Geld da“, erinnert sich Klaffke. So startete unter seiner Beteiligung die groß angelegte Grünoffensive „Stadt als Garten“, mit der die schönen Ecken Hannovers zur Weltausstellung noch schöner werden sollten. Das Vorzeigeensemble der Herrenhäuser Gärten profitierte ebenso wie Stadtteilparks in Ahlem und Vahrenwald, Friedhöfe oder die Landschaftsräume am Kronsberg.

Auch im Ruhestand verfolgt Klaffke intensiv die Entwicklung der Stadt - als Bürger. „Ich bin ein überzeugter Demokrat.“ Das im großen Stil geplante Neubaugebiet Kronsberg-Süd sieht er mit gemischten Gefühlen. „Wohnungen werden gebraucht - aber ich hoffe, dass die Grenzen zwischen Natur und Bebauung eingehalten werden.“ Freiräume in der Großstadt hält der studierte Landschaftsarchitekt, der seit 1993 Honorarprofessor an der hannoverschen Universität ist, für unverzichtbar.

Der ehemalige Leiter des Grünflächenamtes, Kaspar Klaffke, macht mit der HAZ anlässlich seines 80. Geburtstages einen Stadtspaziergang mit den wichtigsten Stationen wie Maschsee, Maschpark und Leineufer.

Doch immer wieder haben Planer Ideen, die ihn „in Erregung versetzen“. Wie die Bebauung des Andreas-Hermes-Platzes. Da hat der frühere Amtsleiter an die Ratsfraktionen geschrieben und in aller Deutlichkeit mitgeteilt, dass sie nicht die letzte freie Fläche hinter dem Bahnhof aufgeben könnten. Dass nun wegen des Lärmschutzes dort zumindest keine Wohnhäuser errichtet werden sollen, erfüllt ihn mit Genugtuung. Auch die Erweiterung des Restaurants Schlossküche in Herrenhausens historischem Feigengarten hat der international anerkannte Herrenhausen-Experte öffentlich scharf kritisiert. Geändert hat das nichts. „Das ist bitter.“

Der Gingko ist gewachsen

Auf dem Rückweg des Rundgangs kommt Klaffke an seiner ehemaligen Arbeitsstelle vorbei. Das Haus in der Langensalzastraße 17 wird zum Flüchtlingswohnheim umgebaut. Das Grünflächenamt, das heute Fachbereich Umwelt und Stadtgrün heißt, ist in die Arndtstraße umgezogen. Kontakt zu früheren Kollegen habe er noch, sagt Klaffke. Zum 80. Geburtstag kam ein Brief vom städtischen Personaldezernenten, im Juni folgt eine Feierstunde in der Uni.

Aber ganz besonders freut er sich darüber, dass der Gingko, den er und seine Mitarbeiter 1982 vor dem Amtseingang gepflanzt haben, zum stattlichen Baum herangewachsen ist.

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