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"Weg von Blechcontainern für Flüchtlinge"

Studenten entwerfen Unterkünfte "Weg von Blechcontainern für Flüchtlinge"

Architekturstudenten der Leibniz-Uni haben am Mittwoch Entwürfe für Flüchtlingsunterkünfte auf Flachdächern und in Innenhöfen vorgestellt. Eine bunt gemischte Jury aus Architekten, Bauherren und Handwerkern bewertete die Modelle. Einige der Entwürfe sollen nun gebaut werden. 

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Von links: Klaudia Goloszewska und Daria Glabowska zeigen ihre Modelle.

Quelle: Behrens

Hannover. Auf Parkplätzen und Parkhäusern, auf Flachdächern und in Innenhöfen: Wenn es nach den Architekturstudenten der Leibniz-Uni geht, wohnen bald auf vielen bisher verborgenen Brachflächen in der Stadt Flüchtlinge. Am Mittwoch haben 18 Studententeams ihre Entwürfe vor einer bunt gemischten Jury aus Architekten, Bauherren und Handwerkern verteidigt. Die Arena der Künstlerin Rita McBride in der Kestnergesellschaft bot dafür eine passende Kulisse. Ein Investor aus Bayern, der neue Modelle für Flüchtlingsheime sucht, fragte streng, ob die Raumtiefe überhaupt ausreicht.

 „Es ist eine Kunst, mit so wenig so viel zu erreichen“

Albert Laqua und Charlotte Regier erläutern ihr extrem kompaktes Gebäude, das auf dem Dekanat der Architekten-Fakultät in Herrenhausen entstehen soll. Die einzelnen Wohnungen mit 25 Quadratmetern sind für jeweils zwei Menschen gedacht. Dafür gibt es Wintergärten und im Innenhof Gärten sowie Gewächshäuser zur Selbstversorgung. „Es ist eine Kunst, mit so wenig so viel zu erreichen“, lobt ein anderer Juror.

Tatsächlich plant Dekan Jörg Friedrich ein Experiment: Manches, was jetzt erst aus Papier und Pappe besteht, soll wirklich als Prototyp gebaut und bewohnt werden. „Wir wollen die besten Entwürfe so weiterentwickeln, dass sie in den Kosten mit Containern konkurrieren und gleichzeitig eine bessere Wohnqualität bieten“, erklärt er. Seit Oktober haben die Masterstudenten bei ihm ihre Ideen entwickelt. Friedrich hat derweil Kontakte geknüpft. 

Am Mittwoch haben 18 Architektur-Studententeams der Leibniz Uni Hannover ihre Entwürfe einer buntgemischten Jury aus Architekten, Bauherren und Handwerkern vorgestellt. Die Arena der Künstlerin Rita McBride in der Kestnergesellschaft bot dafür eine passende Kulisse. 

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In der Jury sehen sich zwei benachbarte Privatleute aus der Südstadt die Vorschläge an. Die beiden engagieren sich bereits für Flüchtlinge, haben Freundschaften geschlossen. Jetzt wollen sie in einem Innenhof ein Haus für Flüchtlinge bauen. Gewinn machen wollen die beiden Freunde damit nicht. „Wir wohnen in einer noblen Gegend, wo viele sich das leisten könnten“, sagt sie. Beide wollen mit dem Bauprojekt Flüchtlinge als Nachbarn zu sich holen. „Wir wollen sie wirklich integrieren und auch wegkommen von diesen Blechcontainer-Unterkünften“, sagt er. Drei Studentengruppen haben ihre Entwürfe passgenau für den Südstädter Innenhof geplant. Die Bauherren in spe sind davon bereits angetan.
Bernd Schliebitz von der Hannoverschen Zimmerei stellt selbst bewohnbare Holzmodule für Flüchtlinge her. Als ein Studentenduo ein Haus mit Profilglasfassade vorstellt, wird es dem Zimmermann zu bunt. „Was ist mit der Wärmedämmung?“ Skeptisch wird Schliebitz auch bei Vorschlägen, zwei Etagen in einer Flüchtlingswohnung nur per Leiter zu verbinden. „Das geht baurechtlich nicht. Das bekommen Sie nicht durch.“ Doch am Ende lobt der Handwerker die „tollen Ideen“. Die Stadtverwaltung suche dringend nach Freiflächen – es liege deshalb nahe, auf Parkdecks und Dächern aufzustocken.

Viele Studenten haben auf einer Etage Arbeitsplätze für Studenten sowie Werkstätten und Lernräume für Flüchtlinge und vielleicht auch ein öffentliches Café, auf einer anderen Ebene die privaten Wohnungen vorgesehen. Dekan Friedrich will in Abstimmung mit der Stadt mit Sponsoren Häuser an seiner Fakultät bauen lassen. „Wenn wir das auf fünf Jahre befristen, dürfte das Baurecht nicht das Problem sein.“

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