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Werkssiedlung in Leinhausen

Stadtteil im Nordwesten Hannovers zu verkaufen

Von Conrad von Meding

Im Nordwesten Hannovers steht eine komplette Gebäudeansammlung zum Verkauf: Die Bahn trennt sich von der Werkssiedlung in Leinhausen. Das Mindestgebot liegt bei 598.000 Euro.
Mit historischer Wasserfüllstelle für Lokomotiven im Vordergrund: Das „Bahnhofsgebäude“ ist derzeit noch als Bürogebäude an eine Tochtergesellschaft der Bahn vermietet.

Mit historischer Wasserfüllstelle für Lokomotiven im Vordergrund: Das „Bahnhofsgebäude“ ist derzeit noch als Bürogebäude an eine Tochtergesellschaft der Bahn vermietet.

© Conrad von Meding

Im Nordwesten Hannovers steht eine komplette Gebäudeansammlung zum Verkauf: Ehemalige Werkstatt- und Bürogebäude, architekturhistorisch wertvolle Lagerhäuser, ein Konzert- und Veranstaltungssaal, ein eigener Bahnhof und sogar ein vollständig erhaltener Wasserturm sind dabei. Die Bahn trennt sich von der Siedlung ihres Ausbesserungswerks in Leinhausen. Nächstes Wochenende kommt das gesamte Areal mit gut 26 000 Quadratmetern Grundfläche im Berliner Auktionshaus Karhausen unter den Hammer. 598.000 Euro Mindestgebot sind veranschlagt – Chefauktionator Mark Karhausen ist zuversichtlich, dass die Gebote deutlich höher liegen werden. Doch das Areal, das in den vergangenen Jahren zunehmend verfallen ist, birgt auch seine Tücken.

Nur noch in zwei Gebäuden arbeiten Mitarbeiter der Bahn-Tochtergesellschaft DB Netze. Doch der Großteil der Häuser hat vernagelte Fenster und Türen. Wildwuchs, geborstene Scheiben und notdürftig gesicherte Dächer prägen das Bild. Das Gelände wurde um 1880 bebaut, filigrane Backsteinarchitektur von erhabener Gründerzeitqualität reiht sich aneinander, einige Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Allerdings haben die Behörden teilweise schon resigniert: Angesichts der jahrelangen Vernachlässigung durch die Bahn sind einige der Gebäude schon aus dem Denkmalschutz entlassen und zum Abbruch freigegeben, darunter ein imposantes Magazingebäude und die alte Signalmeisterei, ein frei stehendes Ziegelgemäuer mit dem Charme eines Kaffeemühlenhauses.

„Das Areal ist nichts für kühl rechnende Investoren, sondern eher eine Lebensaufgabe“, räumt Auktionator Karhausen ein. Ihn holt die Bahn immer dann, wenn es kniffelige Aufgaben zu bewältigen gilt. Er hat zum Beispiel die Dömitzer Elbbrücke an der Landesgrenze nach Mecklenburg-Vorpommern versteigert, die ein holländischer Liebhaber gekauft hat – am Ende für das 15-fache des Mindestgebots. Karhausen hat auch das einstige Rundfunkzentrum der DDR erfolgreich versteigert. „Ich habe schon viel verkauft, aber noch nie etwas so kompliziertes wie die Siedlung am Ausbesserungswerk“, sagt er. Seitenlange Pläne mit unterirdischen Leitungen und komplizierte Wegerechte, die die Überfahrt zum S-Bahn-Stützpunkt, zur Bahn-Siebdruckerei und zu den Üstra-Hallen auf dem nördlich gelegenen Areal erlauben, müssen beachtet werden. Das Grundwasser ist an einer Stelle mit flüchtigen Kohlenstoffverbindungen vergiftet, die Bahn muss es langfristig filtern. Sie übernimmt dafür die Kosten und auch einen Großteil der Kosten für das Abdichten eines Kellergeschosses, in dem Ausgasungen gemessen wurden.

Wer auch immer das Areal kauft, braucht Ideen für die Nutzung. Karhausen selbst sprudelt förmlich: Eine Sternwarte im Wasserturm? Ein Veranstaltungssaal mit Künstlerwohnungen in der alten Kantine? Das Problem aber ist, dass die Stadt Vorbehalte hat, was Wohnen auf dem Gelände anbetrifft: Sie fürchtet Ärger wegen Lärmbelästigungen von den benachbarten Bahnanlagen. Am Mittwoch um 11 Uhr führt Karhausen Interessierte über das Gelände. „Wer investieren will, ist willkommen“, sagt er freimütig.

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