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Streit um Kinderlärm landet vor Gericht

Zoff in Lindener Mietshaus Streit um Kinderlärm landet vor Gericht

In einem Mehrfamilienhaus in Linden-Mitte gibt es Zoff um Kinderlärm. Eine Familie fühlt sich von der Kindertagespflege-Gruppe einer Tagesmutter gestört und hat die Miete gemindert - woraufhin die Vermieterin jetzt vor Gericht zog. 

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Quelle: dpa

Hannover. In einem schicken Altbau in Linden-Mitte hängt der Haussegen schief. Eine Familie, die in einer Fünf-Zimmer-Wohnung im 1. Stock lebt, stört sich an dem Lärm, den die Kindertagespflege-Gruppe einer Tagesmutter im 2. Stock verursacht. Bis zu acht Erst- und Zweitklässler toben dort werktäglich von 13 bis 16 Uhr durch die Räume. Die Familie minderte die Miete sechs Monate um je 40 Euro - woraufhin die betagte Vermieterin vor Gericht zog. Amtsrichterin Catharina Schwind deutete im jetzt Verfahren an, dass die in Verden lebende Seniorin schlechte Karten hat: Wahrscheinlich sei das Betreiben einer Kindergruppe eine gewerbliche Tätigkeit, die einer Genehmigung bedürfe. Sollte sich zudem herausstellen, dass es sich um störendes Gewerbe handele, müsse die Vermieterin die Mängel abstellen.

Doch zugleich warnte die Richterin beide Parteien vor einem langwierigen und teuren Rechtsstreit. So fertigte die Familie fünf Monate lang Lärmprotokolle an, um die Störungen aus der darüberliegenden Wohnung zu dokumentieren. Von „massivem Trittschall, dass die Lampen wackeln“ ist dort die Rede, vom Juchzen und Toben einer ausgelassenen Kinderschar. Tagesmutter und Vermieterin legten ihrerseits Lärmprotokolle vor, die diese Vorwürfe widerlegen sollen: Demnach gehe es in der 110-Quadratmeter-Wohnung immer gesittet zu, die Kinder putzten nach Schulschluss lediglich ihre Zähne, äßen ruhig zu Mittag und erledigten friedlich ihre Hausaufgaben. Diese unterschiedlichen Aussagen könnten dazu führen, so Catharina Schwind, dass das Gericht einen Experten mit der Erstellung eines Lärmgutachtens beauftrage. Schließlich einigte man sich darauf, das Verfahren ruhen zu lassen; damit soll Mietern und Vermieterin Gelegenheit gegeben werden, sich doch noch außergerichtlich zu einigen.

Löst Schallschluckdecke das Problem?

Der 50-jährige Familienvater, im Großhandel tätig, wies alle von der Gegenseite erhobenen Vorwürfe einer Kinderfeindlichkeit weit von sich. Seine Frau, 48 Jahre alt, arbeite selbst in einer Kita, von den eigenen vier Kindern wohnten noch zwei in der Lindener Wohnung. Grundsätzlich, so der langjährige Mieter, habe er überhaupt nichts dagegen, dass es im Mietshaus eine Kindertagespflege-Gruppe gebe. Als diese vor gut einem Jahr eingerichtet wurde, habe die Vermieterin ihm aber zugesichert, die Genehmigung für die professionelle Kinderbetreuung bei allzu starker Lärmbelästigung zu widerrufen - doch dieses Versprechen sei nie eingelöst worden. Nun hätten die Strohdecken des Altbaus keinerlei schalldämmende Wirkung. Wenn seine Frau mittags nach der Arbeit erschöpft nach Hause komme, sei sie dem Toben der Kinder aus dem 2. Stock hilflos ausgeliefert. In Ferienzeiten, so der 50-Jährige, beginne das fröhliche Spiel sogar schon frühmorgens.

Es gehe nicht darum, die Miete dauerhaft zu mindern, erklärte der Familienvater. Die Kürzung sei lediglich ein Warnschuss an die Vermieterin gewesen, endlich etwas zu unternehmen. Sein Vorschlag: Die Seniorin solle eine schallmindernde Decke einziehen lassen, mit einer Gaststätte im Erdgeschoss habe man hier schon beste Erfahrungen gemacht. Der Anwalt der Vermieterin zeigte guten Willen - er will diesen Vorschlag mit seiner Mandantin besprechen.

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