Wegen ihres Umgangs mit dem Baumbestand in der Eilenriede und der Strategie, abgelegene Pfade im Stadtwald unzugänglich zu machen, sieht sich die Stadt scharfer Kritik ausgesetzt. Vorgetragen wurde sie am Montag von rund 40 Bürgern, die an einer Informationsveranstaltung der Stadtverwaltung über den Zustand der Eilenriede in das Freizeitheim Lister Turm gekommen waren. Die Stadt soll weniger Bäume abholzen und mehr Natur in der Eilenriede zulassen, lauteten dabei die Forderungen.
Oberförster Gerd Garnatz erläuterte die Strategie der Stadt: Rund 75 Prozent der Waldfläche würden zur Holzernte genutzt, die Stadt erziele aus dem Verkauf einen Erlös von jährlich rund 100 000 Euro. Das Holz sei von hervorragender Qualität, pries Garnatz. „Eben diese herrlichen Bäume sind es, die ich in der Eilenriede vermisse“, konterte ein Besucher. Rund drei Festmeter Holz pro Hektar ernte die Stadt jährlich aus der Eilenriede, während fünf Festmeter nachwüchsen, rechnete Garnatz dagegen vor. „Wir reichern also den Wald mit Holz an.“ Das Forstamt versuche, die Etatvorgaben der Stadt durch den Verkauf von hochwertigem Holz zu erfüllen, sagte Garnatz. Die Qualität der Eilenriedeeiche sei „von europaweiter Bedeutung“, bei Versteigerungen würden bis zu 450 Euro pro Festmeter gezahlt. Bis zu 15 Prozent der Baumfällungen müssten aus Gründen der Verkehrssicherheit vorgenommen werden. Garnatz erinnerte daran, dass vor Jahren ein Jogger in der Eilenriede durch einen herabfallenden Ast erschlagen wurde.
Um Spaziergänger und Jogger davon abzuhalten, ungesicherte Trampelpfade zu benutzen, versuche das Forstamt die Pfade mit umgestürzten Bäumen und Reisig zu versperren, erklärte Garnatz. Und handelte sich abermals Kritik von Bürgern ein, die diese Pfade offenbar gern benutzen. Dass das Forstamt Zweige und Äste geschlagener Bäume im Wald belässt und lediglich das Nutzholz abtransportiert, verstößt offenbar auch gegen die Vorstellungen vieler Eilenriedenutzer. „So ordentlich wie auf manchen Bildern sieht der Wald längst nicht mehr aus“, rief einer. Heino Kamieth, Leiter des Fachbereichs Umwelt und Stadtgrün, erklärte, die Stadt bemühe sich, mit Augenmaß allen Ansprüchen gerecht zu werden: dem Naturschutz, der wirtschaftlichen Nutzung und der Erholung der Bürger. „Aber wir haben für all das nur eine Eilenriede.“
Zu folgenden Punkten gab die Stadt auf der Veranstaltung weitere Erläuterungen:
Brückensanierung: In den kommenden zwei Jahren müssen die ersten drei Brücken in der Eilenriede erneuert werden. Kosten pro Brücke: Bis zu 50 000 Euro. Langfristig sind 20 Brücken betroffen, die allmählich marode werden. In den vergangenen Wochen hatte die Stadt an zahlreichen Brücken Schilder mit Tonnagebegrenzungen aufgestellt.
Mountainbiker: Die Nutzung des Waldes durch Mountainbiker, die abseits der Wege fahren, wird für das Forstamt „zunehmend problematisch“, sagte Garnatz. Die Radsportler bauten sich an verschiedenen Standorten Rampen, Hindernisse und Trassen und beschädigten junge Bäume.
Grünschnitt: Das Forstamt kritisierte die Neigung von Kleingärtnern, Grünschnitt am Rand der östlichen Eilenriede abzulagern. Die Ablagerungen wirkte wie wilde Müllkippen. „Wir haben nicht ausreichend Personal, um diese Entwicklung zu stoppen“, sagte Garnatz.
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