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Streit um Boehringer geht vor Gericht

Anwohnerklage Streit um Boehringer geht vor Gericht

Der Streit um Boehringer beschäftigt erstmals ein Gericht. Zwei Mitglieder aus den Reihen der Bürgerinitiative, die das geplante Tierimpfstoffzentrum des Pharmaunternehmens in Hannover stoppen will, haben beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg Klage eingereicht.

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Klagt gegen den Bebauungsplan: Lehrerin Ines Junck.

Quelle: Florian Wallenwein

Anwohner klagen gegen das geplante Tierimpfstoffzentrum des PharmaunternehmenBoehrunger. Die sogenannte Normenkontrollklage richtet sich gegen die im September vom Rat verabschiedete Änderung des Flächennutzungs- und Bebauungsplans, der Boehringers Ansiedlung ermöglichen soll. „Wir werden alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um die Pläne zu durchkreuzen“, kündigte Dietrich Kröncke von der Kirchröder Initiative gestern an. Diese wolle für die Kosten des Rechtsstreits aufkommen. „Die Kläger sind freigestellt. Das Geld dafür bekommen wir zusammen“, sagte Kröncke.

Die Klagen der Anwohner stützen sich vor allem auf das Gutachten des Sachverständigen Karl-Heinz Krause. Dieser kam zu dem Ergebnis, dass Boehringer nicht in direkter Nähe von Wohnungen mit Krankheitserregern experimentieren darf. Krause zufolge werde insbesondere die Lebenshilfe für Behinderte mit „Geruchseinwirkungen überzogen“, wenn Boehringer in direkter Nachbarschaft forscht. Krause rechnet mit einem Austritt von vier bis fünf Tonnen Ammoniak, die dem sowieso schon hoch belasteten Ökosystem Eilenriede schade. Der TÜV Nord hatte den Standort dagegen als unbedenklich eingestuft.

Unter den Klägern ist Ines Junck, deren Einfamilienhaus 500 Meter von den geplanten Stallungen entfernt steht. Junck sagt, sie sei vor 20 Jahren mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in den Röhrichtweg gezogen – der schönen Natur wegen. Nun befürchtet die 58-jährige Lehrerin, dass austretende Schadstoffe ihre Gesundheit gefährden könnte, zudem wolle sie nicht auf ihrer Terrasse sitzen, „wenn Boehringer vor meinen Augen hunderte von Ferkeln anliefert, die dann mit Viren und anderen Erregern krank gemacht werden“. Sie sei bereit, den Rechtsstreit bis zur letzten Instanz durchzuziehen. Junck war bereits aus der Kirche ausgetreten, als die ihr Grundstück an Boehringer verkauft hatte. Von der Politik fühle sie sich hintergangen. „Ich lasse mir nicht den Mund verbieten“, sagt sie energisch.

Verwaltunsgsrechtler Eckhard David, der die Initiative vertritt, bereitet schon zwei weitere Klagen vor. Diese richten sich gegen die für Frühjahr erwarteten Betriebs- und Baugenehmigungen. Kröncke glaubt auch an eine aufschiebende Wirkung der letztgenannten Verfahren: „Bis zur nächsten Kommunalwahl 2011 wird hier kein Stein liegen.“

Die Stadt wollte sich im Hinblick auf das schwebende Verfahren nicht äußern. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht – alles andere warten wir ab“, sagte Stadtsprecherin Konstanze Kalmus.

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