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Messingwürfel

Streit mit Stadt Hannover um Stolperstein für jüdischen Arzt

Von Andreas Schinkel

Den Streit mit der Stadt Hannover um einen Stolperstein für ihren Vater will Barbara Dreyfuss jetzt auf ihre Weise beenden. „Ich will mich nicht mehr mit den Behörden anlegen, dann werde ich nur ausfallend“, sagte die 88-Jährige am Donnerstagabend bei einem Zeitzeugengespräch im Haus der Region.
Barbara Dreyfuss will sich nicht mehr mit den Behörden streiten.

Barbara Dreyfuss will sich nicht mehr mit den Behörden streiten.

© Archivbild

Daher zieht sie in Erwägung, dass der Messingwürfel nicht mehr auf dem öffentlichen Gehweg, sondern auf dem Privatgrundstück des Hauses in der Rühmkorffstraße 18 verlegt wird. Eine Genehmigung der Stadt wäre dann unnötig. In dem Haus lebte der jüdische Kinderarzt Walter Sochaczewski, der 1936 vor dem Naziregime floh und 1950 in Brasilien starb, „an gebrochenem Herzen“, wie seine Tochter betont.

Die Stadt hatte Dreyfuss’ Bitte um einen Stolperstein für ihren Vater mit der Begründung abgelehnt, dass Walter Sochaczewski dem Terror entfliehen konnte und erst viele Jahre später im Exil verstarb. Die Stolpersteine aber sollten nach Auffassung der Stadt an diejenigen erinnern, die ermordet wurden. In der jüdischen Gemeinde gab es einen Aufschrei, und auch Gunter Demnig ging auf Konfrontationskurs. Der Künstler und Initiator der Stolperstein-Aktion drohte, einen Stein für den Arzt auch ohne Genehmigung der Stadt zu verlegen. Daraufhin kündigte die Stadt an, mit Experten über eine einheitliche Regelung nachzudenken.

Die von Dreyfuss ins Auge gefasste Lösung will Dieter Wuttig, städtischer Fachbereichsleiter und zuständig für die Stolpersteine, nicht kommentieren. Er betont aber, dass die Messingwürfel eigentlich auf öffentlichem Grund verlegt werden sollten. „Das Einsetzen der Steine ist ja selbst schon ein öffentliches Ereignis“, sagt Wuttig. Dem stimmt auch Dreyfuss zu: „Im Grunde ist der Gehsteig der richtige Ort für einen Stolperstein.“

Den Vorwurf, dass die Stadt die Opfer der Naziherrschaft hierarchisiere – Getötete bekommen einen Stolperstein, Geflüchtete nicht – weist Wuttig von sich. „Wir wollen nur eine Differenzierung, um darüber nachzudenken, mit welchen Mitteln wir der Opfer gedenken.“ So ähnelten die Stolpersteine mit ihrer Inschrift „kleinen Grabsteinen“, daher seien sie prädestiniert für eine Erinnerung an Getötete. „An andere Opfer lässt sich vielleicht besser mit Stadttafeln erinnern“, sagt Wuttig. Wer künftig mit einem Stolperstein gewürdigt wird, darüber will die Stadt noch vor der Sommerpause den Ratsgremien Auskunft geben.

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