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Ärger über Flüchtlingscamp wächst

Sudanesen wollen bleiben Ärger über Flüchtlingscamp wächst

Der Protest der Sudanesen am Weißekreuzplatz soll noch Monate weitergehen, Anwohner reagierten auf die Ankündigung genervt. Die Sudanesen, die seit Mai 2014 ihre Zelte auf dem Platz aufgeschlagen haben, treten unter anderem für eine schnellere Bearbeitung der Asylverfahren ein.

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Protest um des Protestes willen? Die Sudanesen am Weißekreuzplatz wollen bleiben, bis ihre Forderungen erfüllt sind, – auch wenn diese in Berlin entschieden werden, nicht in Hannover.

Quelle: Körner

Auf die Ankündigung der Sudanesen, ihr Protestcamp auf dem Weißekreuzplatz doch noch weiterzuführen, reagieren viele Anwohner und Geschäftsinhaber mittlerweile genervt. „Das dreht sich alles im Kreis“, sagt Silke Walter, Inhaberin der Sonnenapotheke: „Wenn die Forderung der Flüchtlinge in den vergangenen 14 Monaten nicht ausreichend gehört worden sind, welchen Sinn macht es denn, hier weitere acht Monate zu protestieren?“ Zumal viele der Forderungen gar nicht in Hannover entschieden werden könnten, sondern Bundessache seien. Noch vor zwei Wochen hatten die damaligen Sprecher der Flüchtlinge bekannt gegeben, den Platz bis Ende August räumen zu wollen. Heute will sich die Polizei mit der neuen Camp­leitung treffen.

Die Sudanesen, die seit Mai 2014 ihre Zelte auf dem Platz aufgeschlagen haben, treten für eine schnellere Bearbeitung der Asylverfahren, für eine generelle Arbeitserlaubnis und ein Bleiberecht für sudanesische Flüchtlinge ein, zudem solle Deutschland die Zusammenarbeit mit der Regierung im Sudan einstellen. „Viele warten hier zwei, drei Jahre, ob sie bleiben dürfen, das dauert viel zu lange“, sagt ein junger Mann, der selbst nicht in Hannover, sondern in einem anderen Ort in Niedersachsen lebt, aber seit einem Jahr ins Camp kommt. „Dieses Warten ist nicht gut.“

"Muss es in dieser großen Form sein?"

Eine Anwohnerin ist gekommen, um den Flüchtlingen zu sagen, „dass es so nicht weitergeht“. Es sei an der Zeit, das Camp aufzugeben, damit der Platz wieder von den Bürgern im Viertel genutzt werden könnte – zum Sonnen oder von Kindern zum Spielen. Das Gespräch zwischen der Frau und den Campbewohnern dauert nur wenige Minuten.

Eine junge Mutter, die mit ihrer Tochter vor einem Spielzeuggeschäft steht, erzählt, dass sie den Platz mit der Vierjährigen inzwischen meide. Aber deutlich mehr als die Sudanesen störten sie die Trinker im hinteren Teil des Platzes. Auch andere Anwohner beschweren sich über „herumpöbelnde, alkoholtrinkende Obdachlose“. An einer Seite Protestcamp, an der anderen Seite Trinkertreff – es sei eine Schande, wie die Stadt diesen zentralen Platz hinterm Bahnhof verkommen lasse, meint eine Rentnerin. „Es ist kein Wunder, dass ein Platz, der vorn wenig einladend ist, dies auch im hinteren Teil nicht ist“, sagt Dirk Eberitzsch, Vorsitzender des Vereins Aktion Lister Meile. Es sei schade, dass der Weißekreuzplatz nicht mehr wie früher zum Picknick, Boule- oder Schachspielen genutzt werde. Gegen eine Fortsetzung des Protests der Flüchtlinge hätten die Geschäftsleute nichts, auch wenn sie eine Auflösung bevorzugt hätten: „Aber muss es in dieser großen Form sein? Reichen nicht ein Zelt und ein Infostand?“

Sudanesen sprechen heute mit Polizei

Die Ankündigung der sudanesischen Flüchtlinge, das Protestcamp trotz anders lautender Ankündigungen weiter zu betreiben, kam auch für die Polizei überraschend. Am Sonntag, einen Tag nach der offiziellen Pressekonferenz der Flüchtlinge, hatte sich dort noch niemand gemeldet. Heute aber ist ein Treffen zwischen der Polizei als Genehmigungsbehörde und den neuen Leitern des Camps auf dem Weißekreuzplatz geplant.

„In diesem Rahmen wollen wir herausfinden, wie sich die Flüchtlinge die Zukunft ihrer Demonstration vorstellen“, sagt Polizeisprecher Thorsten Schiewe. Die Abwahl der alten Versammlungsleiter und Installation einer neuen Leitung sieht man bei der Behörde unkritisch. „Gerade bei so langen Demonstrationen ist es durchaus möglich, dass die Ansprechpartner für uns wechseln“, sagt Schiewe. jki

Hans G. Bock vom gleichnamigen Einrichtungshaus an der Friesenstraße sieht die Stadt in der Pflicht: „Die muss jetzt endlich eine Lösung schaffen.“ Es gibt Gastronomen und Geschäftsinhaber, die von zurückgehenden Kundenzahlen berichten, seitdem das Camp besteht. Es gibt auch solche, die mit einem Achselzucken reagieren: „Das stört uns nicht.“ Eine Anwohnerin drückt es so aus: „Das Camp ist schon Normalität, warum es da ist, interessiert keinen mehr.“

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