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Schlichter verprügelt streitenden Mann

Schädel-, Schulter- und Hüftprellungen Schlichter verprügelt streitenden Mann

Er wollte schlichten und schoss über das Ziel hinaus: Ein 18-Jähriger ist in einem Streit zwischen einem Mann und dessen Freundin eingeschritten, nachdem dieser die Frau bedrängt hatte. Da er ihn krankenhausreif schlug, muss er sich nun vor dem Amtsgericht verantworten.

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Am Nordausgang des Hauptbahnhofs eskalierte der Streit mit dem Schlichter.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Streitschlichter geraten zuweilen in die Schlagzeilen, wenn sie in ein gewaltgeladenes Geschehen hineingezogen und selbst zum Opfer werden. In einem Fall, der am Dienstag vor dem Amtsgericht verhandelt wurde, liegt die Sache anders: Ein Streitschlichter war über das Ziel hinausgeschossen, als er am Raschplatz einer von ihrem Freund bedrängten Frau zuhilfe kommen wollte. Er verprügelte den 30-jährigen Mann derart heftig, dass dieser per Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden musste und sechs Wochen arbeitsunfähig war. Per Zivilklage forderte das Opfer von dem prügelnden Schlichter nunmehr 1100 Euro Schmerzensgeld. Auf Grundlage eines Vergleichsvorschlags von Richterin Catharina Erps erklärte sich der 18-Jährige schließlich bereit, 350 Euro zu zahlen.

Die Auseinandersetzung zwischen dem 30-Jährigen und seiner 18-jährigen Freundin drehte sich, wie er selbst sagte, um die Liebe. Er habe an jenem Septembersonnabend 2015 auf einer Treppe am Raschplatz durchaus laut gesprochen - doch rede er als Ausländer türkischer Abstammung immer etwas lauter. Die Richterin zeigte sich erfreut, dass der Kläger mit ihr persönlich in Zimmerlautstärke kommuniziere, äußerte aber Zweifel, dass die Kontroverse des Paars in moderatem Ton abgelaufen war. Der Streitschlichter seinerseits erklärte, der 30-Jährige habe seine Freundin an den Handgelenken festgehalten, und diese habe geschrien: „Lass mich los, lass mich gehen.“ Daraufhin sei er eingeschritten.

Schädel-, Schulter- und Hüftprellungen

Was dann im Detail geschah, ist schwer aufzuklären; ein Strafverfahren in dieser Angelegenheit ist bereits eingestellt worden. Es gibt keine Aussagen unparteiischer Zeugen, und die Versionen der beiden Männer, wer wen zuerst beschimpft, geschubst und geschlagen hat, gehen weit auseinander. Fest steht nur, dass die Pferde mit dem Schlichter durchgingen. Er schleuderte einen Kaffeebecher auf seinen Kontrahenten, dann gingen die Männer in den Nahkampf über. Offenbar war der Jüngere besser in Form, denn er verpasste dem 30-Jährigen eine kräftige Abreibung. Später diagnostizierten die Ärzte bei dem Unterlegenen Schädel-, Schulter- und Hüftprellungen.

Zu einer Vernehmung der Freundin des Klägers kam es am Dienstag nicht, weil sich die beiden Männer mitsamt ihren Anwälte zuvor geeinigt hatten. Die Frau soll sich bei der Auseinandersetzung am Raschplatz aber schnell auf die Seite ihres Freundes geschlagen haben: Was der 30-Jährige mit ihr anstelle, gehe den vermeintlichen Helfer nichts an. Der verteidigte sein Engagement: „Ich habe eine kleine Schwester. Wenn die in der Situation wäre, würde ich mir auch wünschen, dass jemand dazwischen geht.“

Dieser Fall habe zwei Seiten, merkte die Richterin schlussendlich an. Einerseits sei es löblich, dass der 18-Jährige Zivilcourage an den Tag gelegt und sich in den Streit eingemischt habe. Dabei habe er allerdings erheblich überreagiert - er hätte auf das streitende Paar einreden und notfalls die Polizei holen sollen, sich aber nicht zu einem Frontalangriff hinreißen lassen dürfen.

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