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"Beleidigungen gehören zum Lehreralltag"

Gewalt an Schulen "Beleidigungen gehören zum Lehreralltag"

Von Schülern beleidigt zu werden gehört für mehr als ein Viertel der Lehrer offenbar zum Alltag. Das jedenfalls legen Studien und Umfragen nahe, die bei einer Podiumsdiskussion zu Gewalt an Schulen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vorgestellt worden sind.

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Gewalt an der Schule: Tätliche Angriffe etwa mit dem Messer gegen Lehrer sind selten, Beleidigungen und Beschimpfungen aber an der Tagesordnung.

Quelle: Oliver Berg

Hannover. Demnach sind die Opfer meistens Frauen, die Täter jugendliche Hauptschüler.

Es geht aber auch in die andere Richtung: Bei der Veranstaltung in der Gerhart-Hauptmann-Realschule präsentierte Marie Christine Bergmann vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen eine Studie aus dem Jahr 2015, in der rund 30 Prozent der befragten 10 000 Neuntklässler angegeben hatten, dass sie von Lehrern im vergangenen halben Jahr lächerlich gemacht und in der Klasse bloßgestellt worden seien. „Gewalt erzeugt Gegengewalt“, sagt Bergmann. Wer glaube, dass sich sein Lehrer nicht für einen interessiere, und merke, dass der Lehrer bei Konflikten in der Klasse nicht dazwischengehe, sei leichter geneigt, gewalttätig zu werden. „Schüler wollen gesehen werden“, sagt Bergmann. Hinzu käme bei Schülern mit einem hohen Aggressionspotenzial die eigene Unfähigkeit, sich zu beherrschen und mit Frust umzugehen. Viele Gewalttäter hätten von ihren Eltern früher zu wenig Zuwendung bekommen.

„Wenn Kinder die Erfahrung machen, dass man sich nur um sie kümmert, wenn sie schreien oder einen Wutausbruch haben, dann setzt sich das bei ihnen fest“, meinte auch der Psychotherapeut Uwe Brandes vom Winnicott-Institut. Die Erziehungskompetenz der Eltern sinke rapide. Eine Erfahrung, die auch Grundschullehrer Harald Haupt bestätigen kann: „Wenn ich bei einem Elternabend für Eltern von Erstklässlern sage, dass Kinder vor der Schule morgens nicht fernsehen oder mit Handy und Tablet spielen sollen und dass sie Frühstück brauchen, wird es auf einmal ganz ruhig im Raum.“

Weil der Staat spare, werde auch immer weniger Geld in Hilfe gesteckt, sagte Psychotherapeut Brandes. Für den Kommunalen Sozialdienst (KSD) der Stadt wollte das Susanne Frischen nicht gelten lassen. „Wir haben die finanziellen Mittel immer weiter aufgestockt, und wir bemühen uns, schnell zur Stelle zu sein, wenn wir angefordert werden.“

Lehrer von der Gerhart-Hauptmann-Schule haben andere Erfahrungen gemacht. Oft seien Mitarbeiter tagelang nicht erreichbar, Ankündigungen, dass man Familien zu Elternabenden oder Klassenkonferenzen begleiten werde, würden nicht eingelöst, sagte eine Pädagogin. Selbst in Notfällen dauere es Monate, mitunter Jahre, bis der KSD handle.

Frischen verwies darauf, dass es oberstes Ziel sei, gemeinsam mit den Eltern Lösungen zu finden. „Das ist ein mühsamer Weg, und das kann dauern.“ Kinder gewaltsam aus den Familien zu holen versuche man zu vermeiden. Und obendrein würde dies von vielen Familienrichtern auch abgelehnt.

Physische Gewalt bleibt die Ausnahme

Körperliche Attacken selten: Nur 0,4 Prozent der Lehrer gaben gegenüber dem Kriminologischen Forschungsinstitut an, dies erlebt zu haben. An der Gerhart-Hauptmann-Realschule war Anfang des Jahres ein Lehrer von einem Siebtklässler bedrängt worden. Der Junge hatte bereits zuvor einen Mitschüler angegriffen. Er war erst kurze Zeit an der Schule, hatte schon mehrere Suspendierungen hinter sich. Als er auch von der Gerhart-Hauptmann-Schule verwiesen werden sollte, lehnte die Landesschulbehörde das ab. Das Kollegium habe sich von der „Behörde im Stich gelassen gefühlt“, sagte Personalrätin Silke Schierkolik. Weil der Schüler blieb, entschied sich der angegriffene Lehrer zu gehen. Seitdem hat die Schule keinen Physiklehrer mehr. Ersatz ist nicht in Sicht.
Klare Kante zeigen, rät Psychotherapeut Uwe Brandes betroffenen Lehrern: „Sofort die Polizei rufen und den Täter des Geländes verweisen.“ Jugendliche müssten Konsequenzen ihres Handelns spüren.

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