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Sind 1475 Euro Honorar für einen Brief zu viel?

Anwaltshonorar Sind 1475 Euro Honorar für einen Brief zu viel?

Ein Bauingenieur aus der Südstadt ist erbost über die Höhe eines Anwaltshonorars - und verweigert die Zahlung. Der 80-Jährige erregt sich über eine 1475-Euro-Rechnung „für das Schreiben eines Briefs“ und bezeichnet sie als „Unverschämtheit“ und „Abzocke“. Das hat sich der Anwalt nicht gefallen lassen.

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1475 Euro Honorar soll ein 80-Jähriger für die Anwaltsdienste zahlen. Das fand er zu viel und zahlte nicht. Nun ist er selbst angeklagt.

Quelle: dpa/Symbolbild

Hannover. Die Folge: Der Anwalt hat den Senior verklagt. Ein erster Verhandlungstermin bei Amtsrichterin Katrin Röhr verlief für den 80-Jährigen aber wenig vielversprechend.

Ausgangspunkt waren 31.000 Euro, die der Bauingenieur von einem Ehepaar einfordert. Im August 2015 suchte er den Juristen auf, einen in der Region tätigen Fachanwalt für Bau- und Immobilienrecht, um sich von ihm beraten zu lassen. Das Gespräch, so der 80-Jährige, habe rund 40 Minuten gedauert. Er habe darauf hingewiesen, dass es noch nicht um eine Klage gehe, sondern der Anwalt zunächst einen Brief an die gegnerische Partei schreiben solle - was dieser umgehend tat. Zehn Tage später führte der Jurist ein Telefonat mit der Gegenseite und informierte seinen Klienten per Brief über dieses Gespräch. Beigefügt war eine Kostenvorschussrechnung von 1000 Euro zuzüglich Auslagen und Mehrwertsteuer.

Ab diesem Zeitpunkt war die Beziehung von Mandant und Anwalt gestört. Nach dem Austausch einiger Unfreundlichkeiten legte der Anwalt das Mandat im Oktober nieder und brachte die Abschlussrechnung auf den Weg. 938 Euro Gebühr mal dem 1,3-fachen Satz plus 20 Euro Ausgabenpauschale plus 19 Prozent Umsatzsteuer ergaben 1475 Euro, streng nach Gebührenordnung laut Rechtsanwaltsvergütungsgesetz. Geld hat er allerdings bisher nicht gesehen.

„Es war ein Stundensatz von 200 Euro vereinbart, die hätte ich ohne Beanstandung gezahlt“, schimpft der Bauingenieur, der seinem Beruf noch immer nachgeht. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Im Vertrag war zwar ein Stundensatz von 200 Euro netto zuzüglich Mehrwertsteuer notiert, jedoch auch eine Mindestvergütung laut Gebührenordnung. Diese richtet sich nach dem Streitwert und dem Auftrag des Anwalts - was korrekt die Summe von 1475 Euro ergab.

Verbraucherschützer empfehlen Ratsuchenden generell, einen Anwalt zu nehmen, der auf Stundenbasis abrechnet. Doch das ist nicht immer einfach. Bei einem geringen Streitwert mag es für einen Mandanten sogar von Vorteil sein, wenn er seinen Anwalt ausschließlich nach Gebührenordnung bezahlt. Unterschreibt er aber einen Vertrag, in dem sowohl ein hoher Stundensatz als auch ein Minimum laut Gebührenordnung festgeschrieben ist, muss er mit den Konsequenzen leben.

Der Südstädter aber gibt sich kämpferisch. Die Hinweise von Richterin Röhr, dass das Urteil in zwei Wochen kaum zu seinen Gunsten ausfallen dürfte, kommentierte er als „Irrsinn“ und kündigte an, in Berufung gehen zu wollen.

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