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Aus der Stadt Stromausfall legt ganz Hannover lahm
Hannover Aus der Stadt Stromausfall legt ganz Hannover lahm
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18:03 14.07.2011
Von Bernd Haase
Bei der Üstra standen die Stadtbahnen zetiweise still, erreichten aber nach Angaben von Sprecher Udo Iwannek sämtlich die Stationen. Quelle: Kris Finn
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Hannover

Nach dem großen Stromausfall läuft die Ursachensuche. Um kurz nach 22.30 Uhr gingen am Mittwoch in Hannover und in benachbarten Städten wie Langenhagen, Laatzen, Seelze und Garbsen die Lichter aus. Eine defekte Kupplungsstelle ins Hochspannungsnetz in der Nähe des Kraftwerks Mehrum hat die Versorgung im gesamten Netzgebiet der Stadtwerke Hannover zusammenbrechen lassen. „Die Übertragung ins überregionale Netz hat nicht funktioniert. Dadurch kam es zu Schwankungen und als Folge zum Kollaps“, erklärte Stadtwerke-Sprecher Carlo Kallen. Auch in einem Kraftwerk in Stöcken ist Angaben der Stadtwerke zufolge ein Block ausgefallen.

Aufgrund des Stromausfalls gingen bei der Feuerwehr zwischen 22.35 und 2 Uhr insgesamt 785 Notrufe ein – 75 führten zu Einsätzen. Davon entfielen alleine 45 Einsätze auf ausgelöste Brandmeldeanlagen. Neun Mal rückte die Feuerwehr aus, um Personen aus festsitzenden Aufzügen zu befreien. In acht Fällen musste die Feuerwehr in Betreuungseinrichtungen, Alten- und Pflegeheimen eine Notstromversorgung herstellen, um den Betrieb von Beatmungsgeräten sicherzustellen.

Die Techniker der Stadtwerke arbeiteten mit Hochdruck daran, den Defekt zu beheben. Zwischenzeitlich leitete der Energieversorger Strom aus anderen Netzen in Richtung Hannover, sodass die Stadtteile nach und nach wieder ans Netz genommen werden konnten. Gegen Mitternacht waren 70 Prozent der Stadt wieder am Netz. Um 0:15 Uhr waren Hannover und die betroffenen Orte in der Region wieder mit Strom versorgt.

Während in Krankenhäusern Notstromaggregate ansprangen, musste die Feuerwehr zu Altenheimen ausrücken, um dort eine Stromversorgung vor allem für Beatmungsgeräte aufzubauen. Die Polizei hatte zunächst keine Kenntnis von größeren Problemen; Gerüchte, ein Supermarkt am Roderbruch sei geplündert worden, bestätigten sich nicht. Bei der Üstra standen die Stadtbahnen still, erreichten aber nach Angaben von Sprecher Udo Iwannek sämtlich die Stationen. Dadurch konnten die Passagiere aussteigen und mussten nicht auf freier Strecke ausharren. Beim Flughafen konnten die wenigen Flüge, die zu diesem Zeitpunkt noch anstanden, dank Notstromaggregaten durchgeführt werden.

Als um 22.34 Uhr in den Wohnvierteln rund um die Innenstadt der Strom wegblieb, lag schlagartig die gesamte Infrastruktur darnieder. Ampeln, Rolltreppen der U-Bahnstationen, Geldautomaten – nichts ging mehr. Festnetztelefone waren sofort nicht mehr zu benutzen, die Mobilnetze funktionierten zwar weitgehend, waren aber schnell überlastet. Auch die Servicetelefone der Stadtwerke waren nach wenigen Minuten nicht mehr zu erreichen, weil so starker Andrang herrschte.

Menschen kamen durch den Stromausfall nach ersten Erkenntnissen nicht zu Schaden. Autofahrer bewegten ihre Karossen rücksichtsvoll über die Straßen, trotz ausgeschalteter Ampeln blieben größere Kollisionen aus. Die Feuerwehr startete über Funk den Stabsalarm, die dringlichste Einsatzstufe: Weil Rauchmelder nicht mehr funktionierten und Alarmanlagen keinen Strom mehr hatten, war völlig unklar, ob es Notsituationen gab. Alle Führungskräfte von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr, Polizei und Stadtverwaltung wurden einberufen.

Unterdessen trafen sich die Menschen auf der Straße. Mit Taschenlampen, Kerzen und den Beleuchtungen der Mobiltelefone ertasteten sich die Bewohner den Weg durch die Dunkelheit. In vielen Kneipen zündeten die Gastwirte Kerzen für ihre Gäste an. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagte etwa Axel Krauskopf von der Gaststätte „Vater und Sohn“ am Rande der Innenstadt.

Im Internetnetzwerk Facebook hat sich noch in der Nacht die Gruppe "Stromausfall am 13. Juli 2011 in Hannover" gegründet. Am Donnerstagmorgen hatte die Gruppe bereits mehr als 2700 Mitglieder. Diese tauschen sich über ihre Erfahrungen während des Stromausfalls aus. So auch auf der HAZ-Facebook-Seite. Dort beschreibt ein Nutzer mit dem Namen "Pedro Prüser", wie er den Stromausfall dazu genutzt hat, mit einem zuvor von Enercity geliehenen Moped bei Dunkelheit durch die Stadt zu fahren – mit Kerze und Streichhölzern in der Tasche. Facebook-Mitglied "Kiryll Kulakowski" postet: "Wir fandens super! War ne willkommene Abwechslung – schön Kerzen, Ausnahmezustand, die Leute schauen aus den Fenstern und begegnen sich draussen, und ganz Linden am jubeln als alles wieder anging."

Das Kabelfernsehen war bis 23.11 Uhr ausgefallen und wurde allmählich wieder hochgefahren. Digital-terrestisches Fernsehen funktionierte durchgehend. In der Südstadt und in Bemerode war der Strom nach dem Ausfall um 22.34 Uhr bereits nach weniger als einer halben Stunde wieder verfügbar. In der Innenstadt kam das Licht um 23.08 Uhr zurück, in Limmer dauerte es sogar bis 23.22 Uhr. In der List war es höchst unterschiedlich: In der Kneipe „Treibhaus“ ging bereits relativ früh das Licht wieder, in der „Rumpelkammer“ hingegen blieb es auch um 23.49 Uhr noch dunkel.

mit: tz, tm, uj, sus, mt, sfu, ze, jhe

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

So lange waren einzelne Stadtteile ohne Strom:

00:48 h Davenstedt, Badenstedt, Bornum, Linden, Limmer, Ahlem
00:33 h Südstadt, Mitte
00:09 h Waldhausen, Waldheim, Südstadt, Döhren, Zoo
00:33 h Mitte
01:18 h Isernhagen-Süd, Bothfeld, Sahlkamp, Lahe, Altwarmbüchen
00:38 h Langenhagen, Kaltenweide, Krähenwinkel
00:27 h Burg, Herrenhausen, Leinhausen, Stöcken
00:27 h Linden, Calenberger Neustadt, Nordstadt
01:21 h List, Sahlkamp, Vahrenheide
01:19 h Misburg, Anderten, Buchholz
00:33 h Mitte, Oststadt, List,
01:18 h Roderbruch, Kleefeld, Heideviertel, Buchholz
00:29 h Herrenhausen, Vahrenwald, Hainholz, List
00:09 h Messe
00:20 h Marienwerder, Stöcken, Letter, Engelbostel, Schulenburg
00:48 h Wettbergen, Oberricklingen, Ricklingen, Bornum, Mühlenberg
00:39 h Vahrenwald, Vinnhorst, Godshorn, Schulenburg
01:21 h Vahrenwald, Vahrenheide, Sahlkamp
00:09 h Wülferode, Bemerode

Einige Stadtteile werden mehrfach genannt, da sie von mehreren Teilnetzen versorgt werden.

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