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Aus der Stadt Zwischen Zorn und Zustimmung
Hannover Aus der Stadt Zwischen Zorn und Zustimmung
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00:23 29.08.2015
Von Michael Zgoll
„Super sauber“ oder „dreckig und verlottert“? Nicht nur über den Zustand des Protestcamps gehen die Meinungen der Anlieger weit auseinander. Quelle: Ditfuth
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Hannover

Doch die Anwohner und Geschäftsleute rund um den Platz, haben die Einwände? Nun, wo endgültig klar ist, dass der jüngst von den Flüchtlingen angekündigte Rückzug vom Tisch ist? „Man sollte das Lager abreißen, das ist doch eine Schande“, schimpft eine 83-jährige Rentnerin, die vis-à-vis in der Bar-Celona einen Kaffee trinkt. „Uns und unsere Kundschaft stört das Camp überhaupt nicht“, gibt sich der Kellner einer nahen Cocktailbar ganz locker. Damit ist nur eines klar: Man ist sich nicht einig.

Selbst der Zustand des Lagers wird unterschiedlich wahrgenommen. „Es sieht dort dreckig und verlottert aus“, meint eine Geschäftsfrau aus einem Hörgeräteladen. „Das Camp ist super sauber, die Bewohner haben neulich sogar Blumen gepflanzt“, erklärt eine junge Frau aus der Nachbarschaft.

Fakt ist, dass die Zelte keine Zierde sind. Doch aufgeräumt ist das Lager der Langzeitdemonstranten durchaus. Inwieweit man es als störend empfindet, dass neben der Kochstelle ein paar Wasserkanister liegen oder ein Einkaufswagen herumsteht, liegt im Auge des Betrachters. Vielleicht stoßen sich manche Menschen aber auch eher an den Transparenten zwischen den Zelten. „Wir bleiben, bis wir unsere Rechte bekommen“, verkündet ein Banner – eine versteckte Drohung? „Aufenthaltsgewährung und Arbeitserlaubnis für sudanesische Flüchtlinge“, heißt es auf einem Plakat – wollen das wirklich alle? Mehrere Gruppen von Schwarzafrikanern sitzen an diesem sonnigen Nachmittag zusammen, lachen, diskutieren, schweigen. Die Sorgen der Flüchtlinge kann man nur erahnen.

Fragt man die Geschäftsleute im weiten Eck des Weißekreuzplatzes, wie ihre Kundschaft auf das Protestcamp reagiert, gibt es nur in einem Punkt Übereinstimmung: Die Flüchtlinge aus Afrika sind friedlich. Sie belästigen niemanden, betteln nicht, liefern sich – anders als die benachbarten Trinker – keine lautstarken Auseinandersetzungen.

„Aber trotzdem werden wir ständig von Kunden angesprochen, die das Lager stört und die wissen wollen, warum die Stadt nichts dagegen unternimmt“, berichtet Wiebke Große, langjährige Verkäuferin in der Sonnen-Apotheke. In den meisten Bars und Läden rundherum geht die Kundschaft aber recht gelassen mit dem Camp um, im Spielzeugladen Fridolin wie in Optikergeschäft, Cocktailbar oder Eckcafé. Vielleicht sähen Jüngere das Ganze auch entspannter als Senioren, vermutet eine Verkäuferin. Eher fatalistisch äußert sich Bar-Celona-Geschäftsführer Jens Karrasch: „Das Camp ist genehmigt, sie Sache ist rechtskonform, also nehmen wir das hin.“ Dass sie der fortdauernde Protest der Schwarzafrikaner nicht sonderlich stört, sagt auch Kristine Schrader, Chefin des Tao-Buchladens: „Man hat sich dran gewöhnt.“

Wie stehen Sie zum Camp am Weißekreuzplatz?

Rudolf Schwenger (65), Inhaber Fridolin: „Ich fände es gut, wenn die Flüchtlinge ihre Zelte abbrechen. Ihre Botschaft haben wir durchaus verstanden, aber jetzt macht das Camp keinen Sinn mehr.“

Silke Walter (45), Inhaberin Sonnen-Apotheke: „Die Flüchtlinge stellen Forderungen, die Sache des Bundes, nicht der Stadt sind. Darum habe ich kein Verständnis mehr für den Protest vor unserer Tür.“

Torsten Wurlitz (29), Student und Anlieger: „Ich habe bisher nur positive Erfahrungen mit dem Protestcamp gemacht. Es ist doch völlig legitim, dass die Flüchtlinge aus dem Sudan für ihre Rechte eintreten.“

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