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Zahl der Urnenbeisetzungen in Kirchen wächst

Bestattungskultur im Wandel Zahl der Urnenbeisetzungen in Kirchen wächst

Die Bestattungskultur wandelt sich rasant. Ein Trend geht zur Urnenbeisetzung in Kirchen – nach einer neuen Studie entscheiden sich dafür insbesondere gebildete Großstädter.

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Das Kolumbarium in der Misburger Herz-Jesu-Kirche.

Quelle: Steiner (Archiv).

Hannover.  Der Tod macht die Menschen gleich – doch sofort danach wird es wieder höchst individuell: „Wir erleben einen rasanten Wandel der Bestattungskultur“, sagt Christoph Dahling-Sander, Geschäftsführer der Hanns-Lilje-Stiftung. Mittlerweile sind Urnenbestattungen eher die Regel als die Ausnahme, zudem erleben Beisetzungen in Friedwäldern einen regelrechten Boom. Die Lilje-Stiftung hat jetzt eine Studie vorgestellt, die eine weitere Neuerung auf dem Markt postmortaler Möglichkeiten untersucht: die Beisetzung von Urnen in umgestalteten Kirchen, sogenannten Kolumbarien.

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In Hannover gibt es zwei Urnenbegräbnisstätten in Kirchen.

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Noch wählt eine sehr kleine Klientel diese Bestattungsform – doch diese wächst, und unter dem ökonomischen Druck, überzählige Gebäude nutzen zu müssen, richten immer mehr Gemeinden Kolumbarien ein. In Deutschland gibt es mittlerweile gut drei Dutzend Kirchenkolumbarien, vier davon in Niedersachsen. Von deren insgesamt 2430 Urnenplätzen sind bereits 570 belegt und 700 reserviert.

„Für diese Form der Beisetzung entscheiden sich in der Regel überdurchschnittlich gebildete Menschen, die sich lange mit dem eigenen Tod beschäftigt haben“, sagt Prof. Thomas Klie von der Uni Rostock. Städter ließen sich deutlich häufiger in Kolumbarien beisetzen als Menschen auf dem Land, sagt der Theologe. Bei dieser Art der Beisetzung spiele ein ganzes Motivbündel eine Rolle: Teils hätten die Menschen eine persönliche Bindung an das Kirchengebäude oder schätzten dessen Ästhetik.

Das erste der beiden hannoverschen Kolumbarien wurde vor sieben Jahren in der katholischen Herz-Jesu-Kirche in Misburg eingerichtet. In ihren Seitenschiffen können rund 1300 Urnen in Glasvitrinen Platz finden. Bereits 500 Plätze sind verkauft: „Das sind mehr, als wir erwartet hatten“, sagt Geschäftsführer Johannes Kollenda.

Für die Urnenkirche entschieden sich insbesondere Menschen, deren Angehörige weit entfernt leben und sich nicht um die Grabpflege kümmern können. Kolumbarien bieten Gräber für die globalisierte Welt. Mit rund 2900 Euro für eine Ruhezeit von 20 Jahren ist ein Urnenplatz in der Kirche außerdem deutlich billiger als ein traditionelles Erdbegräbnis. „Und zu unseren Öffnungszeiten ist immer ein Trauerbegleiter in der Kirche ansprechbar“, sagt Kollenda. Zahlreiche Kunden legten auch Wert darauf, ihre Urne in einer genutzten Kirche zu wissen, in der Gottesdienste, Taufen und sogar Hochzeiten stattfinden. 

Auch das 2013 eröffnete Kolumbarium in der Nazarethkirche in der Südstadt ist beliebt: „Das Interesse ist groß – und wir bekommen eine ausgesprochen positive Resonanz“, sagt Pastor Dieter Henkel-Niebuhr. Mittlerweile seien etwa 100 von 672 Plätzen vergeben: „Oft besuchen uns Schulklassen und Gemeindegruppen – die Nachfrage wächst.“

Von Simon Benne

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