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Suchst du noch oder wohnst du schon?

Studenten auf Wohnungssuche Suchst du noch oder wohnst du schon?

In diesem Jahr ist es noch schlimmer als sonst: Tausende Studenten haben in Hannover noch immer keine Bleibe gefunden, obwohl das Semester längst begonnen hat. Zwei Erfahrungsberichte.

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„Ein Auto muss man sich als Student erst mal
leisten können.“: Studentin Dagmar Grefe pendelt täglich zwischen der Hochschule und der Hotel Mama in Soltau.
Fotos: Villegas (2)

Quelle: Irving Villegas

Hannover. Den Start ins Studium hat sich der 21-jährige Maschinenbaustudent anders vorgestellt. Die Vorlesungen beginnen, und er hat immer noch kein Zimmer gefunden. Anders als in anderen Studienfächern sind die angehenden Maschinenbauer von Anfang an gefordert und müssen sehen, wie sie mit dem Stoff zurechtkommen. Der 21-Jährige steht in diesem Moment kurz davor, alles hinzuwerfen, und fühlt sich verzweifelt. „Ich dachte, ich muss das Studium aufgeben und zu meinen Eltern nach Krefeld zurück. Sie wären damit nicht glücklich gewesen.“ Nach zwei Wochen in der Jugendherberge ist aber sein Startkapital drastisch zusammengeschmolzen. „Noch eine Woche mehr hätte ich mir nicht leisten können.“

Im letzten Moment hilft dem Krefelder eine Aktion des Asta der Leibniz-Uni. Für Notfälle haben die studentischen Interessenvertreter dieses Jahr wieder eine Schlafplatzbörse im Internet organisiert. Studienanfänger ohne Unterkunft finden dort kurzfristig einen Schlafplatz. Oft sind es Wohngemeinschaften, die die unglücklichen Erstsemester kostenfrei für maximal vier Wochen aufnehmen. „Seit einigen Jahren bekommen wir zum Wintersemester jedes Mal verzweifelte E-Mails von Studenten, die monatelang keine Wohnung finden“, berichtet Asta-Sozialreferent Jonas Negenborn. Manchmal führe das dazu, dass Erstsemester ihr Studium verschieben oder Stadt und Uni wechseln.

Dieses Mal hat Negenborn mehr als 130 oft sehr nett formulierte Angebote für die Schlafplatzbörse bekommen. „Es haben sich sogar Familien gemeldet, die ihr Kinderzimmer räumen wollten.“ Mal einen Abend Babysitting als Dankeschön wäre „cool“, schrieben die jungen Eltern. Selbst Vermieter boten vereinzelt kostenfrei Wohnungen an.

Der Maschinenbaustudent aus Krefeld zieht am Sonntagabend vor dem Semesterstart in eine Lindener WG. „Ich schlafe auf dem Sofa im Wohnzimmer.“ Zwei Wochen lang hat er vergeblich ein Zimmer gesucht und nichts ausgelassen - Zeitungsanzeigen, Facebook, Internetportale. Wie viele Wohnungen er angesehen hat, weiß der 21-Jährige schon nicht mehr. Er erlebt, dass sich bis zu 50 Interessenten um die Aufnahme in eine Wohngemeinschaft mit einem freien Zimmer bewerben. Ein Mini-Apartment allein ist eigentlich nicht sein Fall - doch in der Not hat er sich auch dafür beworben. Vergeblich. „550 Euro kalt für eine Ein-Zimmer-Wohnung in Linden-Nord übersteigen mein Budget bei Weitem“, sagt er. Auch die Bewerbung um einen Platz im Studentenwohnheim ist glücklos geblieben. Viel Zeit zur Zimmersuche bleibt ihm nun neben dem Studium nicht, aber zu lange will Jan Müller die Gastfreundschaft seiner neuen Mitbewohner nicht strapazieren. „Vielleicht hat der Asta dann noch was für mich, wenn wieder nichts klappt.“

Dass der Wohnungsmarkt für Studenten und andere, die auf preiswerte Angebote angewiesen sind, enger wird, registriert auch das Studentenwerk Hannover. Ein Grund sind die stetig steigenden Studentenzahlen in Hannover. Allein die Leibniz-Uni zählt aktuell 28 000 Studenten und damit knapp 1700 mehr als vor einem Jahr. Gleichzeitig sind große WG-geeignete Wohnungen Mangelware.

Als Konsequenz lassen manche Studenten ihren bereits zugesagten Studienplatz in Hannover sausen. Hochschullehrer, die internationale Studenten nach Hannover ziehen wollen, beklagen dies besonders. So hat jetzt ein indischer Student bei Birgit Glasmacher, Leiterin des Instituts für Mehrphasenprozesse, abgesagt, weil seine Unterbringung nicht gesichert war. „Das sind Leute, die in der Regel ein Stipendium haben.“

Beim Studentenwerk sind bis Ende Oktober 3467 Anträge auf einen Wohnheimplatz eingegangen. 925 neue Mietverträge können die Mitarbeiter abschließen. 323 Studenten haben ihre Bewerbung zurückgezogen, weitere 2219 sind auf der Warteliste. Nach den Erfahrungen der Sachbearbeiter überbrücken manche Studienanfänger die erste Zeit in Hannover bei Verwandten oder in Jugendherberge und Hostel sowie bei Freunden auf dem Sofa - zum Semesteranfang etwas enger zusammenzurücken ist normal.

Und etliche Studenten pendeln zwischen Hannover und Städten wie Uelzen, Clausthal und Hamburg, wo sie vorher studiert haben oder ihre Eltern leben. Das trifft manchmal sogar Studenten mitten im Studium wie Dagmar Grefe. Die angehende Religions- und Sozialpädagogin soll nach einem Vermieterwechsel 400 statt 300 Euro für ihre Wohnung in der Nordstadt zahlen. Die Suche nach einer WG als Alternative - erfolglos.

„Seit einem Jahr wohne ich wieder zu Hause bei meinen Eltern in Soltau und pendele jeden Tag“, erzählt die 29-Jährige. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln braucht sie rund zweieinhalb Stunden bis zur Hochschule Hannover in Kleefeld. Ihr soziales Engagement an der Fakultät musste die Studentin zwangsweise einschränken, speziell an Abendveranstaltungen kann sie nicht mehr teilnehmen, denn ihr letzter Zug fährt gegen 21 Uhr. „Und ein Auto muss man sich als Student erst mal leisten können.“ Immerhin helfen ihre Eltern Dagmar Grefe jetzt häufiger mit einem Wagen aus, damit sich die Fahrtzeit verkürzt. Und die Studentin, die zunächst wider Willen ins Hotel Mama zurückgekehrt ist, engagiert sich im Studentenparlament für bezahlbaren Wohnraum. „Ich möchte verhindern, dass es zukünftigen Studenten ähnlich ergeht wie mir.“

Gemeinschaftsaktion 
bringt 80 Studenten 
aus dem Ausland unter

Ausländische Studenten, die neu nach Hannover kommen, haben es besonders schwer, kurz vor Studienbeginn ein bezahlbares Zimmer zu finden. Mit der Kampagne „Lasst uns nicht im Regen stehen“ suchen Hochschulen, Stadt, Wohnungswirtschaft und Studentenwerk seit Ende August speziell Zimmer und Wohnungen für diese Zielgruppe. Bis Ende Oktober haben private Vermieter 154 Angebote gemeldet, zwei Drittel davon im Stadtgebiet. Gut 80 internationalen Studenten konnte inzwischen ein Mietvertrag vermittelt werden. Weitere Anbahnungen laufen.
„Wir sind für jedes Angebot dankbar“, betont Eberhard Hoffmann, Geschäftsführer des Studentenwerks. Knapp 50 angebotene Zimmer sind nach Prüfung allerdings abgelehnt worden. Oft handelte es sich um sehr kleine Räume zur Untermiete. Die Vermittlerin im Studentenwerk bemüht sich, auf Wünsche von Mietern und Vermietern einzugehen. So hat ein Vermieter nach einem Musikstudenten gesucht, der in seinem Hausmusikkreis mitspielt. „Er hat nach kurzer Zeit noch einen zweiten Studenten aufgenommen und wirbt jetzt in seinem Bekanntenkreis für die Aktion“, berichtet Hoffmann.
Beim Studentenwerk ist die Vermittlerin Birte Wiedenroth per E-Mail unter der Adresse zimmer@studentenwerk-hannover.de oder telefonisch unter (05 11) 7 68 80 69 erreichbar.

bil

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