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Aus der Stadt An die Arbeit!
Hannover Aus der Stadt An die Arbeit!
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22:59 11.10.2013
Von Andreas Schinkel
„Lassen Sie sich überraschen“: Stefan Schostok nahm am Freitag als neuer Chef im Rathaus an seinem Schreibtisch Platz. Er will den Dialog mit den Bürgern suchen. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Seine Amtsübernahme wurde zugleich überschattet von den finanziellen Schwierigkeiten beim Logistikunternehmen Netrada. „Wir müssen darüber reden, wie wir dem Unternehmen helfen können“, sagte Schostok im Gespräch mit der HAZ. Auch mit dem Land wolle er über Hilfsmaßnahmen sprechen. „Allerdings ist es nicht so, dass die gesamte Branche in Schwierigkeiten geraten ist“, betonte er. Die Stadt habe ein Interesse daran, die Beschäftigung zu sichern und den Standort Hannover zu erhalten. Damit spielte Schostok auf die riesige Logistikhalle an, die Netrada derzeit für 50 Millionen Euro auf dem Messegelände errichtet. Das Unternehmen steckt in einem Insolvenzverfahren.

Stefan Schostok hat am 11. Oktober mit seinem ersten Tag im Rathaus die Geschäfte des Oberbürgermeisters übernommen.

Noch als einfacher Bürger hatte Schostok am frühen Morgen die Eingangshalle des Rathauses betreten und mit Handschlag Pförtner Tomasz Rosani begrüßt. Erst danach gab Schostok seine schriftliche Erklärung beim stellvertretenden Wahlleiter ab, dass er die Wahl annimmt. Im Tausch bekam er die Oberbürgermeister-Urkunde. Danach eilte das neue Stadtoberhaupt zur ersten Konferenz mit seinen Mitarbeitern aus dem OB-Büro und der Ersten Stadträtin Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne).

Sie hatte als Interimschefin mehrere Wochen die Geschäfte im Rathaus geführt. „Ich bin froh, dass ich jetzt mehr Zeit für mein eigenes Ressort Wirtschaft und Umwelt habe“, sagte sie. Antrittsbesuche auf Betriebshöfen und bei der Stadtentwässerung stünden noch aus. Über die angespannte Lage bei Netrada habe sie Schostok aber längst informiert. In einem Übergabegespräch berieten die Erste Stadträtin und der neue OB noch andere drängende Themen an, etwa den Konflikt um die Nutzung des Schlosshofs in Herrenhausen.

Stefan Schostok ist das 14. Stadtoberhaupt, das die 1901 gefertigte Amtskette tragen darf. Zum Einsatz kommt sie bei besonderen Anlässen.

Nach der Pflicht folgte die Kür. In der Ratsstube hängte Bürgermeister Bernd Strauch dem neuen OB die goldene Amtskette um – im Blitzlichtgewitter von rund 20 Fotografen. „Passt!“, rief Schostok. In seiner kurzen Antrittsrede lobte er die Arbeit der Dezernenten, die acht Monate auf sich allein gestellt waren. So lange blieb der Chefsessel im Rathaus nach der Wahl von Stephan Weil zum Ministerpräsidenten leer.

Versöhnliche Worte fand Schostok für seinen politischen Gegner von der CDU. „Das war ein fairer Wahlkampf, der keine Gräben aufgerissen hat“, sagte Schostok. Daher könne man auch gemeinsam die Zukunft der Stadt gestalten. Damit schloss er ausdrücklich die Bürger ein. „Ich will neue Dialoge anbieten und die städtische Demokratie stärken“, sagte Schostok. Was das konkret bedeutet, davon können sich die Hannoveraner spätestens am 8. Januar 2014 ein Bild machen. Schostok . lädt alle Bürger ins Rathaus zum Neujahrsempfang ein. „Lassen Sie sich überraschen“, sagte er am Freitag.

Später empfing der OB in seinem neuen Büro eine ganze Reihe von Gratulanten. Der Freundeskreis Hannover schenkte ihm einen Klappliegestuhl, bedruckt mit Fotos der Stadt, Messechef Wolfram von Fritsch einen kleinen ferngesteuerten Hubschrauber für erhebende Momente im Büro. „Ich stürze dabei immer ab“, meinte von Fritsch.

Amtskette des Oberbürgermeisters ist 90.000 Euro wert

Die Amtskette des Oberbürgermeisters von Hannover wurde 1901 von den Juwelieren Lahmeyer und Sohn für 13 000 Goldmark aus 1750 Gramm Gold gefertigt. Ursprünglich zierte die bandartig geflochtenen Glieder ein gekröntes Mittelteil mit einem Portrait Kaiser Wilhelms II. Nach dem Ende der Monarchie wurde die Kette bis 1950 nicht mehr eingesetzt und in einem Tresor des Rathauses verwahrt. Als neues Mittelteil wurde nach 1950 ein Stadtwappen aus Weißgold, Perlen und Diamanten eingesetzt. Der heutige Wert der Amtskette beträgt rund 90.000 Euro. Nur der Oberbürgermeister trägt sie bei besonders repräsentativen Anlässen.

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