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Aus der Stadt Sturm weht Dixiklo auf Auto
Hannover Aus der Stadt Sturm weht Dixiklo auf Auto
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22:07 30.12.2015
Von Michael Zgoll
Symbolbild Quelle: Behrens
Hannover

Es ist gut ein Jahr her, dass einem Vahrenwalder Autobesitzer eine wenig weihnachtliche Überraschung widerfuhr: Ein mobiles Dixiklo lag auf der Kühlerhaube seines am Straßenrand geparkten Nissan Micra, im rechten Kotflügel gab’s eine Beule. Da an jenem Tag Windstärke 9 herrschte, laut Beaufort-Skala als „Sturm“ eingestuft, lag der Gedanke nahe, dass eine Böe die Behelfstoilette auf seinen Wagen geworfen hatte. Doch der im Lippischen angesiedelte Mietservice weigerte sich, dem Vahrenwalder die Reparaturkosten in Höhe von 490 Euro zu zahlen. Möglicherweise hätten Jugendliche das Dixiklo aufs Auto geworfen, und zudem sei der Mieter der mobilen Örtlichkeit – ein Malerbetrieb – für die Sicherheit der Box zuständig. Am Amtsgericht allerdings verfing diese Argumentation nicht: Der Mietservice muss zahlen.

Abgestellt hatte der Firmenfahrer das anrüchige Häuschen im Moorkamp bereits Anfang Dezember. Einmal pro Woche kam der Mann vorbei, um sauber zu machen, Brauchwasser abzupumpen und Frischwasser aufzufüllen. Wie sich in der Zivilgerichtsverhandlung unter Leitung von Rechtsreferendarin Isabell Würfel herausstellte, war das ursprünglich am Straßenrand aufgestellte Dixiklo in dieser Zeit bereits um mehrere Meter auf den Bürgersteig gewandert – warum auch immer. Am 22. Dezember dann kam es zu der ungewöhnlichen Karambolage; zur Demonstration, wie der Abort auf dem Auto gelegen hatte, bemühte das Gericht ein Modellauto und eine Packung Papiertaschentücher.

Keine Anhaltspunkte für Randalierer

Schon in den Tagen zuvor hatte ein Sturm Bauzäune umgeweht, Ziegel von Dächern geblasen und Äste von Bäumen abgeknickt. Die Polizisten, die die Behelfstoilette an jenem Montagnachmittag vom Nissan entfernten, wunderten sich, wie leicht sie war. „Wir konnten das Klo fast schon mit zwei Fingern beiseiteschieben“, sagte ein Beamter. 80 Kilo wiegt solch eine mobile Entsorgungseinrichtung gewöhnlich, „nach einer Woche Standzeit aber mehr“, wie der Fahrer des Mietservice kundtat. So hielt der federführende Richter Reinhard Wiehe in der Urteilsbegründung fest, dass Gewicht und Ausmaße eines 2,35 Meter hohen Dixiklos ein „Umkippen durch Wind“ durchaus möglich erscheinen lassen.

Für die Behauptung, dass randalierende Jugendliche die Box auf den Nissan geschubst hätten, gebe es keinerlei Anhaltspunkte. Und die Verantwortung auf die Malerfirma zu schieben, die in benachbarten Gebäuden Treppenhäuser renovierte, sei auch nicht zulässig: „Eine konkrete Absprache mit dem namentlich nicht benannten Mieter des Toilettenhäuschens zur Übernahme der Verkehrssicherungspflichten“ habe die Aufstellerfirma nicht belegt.

Fazit des Gerichts: Auch wenn es keine DIN-Normen oder Verwaltungsvorschriften gibt, wie ein Dixiklo zu sichern ist, sei der Betreiber für dessen Standfestigkeit verantwortlich. Insbesondere an stürmischen Tagen müsse er die Sicherheit im Blick haben, könne die Mobilbox ja beispielsweise durch Gewichte – etwa Backsteine – beschweren oder in einer geschützten Ecke aufstellen. Doch weil all das unterblieben sei, so Reinhard Wiehe, müsse der Mietservice dem Autofahrer nun die geforderten 490 Euro erstatten.

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