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Aus der Stadt Superintendent Heinemann will die Kirche verändern
Hannover Aus der Stadt Superintendent Heinemann will die Kirche verändern
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07:41 12.03.2010
Von Thorsten Fuchs
Der neue Superintendent von Hannover, Hans-Martin Heinemann. Quelle: Michael Thomas

Es war kein gezielter Schuss, aber ein Treffer. Hans-Martin Heinemann trat beherzt gegen den Ball, dessen Flugbahn allerdings ausgerechnet an einer Lampe der Athanasius-Kirche endete – die Scherben fielen klirrend zu Boden. Während des Kirchentages 1983 in Hannover trug sich dieses Missgeschick zu. Seit Mittwoch Abend steht fest: Es hat seiner Karriere zumindest nicht geschadet.

Der 58-jährige Wiesbadener verdankt sein neues Amt als hannoverscher Stadtsuperintendent nicht dem späten Geständnis einer Kirchenbeschädigung – wohl aber auch dem engen Hannover-Bezug, den er unter anderem mit solchen Anekdoten belegt. Mit 40 zu 22 Stimmen haben die Delegierten des Stadtkirchentags Heinemann im zweiten Wahlgang zum neuen Oberhaupt des Evangelisch-lutherischen Stadtkirchenverbands gewählt. Überraschend eindeutig haben sie dem Leiter des Evangelischen Dekanats Wiesbaden den Vorzug gegeben gegenüber seinem Konkurrenten, Pastor Bernd Schwarze aus Lübeck – und damit auch seine Kenntnis und glaubhafte Begeisterung für die Stadt honoriert.

„Hannover hat einen Platz in meinem Herzen“, sagte er am Donnerstag bei einer Vorstellungs-Pressekonferenz, und dieses Bekenntnis darf man wörtlich nehmen. Hier, vor der Marktkirche, hat er 1985 seine Frau Edeltraut Glänzer kennengelernt, eine Hannoveranerin. Mit Hannover verbindet er außerdem prägende kirchliche Erlebnisse, nicht nur den Kunstschuss gegen die Lampe: Als Wiesbadener Stadtjugendpfarrer organisierte er beim Kirchentag 1983 in der Athanasiuskirche mit seinem hannoverschen Stadtjugenddienstkollegen Walter Lampe und 60 Ehrenamtlichen vier Tage lang den Gute-Nacht-Treff.

„Eine starke evangelische Stadt“: Dieser Eindruck sei ihm aus jener Zeit in Erinnerung geblieben. Seit fünf Jahren gibt es auch wieder einen aktuellen, wenn auch indirekten Hannover-Bezug: Seit ihrer Wahl in den IG BCE-Hauptvorstand arbeitet seine Frau wieder hier. Heinemann führte mit dem 15-jährigen Sohn (der gegen den Umzug mächtig rebelliert) zuletzt während der Woche einen gemeinsamen Männerhaushalt.

Trotz des vielen Lobs für die kirchliche Landschaft in Hannover hat Heinemann aber auch Reformbedarf erkannt. „In der Konzentration der Strukturen sind wir in Wiesbaden weiter“, antwortete er auf die Frage, was Hannover von seiner bisherigen Wirkungsstätte lernen kann. Aus seinem Tonfall lässt sich schließen, dass er entschlossen ist, Veränderungen auch in Hannover bald anzuregen, und zwar möglichst ohne die Betroffenen dabei zu verprellen: „Wir müssen die Menschen in den anstehenden Prozessen fordern, aber sie auch mitnehmen.“ Heinemann hat in Wiesbaden viel Erfahrung mit Umbrüchen gesammelt – und wohl nicht erst nach den Gesprächen über Gemeindefusionen und Kirchenabrisse in Hannover gelernt: „Wir müssen Trauerprozesse ernst nehmen.“

Reformfreudig und rücksichtsvoll nach innen, selbstbewusst und meinungsstark nach außen: So will Heinemann den Stadtkirchenverband mit seinen 210 000 Mitgliedern führen. Sich einzumischen in öffentliche Debatten und den Kontakt auch zu Vereinen, Parteien und Unternehmen zu suchen, alles das hat Heinemann als Ziel benannt.

Voraussichtlich am 1. Juni wird Heinemann sein Amt antreten, bis dahin führt noch Superintendent Thomas Höflich kommissarisch die Geschäfte. Für den 20. Juni ist ein Festgottesdienst in der Marktkirche für den Stadtsuperintendenten geplant. Auf einen allseitigen Schmusekurs sollte trotz seines freundlichen Auftretens allerdings niemand setzen: „Rechnen Sie nicht mit einem stumpfen Schwert“, hatte er die Delegierten des Stadtkirchentags vor der Wahl gewarnt.

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