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Steuerberater will 126.000 Euro für Krankenbesuche

Amtsgericht Elze Steuerberater will 126.000 Euro für Krankenbesuche

Ein Vermögensverwalter soll die Erben seines früheren „Ziehvaters“ und Kollegen um mehrere tausend Euro betrogen haben. Zudem stellte er ihnen Krankenhausbesuche bei dem Verstorbenen in Rechnung. Nun verklagen sich die Parteien gegenseitig. Der Prozess soll im September beginnen.

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Ein Steuerberater betrügt die Enkel seines "Ziehvaters" um ihr Erbe. Ab September wird der Fall vor dem Amtsgericht Elze verhandelt.

Quelle: dpa/Symbolbild

Hannover. Gerne bezeichnete der hannoversche Steuerberater B. seinen älteren Kollegen und zeitweiligen Chef S. als „Ziehvater“. So eng war die Beziehung, dass der damals 80-jährige S. dem Jüngeren 2012 sogar eine Generalvollmacht übertrug. Nun wirft die Staatsanwaltschaft dem 45-jährigen B. vor, die Erben seines inzwischen verstorbenen Chefs um ihr Erbe zu betrügen. Der Prozess gegen ihn soll im September vor dem Amtsgericht Elze beginnen.

Nach dem Tod seiner beiden Söhne wollte der Rentner sein Vermögen, darunter auch ein schuldenfreies Haus, von seinem ehemaligen Kollegen und Vertrauten verwalten lassen. Immerhin kümmerte dieser sich während einer schweren Erkrankung um S. und besuchte ihn regelmäßig. Laut Staatsanwaltschaft aber räumte der Verwalter nach dem Tod des Kollegen nicht nur dessen Konten, sondern will sich überdies die Krankenbesuche im Nachhinein gut bezahlen lassen.

S. überwies fast 40.000 Euro auf sein eigenes Konto

Als S. Ende Januar 2013 starb, ging B. noch am selben Tag zur Bank und überwies 15.000 Euro von dem Konto von S. auf sein eigenes. Direkt danach hob er weitere 1000 Euro für sich selbst ab. Knapp vier Wochen später transferierte er erneut mehr als 24.000 Euro vom Konto des Verstorbenen auf seines. Den Enkeln von S., die als nächste lebende Verwandte auch die Erben sind, sagte er, der Verstorbene habe ihn als Testamentsvollstrecker eingesetzt. „Zudem sollten meine Mandanten nicht damit rechnen, etwas zu erben“, sagt Rechtsanwältin Claudia Andrae, die drei der vier Hinterbliebenen vertritt. Angeblich sei kein Vermögen vorhanden, teilte B. den Enkeln mit. Für das zum Nachlass gehörende Haus bot er ihnen 80.000 Euro. Die in Hannover und Hameln wohnenden Enkel erstatteten daraufhin Anzeige gegen B.

126.000 Euro für etwa 600 Krankenbesuche

Dieser holte jedoch zum Gegenschlag aus und stellte den Erben Rechnungen über mehr als 126.000 Euro aus - für die Krankenbesuche bei S. Die Rechnungen begründete er damit, dass er den Großvater der Erben zwischen 2010 und 2012 jedes Jahr 180- bis 220-mal besucht habe. Für die Fahrt von seiner Kanzlei zum Haus des Verstorbenen berechnete er 30 Cent pro Kilometer und schlug darauf auch noch ein bei Steuerberatern übliches Abwesenheitsgeld, das diese für auswärtige Termine berechnen können. Zudem sollten die Erben B. für jede Stunde, die er bei seinem „Ziehvater“ verbrachte, ein Stundenhonorar von 46 Euro bezahlen.

„Das war eine absolute Frechheit“, sagt Rechtsanwältin Andrae. Ihre Mandanten bezahlten die Rechnungen nicht. B. zog daraufhin vor das Landgericht Hannover, das seine Klage jedoch abwies.

So leicht gibt sich der 45-Jährige jedoch nicht geschlagen. „Er hat bereits angekündigt, dass er auch noch Rechnungen für die drei Wochen im Januar 2013 stellen will, bevor Martin S. starb“, sagt Andrae.

B. wollte sich auf Anfrage der HAZ nicht zu dem Fall äußern. Auch sein Rechtsanwalt Sebastian Holthausen möchte keine Stellungnahme abgeben. „Es ist die Aufgabe des Gerichtes, über die beiden Fälle zu entscheiden“, sagt er.

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