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Stipendiaten proben für Tanztheater

Internationale Tänzer in Hannover Stipendiaten proben für Tanztheater

In zwei Wochen startet in Hannover das Festival Tanztheater International. Drei Stipendiaten des Projekts „Think Big“ proben derzeit im Ballettsaal der Oper an ihren anspruchsvollen Choreografien. Die Stadt finden sie „beautiful“.

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„Ja, schön, großartig. Das ist es. Genau so. Toll“: Tänzer proben im Ballettsaal der Oper – direkt unterm Dach.

Quelle: Surrey

Hannover . Ihre neue Adresse geht Mélanie Lomoff noch nicht so flüssig über die Lippen. Irgendetwas mit Illestraße oder so, sagt sie und probiert einige Varianten aus: Illastraße oder Illi oder Illier. Es handelt sich, wie sich dann herausstellt, um die Hildesheimer Straße. Und dieser Name ist für eine Französin mit Wohnsitz in London wirklich nicht leicht auszusprechen.

Seit Kurzem lebt Lomoff in einer kleinen Wohnung in der Südstadt: Sie ist eine der drei Stipendiaten für „Think Big“, dem Künstlerresidenzprogramm von Tanztheater International. Vom 3. bis zum 13. September präsentieren auf dem Festival Kompagnien aus Deutschland, darunter die des hannoverschen Choreografen Felix Landerer, aber auch aus Belgien, Israel und Frankreich neue Arbeiten. Was Mélanie Lomoff und ihre zwei Stipendiaten-Kollegen Andrew Skeels und David Blázquez zurzeit erarbeiten, kann man am 4. September in der Musikhochschule sehen. „Think Big“ ist einmalig in Deutschland – und Festivalchefin Christiane Winter stolz auf dieses Projekt (siehe Interview).

Seit Anfang August proben die drei Nachwuchs-Choreografen täglich in der Oper. Skeels ist Amerikaner mit Wohnsitz im kanadischen Montréal und Blázquez Spanier – mit Adresse in Linden. Seit zehn Jahren gehört er zum Ballettensemble der Staatsoper. „Jedes Jahr habe ich mich für das Stipendium beworben – die Jury hat mich bestimmt schon gehasst“, sagt er fröhlich und lacht schallend.

Drei Stipendiaten des Projekts „Think Big“ proben derzeit im Ballettsaal der Oper für das Festival Tanztheater International.

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Aus mehr als 100 Bewerbern für „Think Big“ hat sich die Jury für die drei entschieden. Die zehn Tänzer, mit denen sie zurzeit arbeiten, haben Lomoff, Skeels und Blázquez selbst ausgewählt. Die Tänzer kommen aus verschiedenen Ländern – ein Israeli ist zum Beispiel dabei, eine Griechin, eine Deutsche –; auch sie haben sich für dieses Festival-Projekt beworben.

Jetzt, an einem warmen Augustnachmittag, proben fünf Tänzer im Ballettsaal der Oper, direkt unterm Dach. Die anderen fünf arbeiten im kleineren, danebenliegenden Raum. Im großen Saal geht Skeels an den Laptop und schaltet die Musik, Beethovens Klaviertrio op. 97, ein. Immer und immer wieder geht der Choreograf mit einer Tänzerin zwei, drei kleine Bewegungen durch. Die junge Frau dreht sich am Boden, kommt dann in einer geschmeidigen Bewegung zum Stehen. „Hüften mehr nach oben“, sagt Skeels. Nach ein paar Minuten und nachdem er mehrmals gezeigt hat, wie er sich das genau vorstellt, ist er zufrieden. Und der Choreograf, ganz Amerikaner, lobt seine Tänzerin euphorisch: „Ja, schön, großartig. Das ist es. Genau so. Toll.“

„Auf dem Pfad nach Hause“ heißt Skeels’ Arbeit, zu der ihn die Romane Hermann Hesses inspiriert haben. Mélanie Lomoffs Choreografie trägt den Titel „Synapsis“. Es gehe darin, sagt die Französin, um „die zwei Seiten in uns: sanft und hart, gut und böse – eben um die inneren Konflikte“. David Blázquez hat noch keinen Titel für seine Choreografie, das Thema jedoch steht schon lange fest: Es geht um  Flüchtlinge, „darum, warum Menschen ihr Land verlassen“. Er wolle das jedoch nicht einfach erzählen, sagt der gebürtige Spanier; er will einen eigenen Ausdruck dafür finden.

Programm mit Uraufführungen

Das 30. Festival Tanztheater International beginnt am 3. September und  endet am 13. September.

Im Schauspielhaus und im Ballhof, in der Orangerie Herrenhaus und der Musikhochschule treten deutsche und internationale Compagnien auf – darunter die belgische Gruppe Peeping Tom mit „Vader“ (3. September). Helena Waldmanns Gruppe zeigt eine Choreografie über die Arbeit in asiatischen Nähfabriken, „Made in Bangladesh“ (11. September), und als deutsche Erstaufführung ist zu sehen „Tordre“ des Franzosen Rachid Ouramdane (9. September). Der hannoversche Choreograf Felix Landerer zeigt an den beiden letzten Festivaltagen die Uraufführung von „Albert“.

Tickets kosten zwischen 9 und 25 Euro und sind nur erhältlich an der Vorverkaufskasse im Künstlerhaus, Sophienstraße 2 (Mo–Fr: 12–18 Uhr). Telefon: 16 84 12 22. 0nlinebestellung unter www.vvk-kuenstlerhaus.de.

Daran arbeitet er an diesem Nachmittag mit fünf Tänzern. Durch das gekippte Fenster brummt sanft, beinahe beruhigend der Nachmittagsverkehr. Blázquez hockt sich an den Rand der Tanzfläche, beobachtet einzelne Tänzer, verbessert Bewegungen. Einer Tänzerin  zeigt er, wie sie die Handflächen nach oben drehen und die rechte Schulter etwas beherzter nach hinten drehen soll. Irgendwann ist Blázquez zufrieden – und die Tänzerin Louisa auch: „Ja, der Körper spricht“, sagt sie. Die zwei strahlen. Daran, dass Tanzen ein harter Beruf mit beträchtlichem Verletzungsrisiko ist, erinnert eine leere Pappschachtel in einer Ecke des Probenraums. In der angegilbten Box befand sich laut Aufschrift eine „Cervicalstütze zur postoperativen und posttraumatischen Versorgung der Halswirbelsäule“.

An solche Scheußlichkeiten scheint jetzt niemand einen Gedanken zu verschwenden. Konzentriert und guter Stimmung arbeiten Choreografen und Tänzer. Die Probentage sind lang. Täglich zehn, zwölf Stunden verbringe er im Probensaal, sagt Andrew Skeels, allzu viel von Hannover habe er deshalb noch nicht kennengelernt. Was er entdeckt habe, sei jedoch „beautiful“, schön. Auch Mélanie Lomoff ist begeistert von der Stadt, in der sie vor ein paar Jahren – als Mitglied von Alain Platels berühmter Compagnie „les ballets C de la B“ – schon einmal aufgetreten ist. Viel von Hannover gesehen hat sie damals nicht; auch in diesem Jahr, bei den intensiven Proben, wird sich das touristische Programm in Grenzen halten. Doch Lomoff war immerhin einmal beim Maschseefest und ist begeistert „von all den Bars und den Lichtern am Wasser“. Das erinnere sie ein bisschen an die Oktoberfest-Atmosphäre von Ödön von Horvaths Theaterstück „Kasimir und Karoline“, sagt die Französin und guckt ganz verzückt. Und Hildesheimer Straße, das kann sie am Ende der Probenzeit bestimmt auch flüssig aussprechen.

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