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Aus der Stadt Stadtwerke drehen Wasserhahn zu
Hannover Aus der Stadt Stadtwerke drehen Wasserhahn zu
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21:49 23.06.2011
Dieses Haus in Döhren wurde von der Wasserversorgung abgeschnitten. Quelle: Insa Catherine Hagemann
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Döhren

Ein jahrelang schwelender Streit zwischen einer Hausbesitzerin aus Döhren und den Stadtwerken hat am Donnerstag die Ratsversammlung beschäftigt. Die CDU-Fraktion löste mit ihrer Anfrage an die Verwaltung zu der Auseinandersetzung eine heftige Debatte aus. Die Stadtwerke hatten den Wasseranschluss eines Gebäudes wegen noch ausstehender Gas- und Stromrechnungen von mehreren Tausend Euro zugedreht, obwohl ein Gerichtstermin bereits anberaumt und die Eigentümerin die offenen Rechnungen unter Vorbehalt begleichen wollte.

Der Konflikt begann bereits im September des Jahres 2009. Damals erhielt die Frau, die in dem Gebäude mit ihren Kindern lebt und arbeitet, eine Jahresrechnung der Stadtwerke über den Strom- und Gasverbrauch, die keinen exakten, sondern einen geschätzten Betrag auswies. Die Adressatin des Schreibens hatte nämlich vergessen, enercity den jeweils aktuellen Stand des Zählers mitzuteilen. Dass in solch einem Fall geschätzt wird, sei ein übliches Verfahren, „wie wir es in Hannover tausendfach durchführen“, erklärte Carlo Kallen von den Stadtwerken. Stelle sich bei der nächsten Rechnung heraus, dass der Abschlag zu hoch war, bekämen die Kunden die Differenz erstattet.

Doch die Hauseigentümerin bestand darauf, sofort eine ordnungsgemäße Rechnung zu erhalten – und verweigerte die Zahlung. „Ich bin auf jeden Fall bereit, das Geld zu überweisen, aber nicht aufgrund einer falschen Abrechnung“, betonte die Hauseigentümerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Die Stadtwerke schickten mehrere Mahnungen. Als auch das nicht zum Erfolg führte, kappte das Unternehmen im Sommer 2010 zum ersten Mal die Wasserversorgung des gesamten Gebäudes. „Sieben Menschen waren von einer Minute auf die andere ohne Vorankündigung ohne Wasser“, erinnerte sich ein Mieter aus dem betroffenen Haus. „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie menschenunwürdig ein Leben ohne Wasser ist“, ergänzte die Hauseigentümerin. Sie beugte sich vorerst dem Druck der Stadtwerke und zahlte einen Abschlag von 2000 Euro in Verbindung mit der Bitte, der Sachverhalt möge endlich aufgeklärt werden. „Sie hat uns dann die Angaben vom Zählerstand zukommen lassen, doch die daraus resultierende Rechnung hat sie wieder nicht akzeptiert“, sagte Kallen. Also wiederholte sich der Vorgang. Die Stadtwerke mahnten, die Eigentümerin zahlte nicht, das Unternehmen ließ erneut den Wasseranschluss von der Straße her sperren. Diesmal bestellte die Hauseigentümerin einen Klempner, der den Hahn wieder aufdrehte. Auch dieses Prozedere wiederholte sich mehrfach. „Die Stadtwerke nutzen ihre Monopolstellung aus, um ihre Kunden zu nötigen“, sagte die Hauseigentümerin. Im April schalteten die Hausbewohner CDU-Ratsmitglied und Stadtwerke-Aufsichtsratsmitglied Dieter Küßner ein. „Seitdem wird das Wasser nicht mehr abgestellt“, sagte die Hauseigentümerin. Im August soll der kuriose Fall vor dem Landgericht geklärt werden.

Küßner nutzte die Ratssitzung, um die Stadtwerke der Erpressung zu bezichtigen – für ein Mitglied des Aufsichtsrats durchaus ungewöhnlich. Das Absperren des Wasser sei „ein unerhörtes Druckmittel, um seinen Willen durchzusetzen“, sagte er. Finanzdezernent Marc Hansmann hielt dagegen: Ein Unternehmen müsse wirtschaftlich handeln, alles andere wäre rechtswidrig. Im Übrigen sei das „Forderungsmanagement der Stadtwerke zurückhaltend“.

Tobias Morchner und Mathias Klein

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