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Aus der Stadt Streit um Abriss von Polens Expo-Pavillon
Hannover Aus der Stadt Streit um Abriss von Polens Expo-Pavillon
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00:18 22.08.2015
Nicht zu retten? Der polnische Pavillon auf dem Expo-Ostgelände rottet seit Jahren vor sich hin. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Wird hier ein wichtiges Stück kulturellen Expo-Erbes vernichtet? Oder ist dem Grundstückseigentümer, der städtischen Expo-Grund, einfach zu recht der Geduldsfaden gerissen? Das Unternehmen, das sich um die Vermarktung des Expo-Ostgeländes kümmern soll, lässt den ehemaligen polnischen Länderpavillon jetzt abreißen - mitsamt den asiatischen Kulturgütern, die seit Jahren unrechtmäßig darin lagern.

Eigentümerin Thi Nhu Anh Pham hat erneut alle Fristen verstreichen lassen, die kunstvollen Pagoden und Skulpturen abzubauen und zu entfernen. Dafür hat sie sich einen neuen Anwalt genommen: Matthias Waldraff hat am Dienstag angekündigt, beim Amtsgericht eine Verfügung gegen den Abriss einzureichen. Mindestens drei Monate Aufschub will er für seine Mandantin, damit diese die Utensilien sichern - oder das Grundstück kaufen kann. Expo-Grund-Chef Karsten Klaus ist skeptisch: „Das hat sie doch schon in den vergangenen 13 Jahren nicht geschafft.“

Was ist aus den Plänen einer sinnvollen Nachnutzung der Expo 2000 geworden? Vor Ort ergibt sich ein gemischtes Bild.

Etwa so lange zieht sich die Geschichte um die Nachnutzung des Glasgebäudes hin. Pham, Enkelin des letzten Kaisers von Vietnam, hatte den Pavillon gekauft, nicht aber das Grundstück, und darin einen Kulturtreff mit Gastronomie betrieben. Immer wieder gab es Ärger um nicht erfüllte Auflagen, um asiatische Mitarbeiter, die darin schliefen, und um das Grundstück selbst, das die Expo-Grund gerne verkaufen wollte. Inzwischen ist durch alle Instanzen geklärt, dass die Expo-Grund den Pavillon abreißen darf, weil er unrechtmäßig auf ihrer Fläche steht. Anfang Juli gab es eine Versteigerung, bei der Pham durch einen Bekannten sämtliche Artikel ersteigern ließ - mit der ausdrücklichen Auflage, alles innerhalb von vier Wochen abzubauen. „Wir haben die Frist sogar auf sechs Wochen verlängert“, sagte Klaus am Dienstag. Passiert ist seitdem: nichts.

Neues Türschloss am Pavillon

„Die machen jetzt Ernst, die Zerstörung wird vorbereitet“, schimpfte Anwalt Waldraff am Dienstag, nachdem der Pavillon mit einem neuen Türschloss versehen worden ist und Gas- sowie Wasserleitungen abgeschaltet wurden. Tatsächlich bestätigt Grundstückseigentümer Klaus, dass die Ausschreibung, mit der ein Unternehmer für den Abriss gesucht wurde, am Mittwoch endet. „Wir wählen einen aus und wollen dann abreißen.“ Zu lange schon sei man von Pham und ihren diversen Gesellschaften hingehalten worden, die den Pavillon angeblich kaufen wollten und dann doch nie gezahlt hätten. „Uns ist hoher Schaden entstanden“, sagt Klaus.

Bei der Versteigerung des Inventars im Polnischen Pavillons gingen unter anderem eine Holz-Landkarte asiatischer Provinzen für 150 Euro und ein Thailändisches Wohnhaus für 1000 Euro weg. Die Alteigentümerin Frau Dr. Pham hatte bis zuletzt versucht die Versteigerung zu verhindern.

Waldraff dagegen bringt vor, dass der Pavillon „ohne Not zerstört“ werde. In einem Schreiben an Oberbürgermeister Stefan Schostok bittet auch die „Botschaft der Demokratischen Republik der Laotischen Menschen“ in Berlin um Aufschub: Schostok möge gegen die Expo-Grund intervenieren und eine Lösung schaffen.

Tatsächlich hat jetzt die Firma Zulimon International GmbH angeboten, die von der Expo-Grund geforderten 600.000 Euro für das Grundstück zu bezahlen. Da es sich aber um ein Unternehmen aus dem Umfeld von Frau Pham handelt, will die Expo-Grund auch alle bisherigen Kosten erstattet bekommen. Dem Vernehmen nach handelt es sich um 1,3 Millionen Euro.

Großes Interesse an Expo-Grundstücken

Wieder ein Verkauf: Gerade erst hat die Expo-Grund wieder ein Grundstück im Expo-Park verkauft. Gegenüber vom Ikea-Gelände, zwischen dem Möbelhaus von Uwe Klingenberg und dem Gartenmöbelbau von Ludwig hat ein regionaler Investor eine Freifläche erstanden. „Die Nachfrage ist da“, sagt Expo-Grund-Chef Karsten Klaus. „Deshalb bin ich mir sicher, dass wir auch für das Gelände des Polen-Pavillons einen Käufer finden, sobald das Kapitel abgeschlossen ist.“ Sieben Problemgrundstücke gibt es derzeit auf dem Gelände, alle sind in privatem Eigentum – darunter der türkische und der markante holländische Pavillon. Auch der dänische Pavillon steht zum Verkauf, weil er nicht mehr genutzt wird. Rund 70 000 Quadratmeter hat die 
Expo-Grund aktuell im Angebot. Nach Angaben von Klaus gibt es fast überall Reservierungen.

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