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Stadtbahnkunde verklagt die Üstra

Sturz nach Notbremsung Stadtbahnkunde verklagt die Üstra

Im vergangenen Jahr gab es bei den noch recht frischen Stadtbahnzügen der Modellreihe TW 3000 technische Probleme der spürbaren Art: Immer wieder kam es zu Notbremsungen, die nicht von den Fahrern ausgelöst worden waren und die völlig grundlos erfolgten. Jetzt fordert ein gestürzter Kunde Schmerzensgeld.

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Eine Straßenbahn der Üstra fährt am Döhrener Turm in Hannover  vorbei

Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Ein Kunde, der gestürzt war, hat die Üstra nun auf Zahlung von 1000 Euro Schmerzensgeld verklagt. Gestern fand der zweite Verhandlungstermin am Amtsgericht statt. Der Wirtschaftsprüfer stand an einem Junivormittag 2015 in einem Zug der Linie 7, der sich am Lister Platz Richtung Innenstadt in Bewegung setzte. Durch eine Vollbremsung noch innerhalb der Station stürzte der Geschäftsführer einer Steuerberatungsgesellschaft zu Boden und fiel auf den Rücken. Eine Woche war er krankgeschrieben – „schleppte sich“ aber laut eigener Darstellung zur Arbeit. Spritzen gegen die Steißbein- und Rückenprellungen halfen nicht, erst ein paar Tage später vom Arzt verabreichte Tropfen taten ihre Wirkung.

Laut den Beförderungsbedingungen der Üstra ist jeder Fahrgast „verpflichtet, sich im Fahrzeug stets einen festen Halt zu verschaffen, der auch im Falle einer Gefahrenbremsung ausreichend sein muss“. Der Steuerberater sagte vor Gericht, er habe zum Zeitpunkt der Bremsung mit einer Hand seinen Fahrschein entwertet, in der anderen seine Notebooktasche gehalten. Die Stadtbahn sei gerade erst angefahren – und bereits einen bis zwei Meter nach dem Start wieder zum Stehen gekommen. Die Fahrerin bestätigte das überraschende Bremsmanöver, meinte aber, dass ihr Zug bereits 100 Meter zurückgelegt habe. Sicher ist, dass der Kunde an der Station Kröpcke zur Fahrerkabine humpelte und von seinem Sturz berichtete. Das Angebot, sofort einen Arzt zu rufen, lehnte er jedoch ab.

Der TW 3000 hat drei Bremssysteme. Eines davon, die Magnetschienenbremse, war bis ins Jahr 2016 hinein störanfällig. Inzwischen habe der verantwortliche Hersteller den Softwarefehler aber beseitigt, sagte Üstra-Pressesprecher Udo Iwannek auf Nachfrage der HAZ. Von den Kunden, die infolge der Notbremsungen gestürzt seien, hätten sich sieben bei der Üstra gemeldet. Diese habe das Unternehmen auf dem Kulanzweg entschädigt.

Auch der Steuerberater hatte von der Üstra 200 Euro angeboten bekommen, diesen Betrag aber als nicht ausreichend erachtet. Der Aufprall sei immerhin so heftig gewesen, dass der Metallrahmen seiner Notebooktasche an einer Haltestange verbeult wurde. Bei einem ersten Verhandlungstermin hatte der Richter dem Kläger grundsätzlich 600 Euro Schmerzensgeld zugebilligt. Da sich der Geschäftsmann aber nicht festgehalten habe, treffe ihn eine Mitschuld – was seine Schadensersatzansprüche halbiere. Dieses Vergleichsangebot hatte der Kläger im Nachhinein abgelehnt.

Gestern signalisierte der Richter dem Fahrgast, dass er auch vom Ende November erwarteten Urteilsspruch kaum mehr zu erwarten hat als die bislang per Vergleich angebotenen 300 Euro.

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