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Aus der Stadt Üstra-Chefs auf falschem Gleis?
Hannover Aus der Stadt Üstra-Chefs auf falschem Gleis?
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00:16 15.02.2016
Von Mathias Klein
Bonuszahlungen an die Mitarbeiter der Üstra?  Quelle: Körner (Archiv)
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Hannover

Der Riss zwischen dem Üstra-Vorstand und der Regionsspitze um Regionspräsident Hauke Jagau ist offenbar wesentlich größer, als bisher bekannt. Wie aus einer schriftlichen Antwort der Region auf Fragen der CDU-Fraktion zu den umstrittenen Bonuszahlungen deutlich wird, gibt es in der Verwaltungsspitze zum einen erhebliche rechtliche Bedenken gegen die Zahlung. Zum anderen ist in der bisher unter Verschluss gehaltenen Stellungnahme der Groll auf die beiden Üstra-Vorstände André Neiß und Wilhelm Lindenberg deutlich herauszulesen.

Wie berichtet, wirft die Regionsspitze dem Üstra-Management vor, im vergangenen Jahr insgesamt 1,4 Millionen Euro Erfolgsprämie zu Unrecht an die rund 2000 Mitarbeiter ausbezahlt zu haben. Die Regionsverwaltung erhebt den Vorwurf, der Üstra-Vorstand habe sich über bestehende Vertragsklauseln hinweggesetzt, um den Bonus zahlen zu können.

Wie aus der Antwort auf die CDU-Anfrage hervorgeht, muss aus Sicht der Regionsverwaltung „einerseits das Jahresergebnis des jeweiligen Geschäftsjahres besser als das Planergebnis sein und andererseits die erreichte Kundenzufriedenheit oberhalb des vereinbarten Zielwerts liegen“. Aus Sicht der Regionsverwaltung sei bei der Kundenzufriedenheit wegen einer zu großen Zahl von Verspätungen allerdings das Ziel verfehlt worden.

Laut dem Schreiben sind die Bonuszahlungen erstmals am 4. Mai des vergangenen Jahres durch ein Gespräch von Mitarbeitern der Regionsverwaltung mit den beiden Vorständen der Üstra bekannt geworden. Eine Anfrage der Region an die Üstra, auf welcher Grundlage die Bonuszahlungen erfolgt seien, muss die Regionsspitze irritiert haben. Denn der Üstra-Vorstand reagierte nach Darstellung der Region zunächst mit einer Mail, in er der mitteilte, „sich mangels anderweitiger Rechtsgrundlage daran gehindert zu sehen, die erbetenen Informationen an die Regionsverwaltung zu übermitteln. Vielmehr könne der Vorstand derartige Auskünfte allein dem Aufsichtsrat erteilen.“

Jetzt hat die Regionsspitze selbst eine rechtliche Prüfung des Vorgangs eingeleitet. Die Ergebnisse des Gutachtens sollen in der nächsten Sitzung des Regionsausschusses vorgelegt werden.

Der Vorstand der Üstra hat gestern den Aufsichtsrat über die Vorgänge rund um die umstrittene Bonuszahlung an die Mitarbeiter unterrichtet. Man sei in der gestrigen Sitzung gut informiert worden, sagten mehrere Mitglieder des Gremiums im Anschluss an die Sitzung. Das war bisher offenbar nicht der Fall. Im nichtöffentlichen Teil der Regionssitzung am vergangenen Dienstag hatte nach Angaben von Teilnehmern Eberhard Wicke (CDU) erklärt, bisher nicht über den Vorgang informiert worden zu sein.

Einigkeit zwischen der Region und dem Üstra-Vorstand besteht aber in der Frage, dass die Bonuszahlungen nicht von den Mitarbeitern zurückverlangt werden, egal wie eine rechtliche Überprüfung letztendlich ausfalle.

Stadtbahn-Chef muss gehen: Unterdessen ist aus dem Umfeld der Üstra gestern bestätigt worden, dass der Chef des Üstra-Bereiches Stadtbahnen, Gunnar Straßburger, nicht mehr Mitarbeiter des Unternehmens ist. Straßburger sei zum 31. Januar ausgeschieden hieß es. Als Grund werden Differenzen zwischen Straßburger und den Mitarbeitern beim Personaleinsatz genannt.

Das ist die Üstra

Die Stadtbahnen der Üstra beförderten im vergangenen Jahr rund 130 Millionen Fahrgäste. Täglich fahren deutlich mehr als eine halbe Million Menschen mit der Stadtbahn. Die Kontrolleure des Unternehmens erwischten im vergangenen Jahr 73 474 Schwarzfahrer. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 63 870 Schwarzfahrern im Jahr 2014.
Rund 300 Stadtbahnwagen sind, auf mehr als 250 Kilometern Gleisstrecke verteilt, auf zwölf regulären Linien mit rund 200 Haltestellen unterwegs.
Rund 2000 Mitarbeiter sind bei der Üstra beschäftigt. Rechtlich ist das Unternehmen als Aktiengesellschaft organisiert. Hauptgesellschafter ist die Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Hannover mbH (VVG). Diese Holding ist mit einem Anteil von 98,38 Prozent an der Üstra beteiligt. Die VVG wiederum gehört zu 80,49 Prozent der Landeshauptstadt Hannover und zu 19,51 Prozent der Region Hannover. Die Üstra ist ein Zuschussgeschäft – im Jahr 2014 verzeichnete das Verkehrsunternehmenein Defizit von 17,6 Millionen Euro.

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