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Julius Brecht – Genosse mit Vergangenheit

Straßenumbenennung Julius Brecht – Genosse mit Vergangenheit

Die Julius-Brecht-Straße wurde nach einem SPD-Politiker benannt – doch der machte unter den Nazis Karriere in der staatlichen Wohnungswirtschaft. Nach dem Krieg war Brecht Abgeordneter in der hamburgischen Bürgerschaft und später Mitglied des Deutschen Bundestages.

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Hat andere Sorgen: Anwohner Helmuth Busch (links) wusste bis zur aktuellen Debatte gar nicht, wer Julius Brecht war.

Hannover. 70 Jahre nach Kriegsende, Helmuth Busch mäht Rasen vor seinem Haus in der Julius-Brecht-Straße. Mitte der 1960er-Jahre hat er sein Heim hochgezogen, „da gab es hier nur Schlamm und schweren Boden“, sagt er. Gegenüber steht ein grauer Block mit Sozialwohnungen, in der Sackgasse gibt es keinen Durchgangsverkehr. Eine ruhige Ecke. Jetzt hat er bemerkt, dass die Vergangenheit immer weitergeht.

Als Busch zu bauen begann, tat er das in einer Straße, die den Namen eines angesehenen SPD-Politikers trug. Julius Brecht war lange Jahre Direktor des Gesamtverbandes gemeinnütziger Wohnungsunternehmen und Präsident der Gesellschaft für öffentliche Wirtschaft. Die Stadt wollte mit der Namensgebung wohl Verdienste um den sozialen Wohnungsbau in Deutschland würdigen.

Dabei war Brecht, 1900 in Hamburg geboren, ein wichtiger Mann im Dienste der Nazi-Ideologie. Er trat 1937 in die NSDAP ein und machte Karriere in der staatlichen Wohnungswirtschaft. Ein Jahr nach seinem Parteieintritt wurde Brecht zum Leiter des Reichsverbandes des deutschen gemeinnützigen Wohnungswesens berufen. Der städtische Beirat zur Überprüfung von Straßennamen befand, Julius Brecht habe sich eindeutig zur Ideologie des Nationalsozialismus bekannt. „Juden gehören weder zur deutschen Volksgemeinschaft noch zu den deutschen Volksgenossen“ - auch dieser Satz wird ihm zugeschrieben.

Julius Brecht, urteilte das Gremium weiter, habe „in seiner Funktion als Reichsverbandsleiter den Prozess der Entrechtung von Mietern jüdischer Herkunft“ unterstützt. In Veröffentlichungen fänden sich Beispiele für „Führer-Verehrung“ und Identifizierung mit Zielen des Nationalsozialismus. Seine Empfehlung ist deshalb, sich nach einem neuen Namenspatron für die Straße im Heideviertel umzusehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Brecht Abgeordneter in der hamburgischen Bürgerschaft und später Mitglied des Deutschen Bundestages. Ob der Straßenname im Heideviertel getilgt wird, entscheidet der örtliche Bezirksrat.

Helmuth Busch, 78, würde es am liebsten lassen, wie es immer war. Bis zur aktuellen Debatte um mögliche Umbenennungen wusste er nicht, wer dieser Brecht eigentlich war. Jetzt sagt er: „Von mir aus kann alles beim Alten bleiben. Man muss auch die Zeit berücksichtigen, in der die Leute gelebt haben.“ Er hat sich informiert und weiß nun, dass es in einigen deutschen Städten Julius-Brecht-Straßen gibt.

Den Bürger Busch treiben andere Probleme um. Bald will die Stadt den angeschlagenen Straßenbelag vor seinem Haus sanieren, was bedeutet: Anwohner müssen sich an den Kosten beteiligen. „Das ist viel ernster als dieser Straßenname.“ Helmuth Busch fürchtet, dass diese Verbesserung ihn einige Tausend Euro kosten dürfte. „Die Straße zu machen wäre nicht verkehrt. Aber was kann ich dafür, wenn die schweren Müllwagen seit Jahrzehnten hier lang fahren?“

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