Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Stadtwerke wollen das Ihme-Zentrum verlassen
Hannover Aus der Stadt Stadtwerke wollen das Ihme-Zentrum verlassen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:26 30.10.2015
Im Hochhaus am Ihme-Zentrum ist die Hauptverwaltung der Stadtwerke untergebracht, die laut einem Strategieplan jedoch bis 2020 aus dem Ihmezentrum ausziehen soll. Quelle: Christian Burkert
Hannover

Das Unternehmen will den Ende 2020 auslaufenden Mietvertrag für seine 20-stöckige Büroimmobilie nicht verlängern. Für den neuen Investor Intown, der bisher mit den Mieteinnahmen kalkuliert, dürfte die Nachricht einen herben Rückschlag bedeuten. Für die knapp 1000 Wohnungseigentümer ist die Nachricht eine weitere Belastung - seit Jahren müssen sie dem Niedergang der Immobilie zusehen, die in den Siebzigern als Zukunftsvision gefeiert wurde und den meisten Hannoveranern inzwischen nur noch wie eine triste Ruine vorkommt.

Bei den Eigentümern mischt sich Verzweiflung mit Verärgerung, sie fühlen sich im Stich gelassen: „Wir dürfen die Stadt nicht aus ihrer politischen Verantwortung entlassen“, fordert der langjährige Wohnungseigentümer Axel Brunngraber: „Sie muss politisch durchsetzen, dass die Stadtwerke bleiben.“ Wenn der Großmieter von Bord gehe, wachse das finanzielle Risiko der Wohnungseigentümer weiter an, denn laufende Kosten wie Hausmeister- oder Wachdienste müssten weiter gezahlt werden.

Seit Jahren zu wenig investiert 

Bei den Stadtwerken allerdings ist die Aussage klar formuliert. „Nach mehreren erfolglosen Revitalisierungsversuchen ist für das gesamte Ihme-Zentrum eine zukunftsträchtige Lösung bisher nicht zu erkennen“, heißt es im Unternehmenskonzept „K2025“, das der HAZ vorliegt. Ende November soll der Aufsichtsrat den Plänen Zustimmung erteilen. Darüber werde der Investor Intown nicht glücklich sein, heißt es vonseiten der Stadt. Man wolle aber dem Unternehmen nicht aus Rücksicht auf die Entwicklung der Immobilie Steine in den Weg legen.

Bei den Stadtwerken gibt es schon länger Unzufriedenheit mit dem Zustand des Bürohochhauses. Seit Jahren wurde unter wechselnden Investoren zu wenig investiert, nach der jüngsten Investorenpleite 2009 war vermehrt von Bauschäden die Rede. Trotzdem hielt man dem Haus die Treue - weil klar war, dass sich ohne Mieteinnahmen erst recht kein Investor finden würde. Aus diesem Grund bleibt auch die Stadtverwaltung mit ihrer Familien- und Seniorenverwaltung ein großer Büromieter im Ihme-Zentrum. Auch dort hat man dem neuen Eigentümer aber ein Ultimatum gestellt und will endlich konkrete Investitionspläne sehen.

Stellenabbau weiterer Auszugsgrund

Bei den Stadtwerken kommt nun aber ein weiterer Auszugsgrund hinzu. Das Unternehmen will innerhalb der nächsten zehn Jahre jede achte seiner aktuell 2540 Stellen abbauen. Dadurch verringere sich die benötigte Bürofläche um rund ein Fünftel auf 76 000 Quadratmeter, heißt es. Deshalb können sich die Stadtwerke künftig auf die Standorte Glocksee und Ricklingen konzentrieren - beide befinden sich im Eigentum des Unternehmens. Über einen Zeitraum von 30 Jahren ergebe sich dadurch in Summe eine Einsparung in dreistelliger Millionenhöhe. Zunächst müssten die Stadtwerke zwar in die Ertüchtigung der beiden Standorte 60 bis 70 Millionen Euro investieren. Hinzu kämen Ausgaben von 40 bis 50 Millionen Euro „zur ohnehin notwendigen Sanierung der Bestandsobjekte“. Im Anschluss führe das jedoch zu einer dauerhaften Kostenersparnis von 7 Millionen Euro jährlich.

Bewohner Constantin Alexander, der über das Ihme-Zentrum im Internet bloggt und Rundgänge für Interessierte anbietet, wünscht sich einen Runden Tisch, an dem die „vielfältigen Ideen für die Immobilie zusammengetragen werden“. Dort könnten neue Konzepte für eine Belebung des Ihme-Zentrums entwickelt werden. „Ich spüre ein großes Interesse an dem Gebäude - aber bisher gelingt es nicht, das in Schwung für einen Neustart umzuwandeln“, sagt er.

Von Jens Heitmann und Conrad von Meding

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok ist mit einer Delegation aus Politikern und Unternehmern nach China gereist, um die Kooperationen auszubauen und die nachgebaute Leinestadt anzusehen. HAZ-Redakteur Volker Wiedersheim ist mitgeflogen und berichtet vom Reiseprogramm. 

Volker Wiedersheim 28.10.2015

Mit hochwertigen handgemachten Taschen, Turnbeuteln und Wohnaccessoires hat das junge Label „Schøn“ aus Hannover den Newcomer-Wettbewerb für die Messe Designachten gewonnen. Modedesignerin Edda Wielert und Goldschmiedin Denise Mitschke holten bei der Online-Abstimmung die meisten Stimmen.

27.10.2015

In diesen Tagen zeigt sich der Herbst von seiner schönsten Seite. Leuchtend Rot und Gelb strahlen die Blätter. Aber noch einmal ganz anders sieht das herbstliche Hannover aus der Luft aus. Joachim Kopatzki hat Fotos zur Verfügung gestellt.

27.10.2015