Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Zwei Jahre nach Start

Suchtfachklinik auf dem Kronsberg zieht positive Bilanz

Von Veronika Thomas

Zwei Jahre nach dem Start der Suchtfachklinik auf dem Kronsberg hat sich der Betrieb nach Anfangsproblemen eingespielt. Die Verwantwortlichen ziehen deshalb eine positive Bilanz.
Positive Bilanz: Klinikleiter Frank Siegele setzt auf die Mitarbeit der Patienten.

Positive Bilanz: Klinikleiter Frank Siegele setzt auf die Mitarbeit der Patienten.

© Martin Steiner

Auf dem Gelände der Fachklinik am Kronsberg herrscht reger Betrieb. Draußen sind ein Dutzend Männer trotz Kälte damit beschäftigt, die Scheiben beim Bogenschießen zu treffen. Obgleich alle mit Spaß bei der Sache sind, ist es kein Freizeitvergnügen, sondern Teil der Drogentherapie – mit dem Ziel, die eigene Mitte zu finden und sich auf das Wesentliche einzulassen. Drinnen wird im großen Gemeinschaftsraum gemalt, ebenfalls mit einem therapeutischen Ansatz. „Alle Menschen sind begabt“, lautet das Credo von Kunsttherapeutin Kristin Metz. In einem anderen Raum wiederum geht es praktischer zu. Dort erstellen Patienten der Klinik beim EDV-Training ihren Lebenslauf.

Zwei Jahre nach der Eröffnung der Einrichtung im Februar 2008 hat sich die Arbeit auf dem Kronsberg eingespielt. Seinerzeit waren zunächst 46 Männer und Frauen aus den therapeutischen Gemeinschaften Steyerberg, Völksen und der Wedemark sowie aus der Tagesklinik Grazer Straße in die vergleichsweise große Fachklinik mit insgesamt 102 Plätzen – inklusive 32 tagesklinischen Plätzen – auf den Kronsberg gezogen. Die kleinen, dezentral gelegenen Gemeinschaften mit jeweils 25 Plätzen erfüllten die Anforderungen an eine moderne, stationäre Drogentherapie nicht mehr. An die Stelle der klassischen Langzeittherapie sind inzwischen moderne Konzepte getreten, deren wichtigstes Ziel die berufliche und soziale Wiedereingliederung der Betroffenen ist. Die Behandlungsdauer beträgt heute nur noch zwischen vier und 26 Wochen – statt zwei bis drei Jahren in den kleinen Einrichtungen. Das Durchschnittsalter der Patienten liegt bei 34,6 Jahren. Damit haben sie gute Chancen, noch viele Jahre Beiträge in die Rentenversicherung einzuzahlen.

Ein individuell ausgerichtetes Betreuungskonzept ermöglichst die deutlich verkürzten Betreuungzeiten. „Wir können heute für jeden Patienten eine ganz auf ihn zugeschnittene Therapie anbieten“, sagt Klinikleiter Frank Siegele. „Ein junger Cannabisabhängiger zum Beispiel hat andere Bedürfnisse an eine Therapie als ein älterer Alkoholkranker.“ Seit Bestehen der Fachklinik, deren Träger die Step GmbH unter dem Dachverband des Paritätischen Niedersachsen ist, wurden 742 Patienten aufgenommen, davon waren 21 Prozent Frauen und 79 Prozent Männer. Ihnen wird nach einem neuen Konzept auch bei verschiedenen Suchtformen eine gemeinsame Therapie angeboten: Alkohol- und Medikamentenabhängige sowie Suchtkranke, die illegale Drogen wie Cannabis, Heroin oder Kokain konsumieren, erhalten eine Betreuung unter einem Dach. Bisher haben 190 Alkohol- und Medikamentenabhängige sowie 552 Konsumenten illegaler Drogen im Alter zwischen 18 und 60 Jahren auf dem Kronsberg eine Therapie absolviert. 80 Prozent von ihnen haben durchgehalten, 74 Prozent konnten planmäßig entlassen werden.

„Wir arbeiten auch mit dem Rückfall“, erklärt Siegele. Sucht sei eine Rückfallerkrankung. „Egal, was passiert, jeder Patient erhält die Chance, wiederzukommen und weiterzumachen.“ Vorausgesetzt, die Klinikregeln werden eingehalten. Dazu gehören Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, das Wahrnehmen sämtlicher Termine – und natürlich der Wille, an der Ursache für einen Rückfall zu arbeiten. „Die Klinik ist ein seriöser Partner“, betont Jan Miede, stellvertretender Geschäftsführer der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover (DRV), die fast 60 Prozent aller Suchttherapien auf dem Kronsberg finanziert. Und er ergänzt: „Der Anteil der disziplinarischen Entlassungen hat sich seit dem Vorfall vom März 2009 nicht erhöht.“ Mit dem „Vorfall“ meint Miede die Vorgänge vor einem Jahr, als die Fachklinik wegen Drogenhandels in die Schlagzeilen geraten war. Der Vater eines Suchtabhängigen hatte der Einrichtung vorgeworfen, dieser habe Zugang zu harten Drogen erhalten und sei während seiner Therapie rückfällig geworden. Von einer offenen Drogenszene auf dem Kronsberg war die Rede.

Die Klinik reagierte mit scharfen Kontrollen, ein paar Monate zuvor schon war ein Wachdienst eingestellt worden. Heute wird das weitläufige Klinikareal zusätzlich von Kameras überwacht, eine Schranke verhindert, dass Unbefugte auf das Gelände fahren können, Urin- und Bluttests von Patienten gehören zum Alltag. „Diese Erfahrungen sind in der Pionier- und Aufbauphase einer Einrichtung dieser Größenordnung ganz normal“, erklärt der Klinikleiter. Die Anlaufschwierigkeiten seien längst überwunden. „Jede Klinik wie diese braucht eine zweijährige Anlaufphase, um ihr Konzept nachzusteuern“, sagt Siegele. Der Betrieb laufe nun richtig gut.

Für jeden Patienten erstellt die DRV ein individuelles Profil, ehe er eine Einweisung in die Fachklinik auf dem Kronsberg oder eine andere Einrichtung erhält. Eine Vielzahl von Gruppenangeboten ermöglicht jedem Abhängigen ein passgenaues Programm – von der Bewegungstherapie mit Nordic Walking, Schwimmen und Ballsport bis zum Zirkeltraining. Es gibt eine Lehrküche mit Ernährungsberatung, Raucherentwöhnungskurse, Konzentrationstraining, Arbeitstherapien und Praktika. In weiteren Trainings geht es etwa um Rückfallprophylaxe, Selbstsicherheit, Körperwahrnehmung und Berufswegeplanung.

„Dieses vielschichtige Angebot wäre in den kleinen therapeutischen Gemeinschaften nicht zu realisieren gewesen“, sagt Heiner Peterburs, der langjährige Geschäftsführer der Step GmbH. Ebenso wenig wie die intensive medizinische Versorgung der Patienten, die außer an ihrer Suchtkrankheit häufig unter Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ADHS leiden – aber auch unter den Folgen ihrer jahrelangen Sucht. Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes, Gicht oder Erkrankungen von Leber und Bauchspeicheldrüse sind bei den Patienten nicht selten.

Ziel der Therapie sei es daher auch, die Patienten zu „Spezialisten“ für sich und ihren Körper zu machen, damit sie künftig besser mit ihm umgehen können, sagt die leitende Klinikärztin Ilona Lojewski. Ein Ansatz, der offenbar fruchtet. „Die meisten unserer Patienten hätten das Therapiekonzept angenommen. „Sie wissen, dass sie initiativ werden müssen, um ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen“, betont Siegele.

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel
  • wer suchet der findet ... piratin – 25.02.10
    weil es nicht im metatag steht ... such doch nach klinik am kronsberg ;)
  • Suchtklinik Hannoveraner – 24.02.10
    Gibt man bei google "Kliniken in Hannover" ein, erscheint diese Klinik nicht. Warum?

Meistgelesene Hannover-Artikel

Anzeige

Videos aus Hannover

Kennen Sie Hannover?

Hannover von oben: Das neue Rathaus.

Aus der Vogelperspektive sehen bekannte Orte ganz anders aus. Wie gut kennen Sie Hannover? Testen Sie Ihr Wissen in unserem Bilderrätsel.

Tipp für Vereine: Homepage aktuell halten

myheimat - Das Mitmachportal der Heimatzeitungen in HAZ und Neuer Presse

Viele Vereine kennen das Problem: Die eigene Internetseite ist veraltet, weil die Zeit dafür fehlt. Mit dem Mitmachportal unserer Zeitung lassen sich Pressearbeit und Pflege der Vereinshomepage in einem Schritt erledigen.

Anzeige

Welcher Stadtteil ist gemeint?

Stadtteilrätsel

Wie gut kennen Sie Hannover? Woche für Woche präsentieren wir Ihnen an dieser Stelle ein neues Rätsel. Beantworten Sie die Fragen und schicken Sie das Lösungswort an die Redaktion. Viel Spaß beim Rätseln!

Hannover in Zahlen

Hannover in Zahlen
  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 521.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
    30159 Hannover
    Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stephan Weil (SPD)


Top