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Aus der Stadt Stichkanal wird nicht ausgebaut
Hannover Aus der Stadt Stichkanal wird nicht ausgebaut
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11:50 19.11.2011
Still ruht die Schleuse: Die Hafenzufahrt zwischen Seelze und Linden wird wohl nicht erweitert – Stadt, Land und Bund führen jetzt Gespräche über Alternativen. Quelle: HAZ
Hannover

Die Pläne zum Ausbau des Stichkanals Linden für die neue Generation von Großschiffen haben sich zerschlagen. So ganz offiziell wollte das zwar auch am Freitag noch niemand sagen, als Prof. Klaus-Dieter Scheuerle, Staatssekretär von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), in Hannover zunächst die Mitarbeiter der Wasser- und Schifffahrtsdirektion und dann die Öffentlichkeit über den Stand des Reformprogramms informierte. Der Leiter der Reform-Koordinierungsstelle, Dirk Schwardmann, bestätigte aber schließlich der HAZ: „Es gibt Gespräche mit Land und Stadt, einen neuen Hafen direkt am Mittellandkanal zu bauen.“ Die Gespräche seien „noch sehr jung“, es sei aber „klar, dass solch ein Hafenneubau deutlich billiger ist als eine Erweiterung des Stichkanals“.

Immerhin: Schwartau bestätigte auch, dass der Bund weiterhin die Unterhaltung des Stichkanals zahlen werde. „Das ist eine ganz wichtige Botschaft“, kommentierte Hannovers Wirtschaftsdezernent Hans Mönninghoff diese Entwicklung: „Es bedeutet, dass die Firmen im Lindener Hafen, die ja auf den Wasserweg angewiesen sind, dort bleiben können.“ Mit den Unternehmen müsse jetzt darüber gesprochen werden, was es bedeute, dass sie auch auf lange Sicht nicht für die neue Generation übergroßer Frachtschiffe erreichbar seien.

Mit der Entscheidung des Bundes geht ein Konflikt zwischen Stadt und den Anliegern des Stichkanals zu Ende. Die hatten den Ausbau schon lange als unangemessen und unrentabel bekämpft. 200 Millionen Euro waren bisher für die Verbreiterung des Stichkanals veranschlagt worden, der in Seelze vom Mittellandkanal abzweigt und einziger Zubringer des Lindener Hafens ist. Auf dem zehn Kilometer langen Abschnitt hätten neun Brücken verlängert und die dazugehörigen Straßen- und Bahntrassen verlegt werden müssen. Auch die alte Schleuse hätte verbreitert werden müssen.

Der Bund organisiert derzeit seine Wasserstraßenverwaltung komplett neu. Investiert werden soll künftig nur noch dort, wo hohe Frachtmengen umgeschlagen werden – also vor allem am Rhein, aber auch am Mittellandkanal und ähnlichen Wasserstraßen. Die Bitte von Niedersachsens Landesregierung, nicht nur nach Tonnage zu urteilen, sondern auch nach Qualität der Güter, ist zwar noch nicht offiziell abschlägig beurteilt. Staatssekretär Scheuerle räumte dem Vorschlag aber kaum Chancen ein. Der Landesregierung geht es darum, dass VW als größter Arbeitgeber Niedersachsens gerne mehr Fracht zwischen Wolfsburg und Emden vom Lkw auf Schiffe verlagern würde. Den Plänen der Bundesregierung zufolge konkurrieren jetzt jedoch die hochwertigen, aber nicht so häufig transportierten Hightechgüter des Autokonzerns etwa mit den Massen von Kies, die auf dem Rhein transportiert werden. Scheuerle sagt dazu, die knappen Finanzreserven müssten mit Priorität verteilt werden: „Wir müssen die Kapazitäten besser nutzen.“

Der Bund reduziert die Ausgaben für die Wasserstraßen systematisch, nicht einmal Geld aus der Lkw-Maut fließt mehr gezielt dorthin. Nur noch 650 Millionen Euro jährlich stehen für den Unterhalt zur Verfügung – gut 1,3 Prozent des Anlagevermögens. Allein der Nord-Ostsee-Kanal müsste für 1,1 Milliarden Euro ausgebaut werden, am Neckar müssten Schleusen für gut eine Milliarde Euro saniert werden, 250 Millionen Euro kostet die Elbvertiefung, 50 Millionen Euro die Vertiefung der Weser. Da bleiben andere Projekte auf der Strecke. Etwa der Ausbau des Stichkanals nach Hildesheim – obwohl dort die denkmalgeschützte Schleuse Bolzum gerade erst für viel Geld erneuert wurde. Zum in Hildesheim dringend erhofften Ausbau des Stichkanals sagt Reformkoordinator Schwardmann ausdrücklich nur: „Schweigen im Walde.“

Chancen für Wunstorf: Die hannoverschen Gespräche über einen Ersatzhafen direkt am Mittellandkanal zielen auf das geplante Großprojekt in Wunstorf ab. Dort sollen Kapazitäten für die Ansiedlung großer Firmen direkt am Kanal geschaffen werden, sodass kein teurer Stichkanal nötig ist. Wirtschaftsdezernent Mönninghoff sagte am Freitag, dass im Nordhafen und im Brink-Hafen quasi keine Kapazitäten für das Um- oder Ansiedeln von Firmen seien. „Wenn der Stichkanal nach Linden nicht ausgebaut wird, brauchen wir weitere Flächen.“

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