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Auch der Miegelweg soll anders heißen

Straßenumbenennung in Badenstedt Auch der Miegelweg soll anders heißen

Weil einige Werke der Dichteren Agnes Miegel eine eklatante Nähe zur NS-Rassenideologie aufweisen, soll auch der nach ihr benannte Miegelweg in Badenstedt umbenannt werden. Viele Anwohner halten von der Idee des Beirat für die Überprüfung von Straßennamen aber wenig. 

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Der Miegelweg in Badenstedt. Er ist benannt nach Agnes Miegel, die für Hitler schwärmte.

Quelle: Benne

Hannover. Über ihre Nähe zum NS-Regime schwieg sie lieber: „Dies habe ich mit meinem Gott alleine abzumachen und mit niemand sonst“, soll die Dichterin Agnes Miegel nach dem Krieg gesagt haben. Doch diese Rechnung hatte die Ostpreußin ohne den hannoverschen Beirat für die Überprüfung von Straßennamen gemacht. Dieser hat jetzt empfohlen, neben neun anderen Straßen auch den Miegelweg in Badenstedt umzubenennen - zum Verdruss etlicher Anwohner. „Ich halte davon nichts“, sagt Lutz Schrade: „Man muss das Handeln historischer Persönlichkeiten aus ihrer Zeit heraus verstehen, ohne heutige Moralmaßstäbe anzulegen.“

Als der 72-Jährige zur Schule ging, standen die düsterschönen Balladen von Agnes Miegel („Die Frauen von Nidden“) noch neben denen von Goethe und Fontane in den Lesebüchern. Damals galt Miegel als Ikone ostpreußischer Kultur, für viele Vertriebene waren ihre Texte ein Stück Heimat in der Fremde. Allerdings zeigen einige Werke Miegels auch eine eklatante Nähe zur NS-Rassenideologie. Miegel, NSDAP-Mitglied seit 1940, verehrte Hitler mit geradezu mädchenhafter Schwärmerei: „Laß in deine Hand, Führer, uns vor aller Welt bekennen; Du und wir, nie mehr zu trennen, stehen ein für unser deutsches Land“, textete sie. In den vergangenen Jahren haben mehrere Städte Straßen umbenannt, die Miegels Namen trugen.

„Ich kann schon verstehen, dass man unseren Weg umbenennen will - auch wenn der Name mich bisher nicht gestört hat“, sagt Anna Suslov, die seit einem Jahr im Badenstedter Miegelweg lebt. Der Miegelweg - das sind ein paar Riegel roter Reihenhäuser, gebaut Anfang der Sechziger, die sich um einen geräumigen Spielplatz gruppieren. Die kleinen Vorgärten sind mit Akkuratesse gepflegt. Große Firmen, die ihre Briefköpfe ändern müssten, sitzen hier nicht. „Trotzdem wäre es uns lieber, nur ein erläuterndes Schild unter den Straßennamen zu hängen“, sagt eine Frau, die seit mehr als 50 Jahren hier lebt.

Als sie hierher zog, war der heutige Miegelweg noch Teil der Straße Körtingsdorf, benannt nach der nahen Werkssiedlung der Körting-Fabrik. Erst 1965 erhielt die Sackgasse den Namen Miegelweg - ein Jahr nach dem Tod der Dichterin, die nach dem Krieg in Bad Nenndorf gelebt hatte.

Im Kurpark erinnerte dort lange eine Bronzeskulptur an die Schriftstellerin. Anfang des Jahres wurde sie abgebaut - zum Ärger der in Bad Nenndorf ansässigen Agnes-Miegel-Gesellschaft. Diese hatte noch versucht, einen entsprechenden Ratsbeschluss durch einen Bürgerentscheid zu kippen. Vergeblich: Zwar sprachen sich 77 Prozent dafür aus, das Denkmal im Kurpark zu lassen. Es hätten jedoch mindestens 25 Prozent der 9000 Stimmberechtigten teilnehmen müssen. Und da nur 21 Prozent abgestimmt hatten, musste Miegel eben weichen.

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