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Aus der Stadt Stewardess knickt um - 50 Fluggäste dürfen nicht mit
Hannover Aus der Stadt Stewardess knickt um - 50 Fluggäste dürfen nicht mit
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00:15 15.03.2016
Von Michael Zgoll
Weil es Tuifly nicht gelang, zeitnah Ersatz für die verunglückte Stewardess zu finden, mussten 50 Passagiere aussortiert werden. Quelle: Julian Stratenschulte
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Hannover

Der Unfall der Stewardess auf Gran Canaria hatte für 189 erwartungsfrohe Reisende erhebliche Folgen: 50 von ihnen durften nicht an Bord, weil die Quote Personal-Passagiere nicht mehr stimmte. Sie wurden auf andere Flugzeuge umgebucht und landeten teilweise mit neun Stunden Verspätung auf ganz anderen Zielflughäfen als geplant.

Doch auch die übrigen 139 waren nicht viel besser dran: Die Tumulte am Schalter zur Auswahl der Flugberechtigten kosteten viel Zeit, dann wurden zahlreiche Koffer ausgeladen oder umgeschichtet - und schließlich musste die Boeing 737 auf Mallorca zwischenlanden, weil die zulässige Arbeitszeit des Kabinenpersonals überschritten und eine neue Crew vonnöten war.

Die Stewardess stolperte am Morgen des 6. September 2015 über einen Staubsauger der Reinigungskolonne. Alle notärztlichen Bemühungen halfen nicht: Der Fuß schwoll an, die Frau war flugunfähig. Ursprünglich sollte die ausgebuchte Maschine von Las Palmas nach Frankfurt um 8.45 Uhr starten. Doch das Paar, dem Amtsrichter Aaron Bogan gestern eine Ausgleichszahlung von 800 Euro zusprach, hob - mit Condor - erst um 18.10 Uhr ab, landete kurz vor Mitternacht auf dem Airport Hannover-Langenhagen. Laut Fluggastrechte-Verordnung haben Passagiere ab drei Stunden Verspätung und bei einer Entfernung bis zu 3500 Kilometer - ungefähr die Distanz von den Kanarischen Inseln nach Deutschland - einen Anspruch auf 400 Euro Schadensersatz pro Person.

Weil es Tuifly nicht gelang, zeitnah Ersatz für die verunglückte Stewardess zu finden, mussten 50 Passagiere aussortiert werden. Denn Flugbegleiter sind nicht nur für die Verköstigung, sondern auch die Sicherheit der Reisenden verantwortlich - und zum Personalschlüssel gibt es klare gesetzliche Vorgaben.

Laut Rechtsanwalt Thomas Mauser passiert es sehr selten, dass Fluggäste wegen eines Personalausfalls am Boden bleiben müssen. In Las Palmas hätten die Urlauber den Tuifly-Schalter gestürmt, als ihnen die schlechte Nachricht verkündet wurde. Weil Kinder und Gebrechliche als gesetzt galten - auf der 8.45-Uhr-Maschine - hätten sich viele Passagiere auf körperliche Leiden oder familiäre Bindungen berufen. Einige verzichteten freiwillig auf ihren Sitzplatz, so Mauser, der Rest wurde nach dem Zufallsprinzip ausgeschlossen.

Tuifly argumentiert, der unfallbedingte Ausfall eines Crewmitglieds sei ein „außergewöhnlicher Umstand“ und das Aussieben der 50 Passagiere ein „sicherheitsrelevantes Ereignis“, für das die Airline nicht haften müsse. Doch das sah Richter Bogan anders - noch viel weniger könne man den ausgebooteten Passagieren die Schuld an der erheblichen Verspätung geben.

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