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Aus der Stadt Darüber wurde in Hannovers Stunk-Sitzung gelacht 
Hannover Aus der Stadt Darüber wurde in Hannovers Stunk-Sitzung gelacht 
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00:17 08.02.2018
Ungewohntes Duo bei der Stunk-Sitzung: Matthias Brodowy und Bettina Wulff. Quelle: Florian Petrow
Hannover

 Stunk ist, wenn lautstark Kritik geübt wird und trotzdem alle was zu lachen haben. Während es im Vorjahr bei Hannovers erster Stunk-Sitzung noch etwas mau zuging, so haben die Organisatoren um Narren-Chef Martin Argendorf im zweiten Jahr kräftig zugelegt und zugelangt. Das Publikum im ausverkauften GOP honorierte es am Montagabend mit kräftigem Applaus und viel Geschunkel. 

Bei der zweiten Stunk-Sitzung der Karnevalisten im GOP in Hannover stand sogar die ehemalige First-Lady Bettina Wulff auf der Bühne und sang.

Vielleicht war es ganz gut, dass Oberbürgermeister Stefan Schostok abgesagt hatte, er kam am schlechtesten weg. Auf der Bühne, wo beim improvisierten Kasperle-Theater Amtsvorgänger Stephan Weil als schlauer Fuchs brillieren durfte, wurde der OB von einem gerupften Huhn dargestellt, an dem sogar das dumme Schaf (das Wahlvolk) zweifelt. Zu zaudernd scheint Schostoks Versuch, den umstrittenen Dezernenten Harald Härke loszuwerden, zu lahm sein Agieren bei brennenden Themen wie Fahrverboten, zu inkonsequent sein Verhalten gegenüber der Opposition, Stichwort Brunnenvergiftung. Da musste er gleich auch noch für die Versäumnisse seiner Vorgänger wie schlechte Brückensanierungen mithaften oder für die D-Linienentscheidung. 

An Themen für eine Stunk-Sitzung nach Kölner Vorbild, man ahnt es, mangelt es in Hannover derzeit nicht.  Ein Abfallwirtschaftsbetrieb, der seine Kunden als Sackgesichter beschimpft, die Üstra-Vorstandsaffäre, ein regionales Busunternehmen, das seine Busse immer dahin schickt, wo kaum einer fahren will. „Früher saßen die Bekloppten in Ilten oder Wahrendorff, heute sitzen sie im Rathaus“, polterte Argendorf: „Hannover geht am Schos-Stock.“ Das gab Lacher – auch wenn der OB weder für den Abfall noch für die Üstra oder Regiobus verantwortlich ist. 

Ko-Moderatorin Laura Zacharias von Radio Hannover prangerte an, dass in Hannover historisch-bedeutende Bausubstanz verschwunden ist, als 2017 die Maschmeyer-Villa abgerissen wurde: „Hier wurde Schröder zum Kanzler, hier wurde die Riester-Rente geboren, hier wurde Veronika Ferres zur Frau – und Christian Wulff zum Mann.“ 

Eine, die Letzteres hätte dementieren können, kam kurz darauf selbst auf die Bühne. Bettina Wulff sang gemeinsam mit Kabarettist Matthias Brodowy sein Hannover-Lied (“Liebe auf den dritten Blick“), das aber um Passagen zum Ihme-Zentrum, zur D-Linie und zum Expo-Gelände ergänzt war. Schließlich muss bei einer Stunk-Sitzung auch eine Prise Hässlichkeit mitschwingen. Aber welche Stadt hat so etwas schon: Eine ehemalige First Lady, die bei einer Karnevals-Persiflage auf der Bühne mitsingt?

Die stimmungstötenden 96-Ultras bekamen ebenso ihr Fett weg wie Kulturdezernent Harald Härke, der mit seiner Lebensgefährtin Nima Moraghebi gekommen war und sichtlich Spaß hatte. Es gab rasante Schwarzlicht-Tanzeinlagen und lokalpatriotische Musik, etwa den Calenberger-Pfannenschlag-Song von Herbert Royal (“optisch wie erbrochen, und das auch schon seit Wochen“). Streckenweise hatte das Programm im zweiten Teil etwas Längen, aber das darf bei einer gut zweistündigen Veranstaltung auch sein. Brodowy brillierte dafür mit dem ersten Jahresrückblick für 2018, in dem er etwa gestand, dass er sich eine Waage mit VW-Software gekauft habe: „Da wiege ich jetzt immer 76 Kilo.“ 

Den obligatorischen Stunk-Orden für besonders abscheuliches Verhalten erhielt am Schluss einer, den jeder in Hannover kennt: der rote Ampelmann. Kabarettist Brodowy monierte in seiner launigen Laudatio, dass der ihm stets rote Wellen beschere – egal, ob er mit dem Auto oder mit dem E-Bike unterwegs sei. Tusch!

Die Stunk-Sitzung wird am Rosenmontag wiederholt, dann will OB Schostok dabei sein. Die Veranstaltung ist aber auch zu dem Termin bereits ausverkauft. 

Von Conrad von Meding

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