Mit Spannung werden die Planungen für den Wiederaufbau des Schlosses Herrenhausen ohnehin begleitet – nun haben die Verantwortlichen diese noch weiter gesteigert. Die Namen der drei Teilnehmer, die als Sieger aus dem von der Volkswagenstiftung ausgelobten Architektenwettbewerb hervorgegangen sind, wurden am Mittwoch zwar bekannt gegeben. Doch auf die Präsentation der preisgekrönten Entwürfe des erstplatzierten Hamburger Architekturbüros JK Jastrzembski Kotulla sowie der zweit- und drittplatzierten Kollegen ASP Schneider Meyer Partner aus Hannover und Peter Kulka aus Dresden muss die Öffentlichkeit weiter warten: Erst am 16. April sollen die Pläne vorgestellt werden.
Wilhelm Krull, Generalsekretär der VW-Stiftung, wirbt um Verständnis: „Das ist keine böse Absicht.“ Um möglichen rechtlichen Einsprüchen unterlegener Wettbewerbsteilnehmer vorzubeugen, müsse das Protokoll der Jurysitzung mit allen Beteiligten abgestimmt werden, erklärte er. Und das dauert offenbar seine Zeit. Bis zum Stichtag Mitte April haben die Mitglieder des siebenköpfigen Gremiums Stillschweigen vereinbart – und auch den Architekten eine Kommentierung der Entwürfe untersagt. Krull, neben Oberbürgermeister Stephan Weil und Stadtbaurat Uwe Bodemann einer der Juroren, wollte die prämierten Entwürfe gestern darum nicht bewerten. Er gab sich diplomatisch und sagte nur: „Ich bin sehr erfreut über das Ergebnis und sehe gute Möglichkeiten, die Anforderungen moderner Architektur mit der Rekonstruktion des Lavesbaus verbinden zu können.“
Das war eine der Voraussetzungen für den mit insgesamt 100 000 Euro dotierten Wettbewerb, an dem sich 81 Architekturbüros beteiligt hatten – 14 von ihnen kamen in die engere Auswahl. Laut Ausschreibung mussten sie ein „multifunktionales Tagungszentrum“ konzipieren, dessen klassizistische Fassade „getreu der historischen Gestalt wiederherzustellen ist“. Einfacher gesagt: Die altehrwürdige Schlossfassade bleibt, das Gebäude bekommt aber ein hochmodernes Innenleben.
Denn die VW-Stiftung, die den hochherrschaftlichen Bau für 20 Millionen Euro wiedererrichten lässt, will diesen für wissenschaftliche Kongresse und kulturelle Veranstaltungen nutzen, die rund ums Jahr in Herrenhausen abgehalten werden sollen. Vorgesehen ist, den zentralen Hörsaal unter die Erde zu legen. In den Seitenflügeln soll unter Federführung des Historischen Museums eine Dauerausstellung eingerichtet werden, die schwerpunktmäßig Gottfried Wilhelm Leibniz und seiner Epoche gewidmet ist. Die Architekten waren im Wettbewerb daher auch aufgefordert, sich Gedanken über eine unterirdische Verbindung beider Gebäudeteile zu machen. Darüber hinaus erwartet die VW-Stiftung Lösungen, wie das Schloss an das denkmalgeschützte Arne-Jacobsen-Foyer und das Restaurant Schlossküche angebunden werden kann.
Wie sie die Anforderungen bewältigt haben, darüber hüllten sich die Architekten aus den Siegerbüros gestern vereinbarungsgemäß in Schweigen. Immerhin waren ihnen einige emotionale Äußerungen zu entlocken. „Das ist eine tolle Sache“, freute sich Sven Kotulla, dessen Büro mit dem ersten Preis über 40 000 Euro ausgezeichnet wurde. Einen Neubau im alten Gewand zu errichten, sei eine Herausforderung. Einmal hat Kotulla das schon praktiziert: Er arbeitete für sein damaliges Büro Sunder-Plassmann an dem Museum „Kunst der Westküste“ auf Föhr mit, das ebenfalls eine klassizistische Fassade hat.
Auch das mit 20 000 Euro belohnte, zweitplatzierte hannoversche Büro ASP hat Erfahrung mit Entwürfen zur Rekonstruktion historischer Gebäude. „In dem internationalen Wettbewerb zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses sind wir in die Endrunde gekommen“, sagt Architekt Wolfgang Schneider. In Herrenhausen war ASP auch schon tätig: Der Umbau des Restaurants Schlossküche und des Hardenbergschen Hauses entstand nach Plänen des Büros. Die dritten Preisträger vom Büro Peter Kulka, die 10 000 Euro erhalten, können unter anderem die Umgestaltung der Ausstellungsräume im Residenzschloss Dresden und eine moderne Überdachung des Renaissancebaus als Referenzen vorweisen.
Juliane Kaune
Kommentare
Der Klassizismusbetrug Bürger – 06.04.10
In der Baukunst gibt es keine verächtlichere Verletzung der Wahrheit, nämlich eine unwürdige Vorspiegelung falscher Tatsachen- so wie dieser verlogene Disney-Land-Schloss-Entwurf.Auch der Präsident der Architektenkammer Niedersachsen, Schneider hat sich mit der Teilnahme am Wettbewerb diskreditiert und ist für ernsthafte Zeitgenossen in seiner Funktion als Präsident einer Architektenkammer nicht mehr ernst zu nehmen. Persönlich: Herr Schneider, entweder man hat Kultur, oder man tut nur so, nicht war.
Schloss Herrenhausen Jan K. – 03.04.10
Ihr Nörgler und Schlossgegner nervt gewaltig. Seid doch froh, dass endlich mal versucht wird, das Stadtbild und Hannovers schlechtes Image aufzuwerten.@ uz LJA – 02.04.10
Das wir uns nicht falsch verstehen: Laves hat in Hannover großartiges geleistet, nur dieses "Schloss" gehört leider nicht dazu, wie ihm vermutlich auch selbst bewußt war. Er hat es ja auch nicht entworfen sondern, wie Sie richtig sagen, der Not gehorchend zurückbauen müssen. Als Hofbaumeister blieb ihm da nichts anderes übrig. In dieser Hinsicht war das damals entstandene Gebäude auch ein Symbol für den zunehmenden Bedeutungsverlust Hannovers.Etwas Häme habe ich in der Tat - und zwar für die Gruppe von einflußreichen Honoratioren, die mit diesem Projekt lediglich ihre eigenen Erinnerungen wieder herstellen und ihre Namen verewigt sehen wollen. Dabei nehmen sie eine, mit Verlaub, optische Verhunzung des einzigen erhaltenen Barockgartens nördlich der Alpen billigend in Kauf. Dabei mißbrauchen diese Männer auch noch die Namen Leibniz und Laves. Der erste hatte mit der Epoche dieser Fassade nun gar nichts zu tun, der andere soll mit seinem Namen für Qualität bürgen, die hier aber leider nicht vorhanden ist.
Man hätte gerne auf einen Neubau verzichten können, man hätte die Barockfassade rekonstruieren können. Die jetzt gefundene Variante ist die schlechteste.
@LJA uz – 02.04.10
Ich verstehe, ehrlich gesagt, die Laves entgegengeschleuderte Verachtung nicht, die den Attributen "schäbig" und "drittklassig" innewohnt. Auch scheint Ihrer Prognose rasch nachlassenden Publikumsinteresses eine gewisse Häme beigemischt. Zweifel habe allerdings auch ich, ob sich nicht gerade bei der Ehrenhof-seitigen Fassade eine gewisse Ernüchterung einstellen wird. Nur: Mehr als die von Laves vorgenommene Lösung war bei dem defizitären Vorgängerbau Sartorio's/ Quirini's nicht drin. Von daher - auch angesichts der nie realisierten Gesamtkonzeption Herrenhausens als repräsentativer Sommerresidenz und mit Blick auf die Gartenanlage- wäre ein Verzicht auf den Wiederaufbau vernünftig gewesen. Den bislang geäußerten Vorstellungen zur Museumsnutzung bzw. zu einer Dauerausstellung haftet leider auch viel Unausgegorenes an, z.B. die Planung eines Verbindungstunnels, nur um die lichtempfindlichen Leibniz-Exponate, deren Präsentation das ganze Projekt zu einem guten Teil rechtfertigen, unterbringen zu können. Oder der Verzicht auf die Prunkkarossen, weil die Raumgrößen der Seitenflügel deren Zurschaustellung verhindern. Somit kündigen sich bereits jetzt Kompromisse an, die in der Problematik des Herrenhäuser Schlosses begründet sind.@ H. Kondratjuk LJA – 02.04.10
Keine Angst. So viele Leute werden nicht kommen. Nachdem sich alle Hannoveraner das Ding einmal angeschaut haben wird Schluß sein. Dadurch, dass an Stelle des grossen Paterres in Zukunft die schäbige Rückseite eines drittklassigen Klassizismus-Baus zur Strasse hinaus blickt, ist sogar zu befürchten, dass von außerhalb noch deutlich weniger Besucher kommen.Die Preise werden natürlich trotzdem erhöht, denn die Finanzierung für den Museumsteil ist noch überhaupt nicht geklärt und die Scharen von städtischen und freischaffenden Planern, die daran arbeiten, wollen ja auch bezahlt sein.
Herrenhäuser Gärten H. Kondratjuk – 02.04.10
Wir hoffen, das die Stadt H. nicht sofort nach Fertigstellung des Neubaus die Eintrittspreise für die Herrenh. Gärten und den Berggarten erhöhen.Aber es ist zu befürchten das dies geschieht. Warum ? Aus Umweltschutzgründen; es kommen zu viele Besucher (laut und machen krach). Die Wege im Garten sind nicht gepflastert ; bei Trockenheit Staubflug mittlerer Körnung (Gesundheitsschädlich). Eine große Herausforderung für die Regierung aus R + G.
Müll auf.
Fassade Gerda Streich – 02.04.10
@r.cDa Sie mich direkt ansprechen, antworte ich Ihnen direkt. Ihre Wortwahl und Ihre Anfeindungen sprechen für sich. Gern würde ich mich mit Ihnen über die Bausünden der Vergangenheit, der Gegenwart und auch der Zukunft unterhalten. Aber nicht in diesem Ton.
@noch ein Bürger
haben Sie sich einmal Gedanken darüber gemacht, welche Ursachen für die Zerstörung Hannovers und damit auch des Herrenhäuser Schlosses verantwortlich waren?
Ich weiß nicht wie alt Sie sind. Ich für meinen Teil habe es nicht gekannt und somit auch nie vermisst.
Ich liebe Altbauten, lebe gern ihnen und bin für ihren Erhalt. Hinter einer rekonstruierten Fassade möchte ich jedoch nicht leben.
Die Mehrheit der Bürger, wenn man sie dann fragt, interessiert das Schloss bestimmt nicht. Für sie ist eine gesicherte Zukunft wichtig. Und die hat sie nicht.
Frohe Ostern
Eine perfekte Soap-Opera Bürger – 01.04.10
Eine Zauberwelt der Illusionen. Ein dekorativer Rahmen aus längst vergangenen Zeiten mit samt Garten und Luststücken sollen in der Phantasie wach gehalten werden. Und wenn dann die frisch gepuderten Damen in Seidenrobe z. B Frau Merkel und ihre sinnenfrohen Verehrer (Herr Wulff) dort auftreten in der Dunkelheit, wird diese Illusion perfekt. Das Kongressthema steht auch schon fest: Wie kann die gigantische Verschuldung der Haushalte gestoppt werden? Eine perfekte Inzenierung für die Schafe.Zeitgenössische Architektur r.c. – 01.04.10
@ Frau StreichSie sollten sich schämen hier derartig platte Dummheiten von sich zu geben.
Ich für meinen Teil kann an Rekonstruktionen oder auch nur einem möglichst 'nahen' Wiederaufbau der Vergangenheit beim besten Willen keine Geschmacksverirrung feststellen.
Das sich die Menschen nach vergangenen Epochen und ihrer Architektur sehnen hat wohl vielmehr etwas mit dem Unvermögen heutiger Architekten und der Sparwut der Investoren zu tun.
Abschreckende Beispiele wie die Ernst-August-Galerie (Parkhaus!), der Umbau am Raschplatz etc. zeugen gerade vom Unvermögen der heutigen Epoche, Plätze oder Gebäude zu entwickeln die der Mensch als schön empfindet.
Oder glauben Sie die Ernst-August-Galerie wird als Postkartenmotiv wie das Schloss Herrenhausen überdauern?
Insofern meine lieben Architekurkritiker und Anhänger der Neuzeit: 6 setzen!
Pro Schlossfassade noch ein Bürger – 01.04.10
Wie erbärmlich, dass sich hier eine handvoll slebsternannter Intellektueller als Gegner des Schlosses selbst feiert.Das Schloss ist Teil der hannoverschen Geschichte, egal ob es mit einem geringen Teil an originaler Bausubstanz oder nur als "Fassade" wiederaufersteht.
Die Mehrheit der Bürger, und ganz sicher nicht nur der ungebildete Pöbel, wie Sie hier auf ihre dreckige Art uns Glauben machen wollen, wird die Auferstehung des Schlosses begüßen.
Kein moderner Bau wäre in der Lage die Bevölkerung derart zu begeistern, und das Wissen Sie auch.
Aber blebien Sie nur dabei alle Andersdenkenkenden als minderwertig zu beschimpfen.
Damit entlarven Sie sich nur selbst!
Leider kein Aprilscherz Gerda Streich – 01.04.10
Die Herren, die die Rekonstrukton dieser Fassade begrüßen, mögen bitte auch die Kleidung der damaligen Zeit tragen, jeder nach seinem Stand. Und sie mögen auch die Zeit leben.An alle, die meinen, Architektur aus dem Bauch heraus beurteilen zu können, sei gesagt, unsere Städte und Dörfer sähen noch viel schlimmer aus. Wenn jeder tun und lassen könnte, was er wollte, nicht auszudenken. Da stünde dann Neuschwanstein neben einem Schwarzwaldhaus.
Ein ganz schlimmes Beispiel ist das Denkmal der "Göttinger Sieben" vor dem Niedersächsischem Landtag. Diese Herren wären mit Sicherheit nicht mit dieser, an Kitsch nicht zu überbietenden Darstellung einverstanden, lebten sie denn in unserer Zeit.
Nein, manchmal lässt sich über Geschmack nicht streiten. Er hat auch etwas mit Ausbildung und Schulung zu tun.
@BRA Bürger – 01.04.10
Sorry, so ist es! Und das bedrückt einen als Bürger und Modernitätstraditionalisten. Bürger dieser Stadt, fangen sie an zu denken!@LJA Bürger – 01.04.10
So ist es! Und das bedrückt einen als Bürger und Modernitätstraditionalisten. Bürger dieser Stadt, fangen sie an zu denken, sie werden gerade verkauft.P.S.: Ich gehöre keiner politischen Partei an.
@m.e. BRA – 01.04.10
Schon lustig, wenn man sich das mal auf der Zunge zergehen lässt: Architektonische Bildung braucht es nicht, um als Bürger dieser Stadt über die Gestaltung des Schlosses mitreden zu dürfen. Dass Bürger über die Gestaltung eines Schlosses mitreden wollen, ist ja schon an und für sich grandios, aber dann auch noch ohne architektonische Bildung. Es mag ja elitär sein, wenn man das nicht für den "Königs"weg hält, aber mit Baukultur hat all das sicherlich nichts zu tun, sondern nur mit noch mit Meinung, Kommerz und oberflächlichem Getue.@Hannoveraner Bürger – 01.04.10
Der Zweifel ist Bürgerpflicht, lieber Hannoveraner. Das dokumentiert nur geistige Unabhängigkeit. Folgen sie doch einfach den Argumenten. Wenn das nicht möglich ist, und sie haben zur Sache nichts zu sagen, dann schweigen sie doch einfach und genießen sie das über Jahre erworbene Wissen, die Kenntnisse und Erkenntnisse anderer Zeitgenossen. Man darf ja auf dieser Plattform erwarten, dass Argumente ausgetauscht werden, das gehört zur demokratischen Streitkultur. Da lobe ich mir z.B. „Stier“, ich vermute er ist auch nicht vom Fach, gibt jedoch immer gute Kommentare zur Sache ab. Lieber „Stier“, teile Ihre Meinung!Auch an "BRA" reflektiert die falschen Überzeugungen.
... Hannoveraner – 01.04.10
Es ist schon erstaunlich was für überhebliche Schwachköpfe sich in diesem Forum tummeln:Bürger:
"Deshalb ist es natürlich fatal, wenn Leute wie sie über diesen Gegenstand fachlich mitreden wollen, ohne Qualifikation für Kritik und Urteile. Eine Meinung dürfen sie haben, die sollte jedoch nicht weiter ernst genommen werden."
Sie sind wohl hoffentlich auch dem Kreis arbeitsloser Architekten zuzurechnen ;)
... ein langweiliges Gebäude ... ab – 01.04.10
... und - by the way - gibt es in Hannover nicht schon Tagungsräume in Hülle und Fülle, satt und genug?Kommentare m.e. – 01.04.10
@ BürgerNun, ich verfüge durchaus über eine akademische Ausbildung.
Nur nicht im Bereich Architektur. Aber die braucht es auch nicht um als Bürger dieser Stadt über die Gestaltung des Schlosses mitreden zu dürfen.
Ihr Kommentar hingegen ist überheblich, beleidigend und strotzt nur so von Peinlichkeiten, die Sie vermutlich aus ihrem abgebrochenen Architekturstudium noch zusammengeklaubt haben.
Insgesamt zeigt ihr Kommentar einmal mehr, dass man Menschen wie Ihnen, die sich als eine selbsternannte Elite sehen, ohne auch nur die mindeste Berechtigung dazu haben, ganz sicher keine Aufmerksamkeit in dieser Diskussion schenken darf!
Die Menschen wollen das Schloss und damit hat es seine Berechtigung.
Innen hui, außen pfui! Stier – 01.04.10
Ich erlaube mir, meinen Kommentar vom 3. Juli 2009 zu wiederholen:„Früher haben Männer Schlösser gebaut, um irgendwelchen Frauen zu imponieren. Heute bauen Männer Schlösser, weil sie anderen Männern imponieren wollen. Die Frauen lachen sich derweil ins Fäustchen.“
Als die HAZ vor rund drei Jahren die Pläne vom Wiederaufbau des Schlosses erstmals veröffentlichte, präsentierte sie auf der Lokalseite namentlich rund 10 Personen, die darüber begeistert waren. Lauter Männer! Nicht eine einzige Frau wurde zitiert. Alle Frauen, die ich wiederum fragte, sagten, das sei Unfug. Das meinte übrigens auch der Präsident der niedersächsischen Architektenkammer Wolfgang Schneider, wenn auch etwas diplomatischer, im Januar 2008: „Bloße Kopien entfalten keine Wirkung, erscheinen leblos.“ Er verlangte einen Architektenwettbewerb, an dem er jetzt selbst teilnahm. Den 1. Preis hat nun ein Büro gewonnen, das die altwürdige Schlossfassade kopiert. Dahinter soll sich ein hochmodernes Innenleben entfalten. Wir bekommen – um mit den Worten von Wolfgang Schneider zu sprechen – eine leblose Fassade, hinter der sich das pralle, bürgerliche Leben abspielen soll. Irgendwie dekadent. Frauen an die Macht!
Neo-Klassizismus Bürger – 01.04.10
Sprechen wir also über Bilder, welches Bild wird uns hier präsentiert? Das Konzept spiegelt uns einen „Klassizismus oder eine klassische Form“ vor. Es ist ein Traumbild oder Phantasiebild oder eine Sehnsuchtsform. Auch wird unter "Klassizismus und klassisch" immer etwas Verschiedenes verstanden. Soll hier die Begeisterung für die „Schönheit“ und „Menschenwürde“ ausgedrückt werden, oder „Tapferkeit und Tugend“, oder letztlich der „Wille zur Freiheit“? Das alles ist klassisch. Was ist mit der Vereinigung von Ideal und Wirklichkeit? Der Entwurf sucht lediglich das stilgerechte Haus, ist jedoch ein Zeugnis, dass ohne Stil im Lebenssinne bleibt. Insofern ist es lediglich eine Bedeutungskopie, eine Verletzung der Wahrheit, eine unwürdige Vorspiegelung falscher Tatsachen. Es ist eine Absage an die Moderne, an unsere heutige Zeit. Und da reden alle von der aufgeklärten Wissens- und Bildungsgesellschaft? Leibnitz wird sich im Grab umdrehen. Hat er sich denn nicht sogar in seinen Briefen darüber beklagt, dass er sich mit Niemandem in Hannover unterhalten konnte? Alles was Geschichte ausstrahlt ist heute exotisch, weil es „alt“ und nach „Kunst“ aussieht. Aus Ruinenromantik wird die Verteidigung von Kunst, Sentimentalität ist auch im Spiel, und nicht zuletzt auch als Kritik an der heutigen Wirklichkeit. Es sollen imaginäre Werte wiederhergestellt werden. Die Wiederherstellung von Gegenständen aus der Vergangenheit ist eine Frage an das Geschichtliche und das Geschichtsbewusstsein- eigentlich eine Aufgabe für Historiker und nicht für Politiker, Eventmanager und das Tourismusmarketing.Pseudo-Intelektuell CC – 01.04.10
Dieses sinnlose und "dämliche" Gelabere. Architektur ist für die Menschen da! Wenn ich die Wahl hab zwischen:a) einer Graswiese
b) einer passenden Schloßhülle zum Garten (wenn auch nicht barock)
c) einem funky Klotz (Glas/Stahl)
Dann nehme ich Antwort b). Dieses Disneyland-Geseiere, Reko-Debatten interessieren nicht. Das Schloß ist schön, wichtig, bringt Geld und ist umsonst. Aber nein, die Herren Architekten/Künstler wollen alles mießmachen.
Hallo Verein Flusswasserkunst! BRA – 01.04.10
@RSWarum eine Rekonstruktion beim Landtag nicht möglich ist? Schon allein deswegen, weil es keinen historischen Vorgängerbau gibt, den man rekonstruieren könnte. Das Schloss hat nämlich nie einen historischen linken Flügel gehabt. An der Frage wird aber deutlich, dass es offensichtlich gar nicht um die Wiederherstellung verloren gegangener Bauten geht, sondern um die Schaffung von Atmosphäre; mit Historie hat das dann aber nichts mehr zu tun. Und wenn man der Nord/LB etwas nicht vorwerfen kann, dann sicherlich die Tatsache, sie sei austauschbar. Zumindest das Hochhaus gibt es so definitiv kein zweites Mal, von daher hat die Nord/LB unabhängig davon, ob man sie schön findet, das Zeug zum Wahrzeichen für Hannover. Austauschbar ist hingegen viel eher das Schloss Herrenhausen, das keineswegs so einzigartig ist, als dass es irgendjemandem auffallen würde, wenn es statt in Hannover in Potsdam, Darmstadt oder Karlsruhe rekonstruiert würde. Wenn man so will, würde das in jeden achsialsymmetrischen Kontext passen und wäre dort hübsch anzusehen.
@Christoph
Ich sehe mich nicht als notorischen Nörgler und sehne mich auch nicht nach einer Mondreise, aber ich möchte ganz einfach nicht in einer Stadt leben, die sich ihre Identität in einer Vergangenheit sucht, welche es so ganz einfach nicht mehr gibt. Einer Stadt, die darüber den Blick nach vorne vergisst und dabei die Chance auf Höchstleistungen unserer Zeit vertut. Das Vorkriegshannover werden wir auch nicht annähernd wieder herstellen können, zumal selbst die Rekonstruktionsbefürworter bestimmte Errungenschaften des Wiederaufbaus sicherlich nicht missen wollen. Von daher führt einen die ganze Rekonstruriererei früher oder später in die Sackgasse, weil die Fragen „neu oder alt“, „neu und alt“ immer nur ein Stück weiter geschoben wird und dann zu absurden Konsequenzen führt.
@m.e.
Das Schloss war schön und gehört zur hannoverschen Geschichte bis 1945, aber nicht zu seiner jüngeren Geschichte und auch nicht zur Gegenwart. Das kann man erstmal so festhalten. Welche Rolle es in der Zukunft Hannovers einnehmen wird, wird man sehen. Zumindest die Hoffnung, dass Touristen wegen eines Schlosses des Baujahres 2011/12 Hannover besuchen, erscheint mir reichlich grotesk, solange es selbst in Hannover noch Schlösser gibt, bei denen zumindest die Fassaden den Krieg überstanden haben, und auch in der Region zahlreiche Schlösser, deren kunstgeschichtlicher Wert schon damals größer als der des Original-Schlosses in Herrenhausen war.
@CC
Eine Rekonstruktion ist eben nicht authentisch, darum geht es doch gerade. Die Dresdner Frauenkirche bezieht ihre Authentizität gerade daraus, dass sie zu einem guten Teil mit den originalen Steinen wiedererrichtet wurde, unter anderem hierin unterscheidet sich dieses Beispiel ganz wesentlich von den vielen aktuellen, rein atmosphärisch motivierten Rekonstruktionen, die blutleer bleiben werden, auch wenn die in die Irre geführten Touristen nachher knipsen mögen.
@Bürger Jonas – 01.04.10
Bürger schrieb: "Eine Meinung dürfen sie haben, die sollte jedoch nicht weiter ernst genommen werden."haha - ist das Ihr ernst? Die Meinung sollte nicht ernst genommen werden? Großartig was sich hier so mancher heraus nehmen.
@ RS; Christoph; m.e.; CC Bürger – 01.04.10
Also, zunächst einmal sollte man hier eine Begriffdefinition vornehmen. Es handelt sich um keine Rekonstruktion (lat. reconstructio „Wiederzusammenfügung“). Vom ehemaligen Schloss in Herrenhausen existiert kein einziger Stein mehr, ich vermute auch keine einzige technische Zeichnung mit Maßangaben, sondern nur Abbildungen. Bei einer „Rekonstruktion“ muss es sich um die tatsächliche Wiederherstellung eines verloren gegangenen ursprünglichen Zustandes von Werken der bildenden Künste und Architektur oder historischen Denkmals handeln. Die „Rekonstruktion“ erfordert die exakte Erfassung noch vorhandener originaler Einzelteile. Je weniger exakte Unterlagen vorliegen, um so hypothetischer ist der Charakter und um so geringer der Wert. Wir können hier, wie in Disneyland und Las Vergas von einer Bedeutungskopie sprechen, und selbst das nicht, denn nur die äußere Erscheinung ist eine Bedeutungskopie, das Innere wird modern behandelt und eventuell sogar mit einem Tunnel versehen. Da sagen jetzt einige, ist doch trotzdem schön. Und da fangen halt die Unterschiede an. Die Wahrnehmungen der Menschen sind unterschiedlich. Das hat natürlich immer etwas mit Bildung und Ausbildung zu tun. Deshalb ist es natürlich fatal, wenn Leute wie sie über diesen Gegenstand fachlich mitreden wollen, ohne Qualifikation für Kritik und Urteile. Eine Meinung dürfen sie haben, die sollte jedoch nicht weiter ernst genommen werden.@Bürger CC – 01.04.10
Disneyland "kopiert" Bauten - rekonstruiert wird dort nicht. Das ist ein elementarer Unterschied. Eine Rekonstruktion ist authentisch und schon immer in der Baugeschichte allgegenwärtig gewesen.Lieber eine Schloßrekonstruktion, die dem Steuerzahler keinen Geld kostet, als seelenlose Kommerzbauten in unserer leidgeprüften City.
Altes Flair m.e. – 01.04.10
Das Schloss ist schön und gehört zur hannoverschen Geschichte. Es wird sicherlich viele Besucher in die Gärten locken und dem tristen und grauen Hannover der Nachkriegszeit endlich mal wieder ein wenig Gesicht geben.Die notorischen Nörgler und Querulanten hier wollen es zwar nicht wahrhaben, aber Rekonstruktionen sind überall in Deutschland ein voller Erfolg.
Also gebt den Leuten endlich was sie wollen!
In diesem Zusammenhang: als nächstes bitte die wunderschöne Flusswasserkunst wieder aufbauen!
Pro Rekonstruktion histroischer Gebäude Christoph – 01.04.10
Ich würde mich sehr freuen, wenn in Hannover noch mehr historische Gebäude rekontruiert würden, um der Stadt seine Seele zurückzugeben.Euch notorische Nörgler sollte man echt zum Mond schießen.
Weiter so RS – 01.04.10
Wer sagt denn, dass man nicht historisch verloren gegangene Gebäude wieder zum Leben erwecken kann. Sowas macht Disney und die anderen Freizeitparks doch auch ständig und der Erfolg gibt ihnen recht. Warum war das nicht beim Landtag möglich? Einige Stellen in Hannover könnte man so wieder etwas Atmosphäre verschaffen und der Stadt eine Identität geben. Diese Glasaustellunghallen wie z.B. auch die Nord-LB sind ja austauschbar und seelenlos. Der Stein kann garnicht groß genug sein, den ich da am liebsten reinwerfen möchte.Disneyland in Herrenhausen Bürger – 01.04.10
Bei diesem „Schloss-Projekt“ geht es um eine „historische“ Projektion, um die Erstellung eines historischen Bildes. Auch im US-amerikanischem „Disneyland“ oder „Las Vegas“ finden wir diese Projekte für den Massen-Tourismus geplant. Und bitte, liebe Journalisten: Der Entwurf ist noch nicht einmal eine „Rekonstruktion“. Ich glaube sogar, Leibnitz dreht sich im Grab um und auch die Statuen Herkules, Saturn oder Vanitas sind gelangweilt über diese Zauberwelt der Illusionen. Ein dekorativer Rahmen aus längst vergangenen Zeiten mit samt Garten und Luststücken sollen in der Phantasie wach gehalten werden. Und wenn dann die frisch gepuderten Damen in Seidenrobe und ihre sinnenfrohen Verehrer dort auftreten in der Dunkelheit, wird diese Illusion perfekt. Das erste Kongressthema steht auch schon fest: Wie kann die gigantische Verschuldung der Haushalte gestoppt werden?Dr. Jekyll und Mr. Hyde Tristan Kuhfuss – 01.04.10
Derselbe Herr Schneider (ASP), zu dessen hervorstechendsten Merkmalen seine Beflissenheit zählt, hat ja noch 2008 in der HAZ geglaubt, sich höchst kritisch zum Projekt Schlossfassade äußern zu müssen. Hauptsache, die Einschaltquote stimmt!Für Geld macht der Herr alles.
Endlich! CC – 01.04.10
... mal ein vernünftiges Bauprojekt mit solidem Investor, dass unsere Stadt aufwertet und nach vorne bringt. Weiter so!(die notorischen Nörgler, die gleich nach mir kommentieren werden, können dies nicht aufhalten - Gott sei Dank!)