Herr Franz, was bedeutet ein Stellenabbau von insgesamt 1200 Mitarbeitern für einen Standort wie Hannover?
Sowohl die Kaufkraft in der Region als auch die Wirtschaftskraft würden spürbar leiden. Sie können damit rechnen, dass jede unmittelbar bei der Bundeswehr betroffene Stelle wegen der Wertschöpfungseffekte den Wegfall eines weiteren Arbeitsplatzes bedeutet. Denn uns fehlt dann sowohl die Kaufkraft des Bundeswehrpersonals als auch das Auftragspotenzial, das von der Bundeswehr in der Region vergeben wird.
Gibt es besonders betroffene Branchen?
Sicherlich merkt so etwas als Erstes der Handel. Der Nachfragerückgang wirkt sich aber nicht minder auf Handwerksbetriebe wie Maler, Maurer oder Autowerkstätten aus. Ich muss aber betonen: Erstens sind im Moment alles unbestätigte Informationen. Und zweitens hat die Region bisher ja durchaus vom Umbau der Bundeswehr profitiert. Mit den hohen Investitionen in den Ausbau des Lufttransportgeschwaders in Wunstorf und der Stationierung der Feldjägerausbildung im Norden Hannovers ist der Bundeswehrstandort Hannover gestärkt worden. Es erscheint höchst sinnvoll, in einem verkehrsgünstig gelegenen Ort wie Hannover die Dienstleistungen zu konzentrieren. Es wäre bedauerlich, wenn von dieser Maxime jetzt abgewichen würde.
Macht Hannover vielleicht zu wenig Lobbyarbeit im Vorfeld der Wehrreform?
Ach, ich glaube, dass solche Entscheidungen mit Lobbyarbeit nur bedingt zu beeinflussen sind. Neben fachlichen Planungen spielen auch politische Überlegungen eine Rolle.
Hat die Region denn ein Konzept, wie sie die zu erwartenden Verluste bei den Arbeitsplätzen auffangen will?
Zunächst ist der Bund gefordert, für seine Mitarbeiter eine berufliche Perspektive zu eröffnen. Dabei gelingt es hoffentlich, andere Bundeswehreinheiten am Standort Hannover zu platzieren. Wenn es tatsächlich wie befürchtet zu einem Stellenabbau kommt, dann sind alle Akteure in der Region gefragt. Wir verzeichnen einen erfreulichen Beschäftigungszuwachs im Handwerk und recht dynamische Zuwächse in der Gesundheitswirtschaft. Ich bin zuversichtlich, dass wir unter anderem dort zusätzliche Mitarbeiter beschäftigen können.
Interview: Conrad von Meding
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