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Aus der Stadt Bahn plant neue Trasse nach Westen
Hannover Aus der Stadt Bahn plant neue Trasse nach Westen
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00:16 27.04.2016
Abzweig vom Güterbahnhof Seelze: Bei Letter würde die neue Strecke nach Süden ausfädeln, über Kanal und Bundesstraße hinweg Richtung Barsinghausen führen. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Seit der neue Bundesverkehrswegeplan auf dem Markt ist, ist viel los in den Städten und Dörfern westlich Hannovers an der Bahnstrecke Richtung Ruhrgebiet. In dem Planungswerk befindet sich im Kapitel Schienenverkehr unter der laufenden Nummer 13 eine kombinierte Neubau- und Ausbaustrecke zwischen Seelze-Letter und Minden. „Für unsere Stadtentwicklung ist das eine Katastrophe“, sagt Seelzes Bürgermeister Detlef Schallhorn. Nicht nur in den Rathäusern regt sich Widerstand, sondern auch unter den Einwohnern. Bürgerinitiativen, die sich 2002 schon einmal formiert hatten, als die Pläne erstmals auf dem Markt waren, nehmen ihre Arbeit wieder auf. „Wir hatten gedacht, dieser Kelch würde an uns vorübergehen“, sagt Gerald Schroth von der Bürgerinitiative für den ländlichen Raum aus dem Barsinghäuser Ortsteil Groß Munzel.

Laut Entwurf würde die Neubaustrecke von der bestehenden Ost-West-Verbindung bei Letter ausfädeln. Dann verliefe sie nördlich der Seelzer Ortsteile Harenberg und Döteberg weiter durch die Feldmark Richtung Barsinghausen-Groß Munzel, bevor sie bei Haste im Schaumburger Land zunächst wieder in die bestehende Strecke einfädeln würde.

Die vorhandene Trasse, die als Verbindung von Berlin über Hannover Richtung Ruhrgebiet und Rheinland zu den wichtigen im Deutschen Netz zählt, gilt vor allem zwischen Seelze und Haste sowie weiter westlich im Bereich Minden als Nadelöhr. Dort müssen sich jeweils langsame Güterzüge und die wesentlich schnelleren Fernreisezüge die Gleise teilen. Das soll durch Neubaustrecken entzerrt werden. Dies brächte im Reiseverkehr zwischen Dortmund und Hannover Fahrzeitgewinne von etwa einer Viertelstunde, würde aber insbesondere auch den Fahrplan weniger störanfällig machen. Den Preis für das Gesamtvorhaben inklusive der Ausbaustrecken beziffert der Bundesverkehrswegeplan derzeit mit 1,8 Milliarden Euro.

All dies weiß man schon seit knapp 15 Jahren, weil damals die Pläne mit genau diesen Argumenten zum ersten Mal diskutiert wurden. Damals hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages sie aus Kostengründen gestoppt. Dass sie nun wieder auftauchen, hat die Betroffenen überrascht, zumal es keine Vorwarnung gab. „Während der Arbeitsphase am Bundesverkehrswegeplan ist auf strikte Geheimhaltung geachtet worden, um nicht schon im Vorfeld aufwendige Diskussionen mit Lobbyisten führen zu müssen“, sagt der Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch (SPD).

Die kommen jetzt. Bürgermeister Schallhorn fürchtet Beeinträchtigungen für das große Wohngebiet Seelze-Süd und beklagt darüber hinaus wie auch die Barsinghäuser, dass die Stadtgebiete durchschnitten würden. Landwirte fürchten drohenden Verlust ihrer Flächen, Bürgerinitiativen verweisen auf Lärmbelästigungen und Wertverluste für Immobilien, Naturschützer sorgen sich um die Gefährdung seltener Arten. Miersch sagt, er wolle sich gemeinsam mit seiner CDU-Kollegin Maria Flachsbarth dafür einsetzen, dass die Trasse aus der Planung genommen werde. Was alle ärgert: Die Frist, um Bedenken und Anregungen zum Bundesverkehrswegeplan geltend zu machen, endet am 2. Mai. Immerhin können sich alle Anrainer der geplanten Strecke einmischen - egal, ob es sich um Kommunen, Verbände, Firmen oder Einzelpersonen handelt.

Der Bundesverkehrswegeplan

Mit dem Bundesverkehrswegeplan gibt sich der Bund ein Gesamtprogramm für die Entwicklung der Infrastruktur auf Straße, Schiene und Wasserwegen für einen bestimmten Zeitraum. Er wird im Bundesverkehrsministerium erstellt und regelmäßig aktualisiert; die Anfang des Monats veröffentlichte Entwurfsversion soll bis zum Jahr 2030 gelten. Der Plan hat weder Gesetzescharakter, noch sichert er die Finanzierung – er spiegelt also zunächst den Bedarf wider. Allerdings gilt: Was nicht in ihm auftaucht, wird im Zeitraum auch nicht gebaut.

Der aktuelle Plan umfasst ein Finanzierungsvolumen von 264,5 Milliarden Euro. Er wurde unter den Prämissen erstellt, dass Erhalt vor Neubau geht und dass Engpässe in bestehenden Verbindungen beseitigt werden. Letzteres trifft auf die Bahnstrecke Hannover–Ruhrgebiet zu. Außerdem teilt er die Projekte in unterschiedliche Kategorien ein. Die wichtigsten stehen unter der Rubrik „vordringlicher Bedarf“, zu diesen zählt die Bahntrasse.

Noch bis zum 2. Mai können Anregungen und Bedenken gegen das Planungswerk geltend gemacht werden. Beschlossen werden soll es vom Bundestag Ende des Jahres. Weitere Informationen stehen unter www.bmvi.de im Internet.

Von Bernd Haase, Andreas Kannegiesser und Thomas Tschörner

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