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Uhlenhuthweg soll wieder umbenannt werden

Straßenumbenennung in Groß-Buchholz Uhlenhuthweg soll wieder umbenannt werden

Der Uhlenhuthweg in Groß-Buchholz sollte schon einmal umbenannt werden. 2001 ist die Stadt schon einmal an dem Vorhaben gescheitert. Trotzdem steht der Straßennahme auf der aktuellen Umbenennungsliste.

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„Das hatten wir doch alles schon einmal“: Günter Warnebold wohnt in dem nach Paul Uhlenhuth benannten Weg.

Quelle: Benne

Hannover. Das Datum ist ihm präsent wie sein eigener Geburtstag: „Seit dem 7. Juli 1959 leben wir im Uhlenhuthweg“, sagt Günter Warnebold. Der heute 85-Jährige und seine Frau waren damals die ersten, die in eines der schmucken neuen Reihenhäuser hier einzogen. Wegen der Nähe zum Oststadtkrankenhaus waren die Wege im „Ärzteviertel“ nach Medizinern benannt worden - nach Virchow, Sauerbruch oder eben, wie der lauschig-verwinkelte Fußweg mit den hohen Hecken, nach Paul Uhlenhuth.

Als Günter Warnebold jetzt im Briefkasten ein Schreiben des Bezirksbürgermeisters Henning Hofmann fand, in dem dieser über Pläne zur Umbenennung des Uhlenhuthweges informierte, war sein erster Gedanke: „Das hatten wir doch alles schon einmal - und der Vorgang ist bereits rechtskräftig abgeschlossen.“

Schon 1999 hatte die Stadt versucht, den Uhlenhuthweg in Käthe-Frankenthal-Weg umzubenennen. Paul Uhlenhuth, geboren 1870 in Hannover, war ins Zwielicht geraten. Der Bakteriologe hat zwar im Who’s who der Medizin seinen festen Platz: Er entwickelte Seren gegen Schweinepest und Maul- und Klauenseuche, er konzipierte Heilverfahren gegen die Syphilis und trieb die Chemotherapie bei Krebspatienten voran. Mehrfach wurde er für den Medizin-Nobelpreis nominiert, 1953 erhielt er den Nationalpreis der DDR. Doch er war an der Uni Freiburg 1933 auch an der Entlassung jüdischer Kollegen beteiligt gewesen. Und er hatte 1944 einen Antrag gestellt, Immunisierungsversuche an farbigen Kriegsgefangenen durchzuführen. Ob es dazu kam, ist nicht sicher.

„Er war ein großer Mediziner“, sagt Günter Warnebold gleichwohl. Vor sich hat der pensionierte Bauingenieur einen dicken Aktenordner zu dem Thema liegen. Im Zuge des Uhlenhuth-Streits vor 15 Jahren bildete er sich zum Experten in der Sache fort: „Damals wehrten wir 14 Anlieger uns geschlossen gegen die Umbenennung“, sagt er. Sie legten Widerspruch gegen den Ratsbeschluss ein - und siegten schließlich nach einem langen juristischen Tauziehen.

Im Jahr 2001 entschied das Verwaltungsgericht Hannover, dass die Umbenennung rechtswidrig sei. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg (OVG) verwehrte der Stadt die Berufung: Uhlenhuth seien weder Verbrechen gegen die Menschlichkeit noch Rassismus vorzuwerfen. Sein Ansinnen, Immunisierungsversuche durchzuführen, lasse nicht den Schluss zu, dass er Leib und Leben der Kriegsgefangenen gefährden wollte, konstatierte das OVG. „Das Gericht stellte fest, dass er kein Kriegsverbrechen begangen hat“, sagt Warnebold.

Der Beirat zur Überprüfung von Straßennamen hat jetzt dennoch vorgeschlagen, den Weg umzutaufen: Uhlenhuth habe Verletzungen der „Würde und körperlichen Unversehrtheit“ von Menschen bei seinen Forschungen „billigend in Kauf genommen“. In Freiburg wurde eine nach Uhlenhuth benannte Straße bereits umbenannt. Und wenn der Bezirksrat in Groß-Buchholz der Empfehlung des Beirats folgt, könnte der Zwist in Hannover in die zweite Runde gehen: „Wenn unser Weg jetzt wieder umbenannt werden soll“, sagt Günter Warnebold, „müssen wir mit den Nachbarn absprechen, ob wir den Kampf noch einmal aufnehmen.“

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