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Arbeitgeber bringt Letten um seinen Lohn

Mann klagt vor Gericht Arbeitgeber bringt Letten um seinen Lohn

Rund 4000 Euro soll ein Supermarktleiter in Bothfeld einem früheren Angestellten noch schulden, der Lette zog vor Gericht, um den Lohn für seine Überstunden einzuklagen. Der Prozess endete in einem Vergleich, doch damit ist die Sache noch nicht erledigt.

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Das Gericht erwirkte zwar einen Vergleich zwischen den beiden Parteien, doch das Grundproblem des Lohndumpings bleibt.

Quelle: Symbolbild

Hannover. Martin Kaufmanis vertraut auf deutsche Gesetze. Also hat er nicht klein beigegeben. Er ist nicht nach der von ihm empfundenen Ausbeutung in seine Heimat Lettland zurückgekehrt. Stattdessen hat er beschlossen, sich zu wehren. „Ich möchte, dass es aufhört“, sagt der 36-Jährige. Jetzt ist er seinem Ziel einen Schritt näher gekommen. Vor dem Arbeitsgericht räumte sein alter Arbeitgeber, ein Supermarkt in Bothfeld, ein, dass dem Letten noch Gehalt für Mehrarbeit zusteht. Der Beklagte, die HDM Handel GmbH, bestritt zwar die Summe von 4000 Euro für 864 Überstunden. Aber in einem Vergleich einigten sich beide Parteien unter Vermittlung von Richterin Antje Hengst auf eine Nachzahlung von 750 Euro brutto.

Was vermeintlich friedlich endete, ist noch längst nicht erledigt. Weder für den Zoll und seine Schwarzarbeit-Kontrolleure, die den Gerichtstermin verfolgten, noch für die Beratungsstelle für mobile Beschäftigte von „Arbeit und Leben“, die die Klage unterstützt hat. Kaufmanis’ Anwalt, Karl Minne Braaksma, spricht von einer unlauteren Geschäftsmethode, die weit verbreitet sei. „Man holt Mitarbeiter, die weder Deutsch sprechen noch Ahnung von hiesigen Gesetzen haben ins Land und lässt sie sklavenmäßig arbeiten.“ Im Arbeitsvertrag stehe eine andere Wochenarbeitszeit als die, die dem Personal dann abgefordert werde. Ausgezahlt wird die Summe, die im Vertrag steht. So wird nicht nur Gehalt vorenthalten, sondern auch bei den Sozialabgaben betrogen.

Martin Kaufmanis war guten Glaubens, als er vor zwei Jahren im Internet die Anzeige eines hannoverschen Einzelhändlers entdeckte, der sich unter dem Dach einer bundesweiten Supermarkt-Kette auf polnische und russische Lebensmittel spezialisiert hat. Nach drei Telefongesprächen reiste der studierte Diplom-Ingenieur der Logistik nach Hannover, absolvierte ein zweiwöchiges unentgeltliches Praktikum als Verkäufer im Laden und unterschrieb schließlich einen dreimonatigen Arbeitsvertrag über eine 40-Stunden-Woche mit einem Monatsverdienst von 1300 Euro brutto.

Nach Ablauf des Vertrags folgten weitere befristete Verträge. Ein halbes Dutzend werden es wohl gewesen sein. Als Schlafplatz wurde ihm ein karg möbliertes Büro im Laden kostenlos überlassen. Mal saß er an der Kasse, mal arbeitete er hinter der Fleischtheke. Als Kaufmanis Ende 2014 gegenüber seiner aus Kasachstan stammenden Chefin den neuen gesetzlichen Mindestlohn erwähnte und eine Gehaltserhöhung forderte, war Schluss mit neuen Verträgen.

Kaufmanis ist überzeugt, dass die aus Kirgisien stammende HDM-Spitze gezielt Leute aus Osteuropa im Internet anwirbt, weil sie billiger sind. Die Gegenseite bestreitet die unbezahlte Mehrarbeit. „Uns ist es ein Rätsel, wie der Kläger auf einen ausstehenden Lohn von 4000 Euro kommt“, erklärte der Anwalt von HDM, Andreas Kruse, vor Gericht.

Martin Kaufmanis ist um eine bittere Erfahrung reicher. Bevor er nach Deutschland kam, arbeitete er wie viele Letten in Großbritannien. Dass sich Arbeitgeber nicht an Gesetze halten, hat er erst in Deutschland erlebt. Dennoch will er hier bleiben. Derzeit besucht er auf Vermittlung des Jobcenters einen Sprachkurs und hofft auf eine zügige Anerkennung seines Diploms, um Arbeit zu finden.

Indes will Zollinspektor Rolaf Maschuff in den nächsten Wochen weitere ehemalige Kollegen von Kaufmanis anhören.

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