Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Zu teuer als Flüchtlingsunterkunft
Hannover Aus der Stadt Zu teuer als Flüchtlingsunterkunft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 06.11.2014
Von Andreas Schinkel
Steht leer: Einst hat die Stadt der Region das Gebäude des Oststadt-Klinikums für einen Euro überlassen. Die will jetzt eine hohe Jahresmiete dafür kassieren. Quelle: Hagemann
Hannover

Die Stadt Hannover hat weiter Mühe, die steigende Zahl von Flüchtlingen unterzubringen. Wohncontainer müssen aufgestellt werden, ehemalige Schulen und Krankenhäuser als Notunterkünfte dienen. Eigentlich sollte im leer stehenden Oststadtkrankenhaus eine Sammelunterkunft für 300 Flüchtlinge entstehen, doch die Regionsverwaltung, Eigentümerin der Immobilie, legt der Stadt jetzt Steine in den Weg.

Nach Informationen der HAZ verlangt die Region eine jährliche Miete für das Bettenhaus, die die Stadt nicht zu zahlen bereit ist. Eine Forderung von einer Million Euro pro Jahr soll im Gespräch sein. Die Stadt hält aber nur 600 000 Euro für angemessen. Kurios: Ursprünglich gehörte das Grundstück der Stadt, mit Gründung der Region und des Klinikum-Verbunds übergab sie der Region die Immobilie für einen symbolischen Euro.     

Offiziell teilt die Stadt mit, dass die Verhandlungen um eine Anmietung des Klinikumgebäudes noch andauerten. Im Rathaus werden die Gespräche hinter vorgehaltener Hand als „schwierig“ bezeichnet. Offenbar sind mehrere Briefe in „deutlicher Tonlage“ zwischen den Verwaltungsspitzen hin- und hergeschickt worden.

Das Oststadtkrankenhaus steht leer, weil Personal und Patienten nach Linden in einen Neubau gezogen sind. Auf dem Gelände des ehemaligen Oststadtkrankenhauses sollen nach eineinhalb Jahren Wohnhäuser gebaut werden. Zwischenzeitlich ist die Nutzung als Flüchtlingsunterkunft geplant. 

Derweil bitten in Hannover noch immer jede Woche zusätzlich 30 bis 40 Flüchtlinge um Schutz. Die Stadt hat ein Notprogramm aufstellen müssen, weil alle Kapazitäten in Gemeinschaftsheimen, betreuten Wohnprojekten und angemieteten Wohnungen erschöpft sind. Teils müssen Flüchtlinge in Obdachlosenunterkünften einquartiert werden, wie die Stadt jetzt auf Nachfrage der HAZ bestätigt. Im ehemaligen Schulzentrum Ahlem sind bereits rund 110 Asylsuchende untergebracht, Platz finden dort bis zu 200 Menschen. An vier Standorten stellt die Stadt Wohncontainer für jeweils 100 Flüchtlinge auf. Bekannt ist, dass nahe dem S-Bahnhof Anderten und an der Fuhsestraße in Leinhausen Containerdörfer entstehen. Dem Vernehmen nach prüft die Stadt, ob sich ein Grundstück in Lahe nahe dem Swiss-Life-Gebäude (ehemals AWD-Sitz) als Standort eignet.

Ratspolitiker sind nun empört, dass angesichts der Notlage die Verhandlungen zwischen Stadt und Region um das Oststadtkrankenhaus stocken. „Ich sehe nicht ein, warum die Stadt eine horrende Miete für eine ungenutzte Immobilie zahlen soll“, sagt Grünen-Fraktionsvize Freya Markowis. Als Unterkunft werde das Krankenhaus dringend benötigt. „Stadt und Region müssen sich einigen“, fordert sie. FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke wird noch deutlicher: „Es ist unverschämt, dass die Region eine Notsituation der Stadt ausnutzt, um Mietpreise hochzutreiben“, sagt er. Auch innerhalb der SPD ist man unzufrieden, will aber kein Öl ins Feuer
gießen.

Das Oststadt-Krankenhaus Heidehaus zieht ins Siloah um - am Sonnabend haben sich ehemalige Mitarbeiter und Freunde des Hauses zum Abschied getroffen.

Das Oststadtkrankenhaus steht leer, weil Personal und Patienten nach Linden in einen Neubau gezogen sind. Dort sind Oststadt- und Siloah-Krankenhaus zusammengelegt. Auf dem Gelände des ehemaligen Oststadtkrankenhauses sollen in eineinhalb Jahren Wohnhäuser gebaut werden. Die Notunterkunft für Flüchtlinge sei nur eine „Zwischennutzung“, hat Stadtbaurat Uwe Bodemann stets betont.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Das DRK-Krankenhaus Clementinenhaus, das Vinzenzkrankenhaus und die Paracelsus-Klinik am Silbersee in Langenhagen sind aus Sicht der Patienten die drei besten Krankenhäuser in der Region Hannover. Das ist der Ergebnis einer Studie der Techniker Krankenkasse (TK).

Mathias Klein 14.04.2014

Nach dem Untergang eines Flüchtlingsboots vor der Küste Istanbuls sind mindestens 24 Menschen ums Leben gekommen. Sieben Menschen seien gerettet worden, teilte die Küstenwache nach Angaben der Nachrichtenagentur Dogan am Montag weiter mit.

03.11.2014

Mit einem Stofftier, Malblock oder Buntstiften können Rathausmitarbeiter Flüchtlingskindern künftig eine kleine Freude bereiten. Möglich wird das durch das Engagement von Margarete Scholz, Leiterin des Strickkreises Luthe.

31.10.2014

Noch steht nicht fest, ob es überhaupt eine Demo von sogenannten Hooligans in Hannover geben wird – doch die Stadt wappnet sich bereits für den möglichen Krawall. Während die Behörden ein Versammlungsverbot prüfen, mobilisieren Gewerkschaften und Parteien für eine Gegenkundgebung.

13.11.2014

Diese Nachricht dürfte viele Autofahrer freuen: Mehr als fünf Monate nach dem Beginn der Sanierungsarbeiten ist die Bernadotteallee seit Montagmittag wieder in beide Richtungen befahrbar.

06.11.2014
Aus der Stadt Hannover zeigt Dichtkunst - Poetry Slam in der Oper

Am Sonntagabend fanden sich im Opernhaus in Hannover acht Poetry Slammer zusammen und präsentierten ihre Texte vor einem großen Publikum. Die Veranstaltung gehört zu Hannovers Poetry Slam-Reihe „Macht Worte“ und knüpfte inhaltlich an die aktuelle Spielzeit des Musicals „How to Succeed in Business Without Really Trying“ an.

03.11.2014