Jahrelang fehlte das Geld, um Straßensozialarbeiter zu bezahlen, die sich gezielt der Obdachlosen der Stadt annehmen. Vor allem solchen, die sich so weit aus der Gesellschaft herausgezogen haben, dass sie sich auch in der größten Not noch schwertun, um Hilfe zu bitten. „Diese Menschen sind einfach stehen geblieben“, sagt Gottfried Schöne von der Zentralen Beratungsstelle der Diakonie. In den bevorstehenden Wintermonaten sollen Sozialarbeiter des Vereins „Selbsthilfe für Wohnungslose“ und der Diakonie diese Obdachlosen gezielt aufsuchen und ihnen wenigstens warme Kleidung, regelmäßige Mahlzeiten und ärztliche Hilfe anbieten. „Nach unseren Schätzungen geht es um rund 300 Frauen und Männer, die in der Stadt auf der Straße leben. Sie leben völlig zurückgezogen, wir müssen sie abholen“, sagt Schöne. Die Maßnahme ist Teil des Winternotprogramms für Wohnungslose, für das die Stadt den Trägern der Wohlfahrtspflege insgesamt 25.000 Euro bereitgestellt hat.
Seit knapp drei Wochen machen die Sozialarbeiter bereits ihre Runden durch das Stadtgebiet. An drei Tagen in der Woche sind sie für jeweils zwei Stunden unterwegs. „Bisher hat es etwa 40 Kontakte gegeben“, sagt Sozialarbeiter Joachim Teuber vom Kontaktladen „Mecki“. Die Schwierigkeit liege vor allem darin, die Orte zu finden, an denen sich die Obdachlosen ihr Quartier eingerichtet haben. „Wir sprechen sie an. Wenn sie beim ersten Mal Hilfe ablehnen, nehmen sie die Unterstützung vielleicht beim zweiten Kontakt an.“ Teil des Winternotprogramms ist auch ein Angebot der Johanniter-Unfall-Hilfe. Mit einem Bus werden die Helfer während der Wintermonate im Stadtgebiet unterwegs sein, um Wohnungslose mit warmen Getränken und Decken zu versorgen.
Das traurige Schicksal des Obdachlosen Bernd C. hatte den Rat der Stadt dazu bewogen, die Winterhilfe für Menschen, die auf der Straße leben, zu verstärken. Der 57-jährige C. war an einem eisigen Tag im Februar 2010 auf der Bank eines Spielplatzes in der Eilenriede tot aufgefunden worden. Die erste Vermutung, der Mann sei erfroren, bestätigte sich später nicht; der 57-Jährige erlag einem Herzinfarkt. Dennoch war sein Tod ausschlaggebend dafür, die Hilfe für Wohnungslose auszuweiten, die selbst bei Minusgraden im Freien übernachten wollen und den Kontakt zu Behörden oder die Unterbringung in einem Wohnheim ablehnen.
In der Hoffnung, in den nun bevorstehenden Wintertagen keinen Todesfall beklagen zu müssen, haben das Diakonische Werk und der Verein „Selbsthilfe für Wohnungslose“ einen Handzettel veröffentlicht. Er soll in den kommenden Wochen in der Innenstadt verteilt werden und zeigt auf, was zu tun ist, wenn man auf einen der Kälte ausgesetzten Obdachlosen trifft. „Sprechen Sie die Person ruhig an. Fragen Sie, ob Hilfe gewünscht ist“, rät Schöne. Bestehe der Eindruck, dass die Person hilflos sei, solle die Polizei informiert werden. Alternativ haben die Träger des Programms eine Winternotfallnummer eingerichtet. Unter der Telefonnummer 0511-9904015 beantworten die Sozialarbeiter alle Fragen zum Thema und nehmen Hinweise entgegen.
HAZ.de Anmeldung