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Aus der Stadt „Steintorplatz für alle“: Beteiligung beginnt
Hannover Aus der Stadt „Steintorplatz für alle“: Beteiligung beginnt
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00:32 15.06.2018
„Steintorplatz für alle“ sagt Stadtbaurat Uwe Bodemann (links auf der Bühne, mit Moderator Klaus Overmeyer) zum Beginn der Bürgerbeteiligung zur Platzumgestaltung. Quelle: meding2@aol.com
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Mit dieser Resonanz hatte sogar Stadtbaurat Uwe Bodemann nicht gerechnet. Mehr als 200 Interessierte sind zum Start der Bürgerbeteiligung für die Neugestaltung des Steintorplatzes gekommen. Sogar eine Demo gab es gleich zu Beginn: Mitglieder der DKP warnten, die Beteiligung sei nur ein Feigenblatt, Stadt und Investoren wollten ihre längst feststehenden Pläne zur Bebauung des Platzes damit nur legitimieren. Bodemann widersprach: „Die Ideen von Ihnen allen sind gefragt.“ Goseriedeplatz, Kröpcke, Marstall – viele Plätze würden derzeit umgestaltet. Am Steintor probiere man nun ein neues Beteiligungsformat, und mit der Umsetzung der Bürgerwünsche solle „ein Schlussstein in der Entwicklung der Innenstadt“ gesetzt werden.

Mehr als 200 Besucher sind zum Start der Bürgerbeteiligung Steintorplatz gekommen. Auch eine kleine Demo gab es.

Die Stadt geht erstmals ganz neue Wege und lädt zur Beteiligung nicht in Versammlungsräume ein, sondern kommt auf die Plätze. Markanter Blickfang dafür ist ein Doppeldeckerbus als Treffpunkt und Planungswerkstatt. Von mehreren Anliegern gab es Lob dafür. Hans-Joachim Flebbe, Betreiber der Hochhaus-Lichtspiele am Platz, etwa sagte: „Ich habe alle Bausünden in dieser Stadt miterlebt, vom Raschplatz über das Kröpcke-Center bis zum Ihme-Zentrum.“ Für den Steintorplatz gelte: „Es kann nur besser werden – seit meiner Jugend wurde auf diesem Platz nichts gemacht.“ Als inzwischen Wahl-Hamburger schätze er zwar das verruchene Flair von St. Pauli, sagte er mit Blick auf das benachbarte Rotlichtviertel. „Aber es muss ja nicht so heruntergekommen aussehen“, ergänzte Marktkirchenpastorin Hannah Kreisel-Liebermann, die dringend darum bat, dass bei der Platzdiskussion auch Kinder und Menschen mit Handicap beteiligt werden.

Günter Evert, Verlagsleiter der Madsack Mediengruppe, berichtete von der laufenden Modernisierung des benachbarten Anzeiger-Hochhauses und den Vorbereitung für das 125-jährige Verlagsjubiläum am Wochenende. „Uns liegt der Platz sehr am Herzen, denn wir sind der Innenstadt sehr verbunden“, sagte Evert. Er drängte allerdings genauso wie Martin Prenzler von der City-Gemeinschaft: „Es muss dann auch irgendwann etwas herauskommen.“

Prenzler hatte berichtet, dass der Platz für die Innenstadt-Kaufleute wichtig sei. Das jahrelange Gezerre um die Zukunft „mündet in Unordnung“. Die Stadt stelle keine Pflanzenkübel mehr auf, alles sehe provisorisch aus: „Der Steintorplatz ist inzwischen ein Unort.“ Prenzler erinnerte daran, dass früher ein 100 Meter langes Wasserspiel als Grenze zur Münzstraße vorgesehen war: „Es fehlt ein optischer Knaller auf dem Platz.“ Und Alexander Schreiber, dem mit seinem Bruder das Gebäude Steintor-Plaza (Conrad Elektronik) gehört, lenkte den Blick auf die Lange Laube: „Sie hat sich seit der Umgestaltung sehr gut entwickelt.“ Das erhoffe man sich nun auch vom Steintor.

Es gab aber auch Kritik. Jens Pielawa von der Initiative Pro D-Tunnel spottete, es habe doch längst eine Beteiligung zum Platz gegeben, als 2016 über eine Bebauung des Platzes diskutiert wurde, „aber die Mehrheitsparteien im Rat haben alle Bürgereinwände zu 100 Prozent weggewischt.“ Hätte man damals auf die Bürger gehört, dann wäre jetzt keine 500.000 Euro teure Beteiligung nötig. Architekt Christian Harder erinnerte daran, dass mehr als 100 hannoversche Planer mit Unterschriften gegen eine Bebauung protestiert hatten. Und dann kam noch spontan eine Obdachlose zu Wort, Erika Heine, die kritisierte, dass Menschen ohne Wohnung durch die ständige Umgestaltung von Plätzen zunehmend verdrängt und ausgegrenzt würden. Prof. Klaus Overmeyer vom Berliner Büro Urban Catalyst, das die Bürgerbeteiligung organisiert, griff den Ball auf: „Sie und alle anderen sollen Ihre Ideen in den kommenden Monaten einbringen.“ Es gebe „keine Denkverbote“, sagte Overmeyer: „Wir wollen die DNA des Steintorplatzes finden, wollen wissen, welche Talente der Platz hat, was in ihm steckt, welche Rolle er für die Hannoveraner spielt.“

Gestartet ist auch die Online-Bürgerbeteiligung zu Hannovers Steintorplatz unter der Adresse www.steintor-dialog.de, dort können Interessierte kommentieren und Anregungen geben.

So läuft die Beteiligung

Wo immer der extra umgestaltete Doppeldeckerbus in den nächsten Monaten im Stadtbild auftauche, „dürfen Sie sich äußern, dürfen Sie mitmachen oder schimpfen oder was immer Sie wollen“, sagt Stadtbaurat Uwe Bodemann. Am Ende solle aus den Ideen der Bürger ein neuer Stadtplatz entstehen.

An den nächsten beiden Sonnabenden gibt es eine „Platz-Safari“: Der Bus steht auf dem Steintor und anderen Plätzen und sammelt Bürgermeinungen ein. Am 15. August und 5. September dann soll es Themenabende am Steintor geben, in denen Schwerpunkte diskutiert werden. Vom 12. bis 16. September verwandelt sich das Steintor in ein großes Planungsfeld, bei dem Bürgerideen mithilfe einer Werkstatt im Bus in Prototypen umgesetzt werden: Bänke, Spielgeräte, Platzerhöhungen, Begrünungen – alles soll denkbar sein. Später schließen sich Workshops an. 2019 dann soll die Ideensammlung in einen Architektenwettbewerb zur Neugestaltung münden.

Von Conrad von Meding

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