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„Ein Schausteller bleibt Schausteller, solange er lebt“

Stadtspaziergang mit Arthur Armbrecht „Ein Schausteller bleibt Schausteller, solange er lebt“

Stadtspaziergang über das Frühlingsfest mit Schausteller Arthur Armbrecht. Seit Jahrzehnten ist er als Schausteller auf Hannovers Schützenplatz dabei, nun gibt der 71-Jährige sein Amt als Verbandschef ab. 

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Kennt sich aus auf dem Festplatz: Arthur Armbrecht vor der Achterbahn

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Mit Karacho schwingt die Riesenschaukel in Richtung Himmel, dreht sich um die eigene Achse – und die Gäste stehen Kopf. 40 Meter hoch geht es im „Turbo Force“, schnell, bis zu Tempo 100. Viel Stahl und Maschinenkraft. Arthur Armbrecht steht vor der neuesten Attraktion des Frühlingsfests und blickt nachdenklich nach oben. „Das ist hier wie überall“, sagt der langjährige Präsident des Landesverbandes der Markt- und Schaustellerbetriebe. „Man muss mit der Zeit gehen, sonst hat man verloren.“

Fünf Generationen

Der 71-Jährige kennt noch die Zeit, als ein guter Teil der Fahrgeschäfte aus Holz gefertigt war. 1954, beim ersten Frühlingsfest auf Hannovers Schützenplatz, war er schon dabei und staunte als Achtjähriger über das große hölzerne Kinderkarussell, das seine Eltern dort betrieben. „Darauf drehten sich kleine Autos, Motorräder und Omnibusse, und ich habe immer am liebsten das Geld von den Fahrgästen kassiert“, erinnert er sich. Eine Fahrt kostete 20 Pfennig, bezahlt wurde in bar. Bunte Plastikchips, die man an der Kasse kaufen und dann einlösen konnte, gab es noch nicht. „Die kamen erst in den Sechzigern auf.“

Stadtspaziergang mit Schausteller Arthur Armbrecht über das Frühlingsfest Hannover. 

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Armbrecht, in Linden geboren und in Limmer aufgewachsen, ist eine Institution auf dem Schützenplatz. Mittlerweile in der fünften Generation ist seine Familie dort Jahr für Jahr mit ihren Fahrgeschäften und Buden vertreten. Auf dem Frühlingsfest, auf dem Oktoberfest und natürlich auch auf dem Schützenfest. Über Jahrzehnte hat er sich zudem für das Schaustellerwesen engagiert, davon zwölf Jahre als Verbandspräsident und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für Volksfeste (AVG), die unter anderem das Frühlingsfest organisiert. Am Dienstag bereiten ihm seine Kollegen in der Festhalle Ahrend einen angemessenen Abschied.
Wenn Armbrecht über den Platz läuft, fallen ihm an jeder Stelle Geschichten und Anekdoten ein. Vor der Mini-Achterbahn „Crazy ­Mouse“ bleibt er stehen – und weiß zu berichten, dass das Vorgängermodell „Wilde Maus“ bereits Mitte der Fünfzigerjahre von der hannoverschen Firma Rick gebaut und vertrieben wurde. „Die saßen damals an der Peiner Straße.“

Eine Achterbahn gab es bisher nicht im Repertoire der Armbrechtschen Fahrgeschäfte. „Doch sonst haben wir alles schon mal gehabt“, bilanziert der Seniorchef. Schwerpunkt im Familienbetrieb sind die Autoscooter, seit 1966. „Elektroselbstfahrer hießen die damals“, erinnert sich Armbrecht. Die neueste Wagengeneration kommt aus Italien und ist mit blinkenden LED-Stangen ausgestattet. „Die verbrauchen deutlich weniger Strom“, erklärt Armbrechts 43-jähriger Sohn Arthur Julius, der die Geschäfte im Scooter namens „Music Hall“ steuert.

Dessen 21-jähriger Sohn Arthur Otto ist für die Kasse zuständig. Dass auch er Arthur heißt, ist ein Wunsch des Opas: „AA steht auf allen unseren Autonummernschildern, das ist wie ein Markenzeichen.“ An dem Namen Armbrecht kommt man auch auf dem Festplatz nicht vorbei. Armbrechts Bruder ist mit „Heißen Rädern“ vertreten, drei Neffen und weitere Verwandte betreiben ebenfalls Karussells oder Imbissbuden.
Aus dem Rummel hat sich der 71-Jährige etwas zurückgezogen. Schweren Herzens hat er jüngst seine Schießbude aufgegeben. Frühlingsfestbesucher können sich aber noch Leckereien an seinem Käsestand schmecken lassen. Oder ihr Glück mit elektronischen Greifarmen versuchen. „Ein Schausteller bleibt Schausteller, solange er lebt“, stellt Armbrecht klar.

Horror von heute

Aber alles hat seine Zeit. Warum in aller Welt das Frühlingsfest heute einen „Panic Room“ braucht, kann er nicht verstehen. Die Extremvariante der guten alten Geisterbahn schreckt oder lockt die Besucher mit Fotos von einschlägigen Horrorstars aus dem Kino. Ein lebendes Imitat schwingt vor dem Eingang bedrohlich die Keule. „Das liegt an diesen vielen Videospielen“, meint der achtfache Großvater und einmalige Urgroßvater kopfschüttelnd.

Die Zahl der Urenkel wird sich demnächst noch erhöhen, den Berechnungen nach passend zum Oktoberfest. Und wenn es ein Junge wird, ist schon geregelt, auf welchen Vornamen er hören wird.     

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