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Supermarkträuber muss lebenslang in Haft

Urteil gegen Marek K. Supermarkträuber muss lebenslang in Haft

Der Supermarkträuber von Stöcken muss lebenslang in Haft. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Hannover stellte bei dem Urteil gegen Marek K. die besondere Schwere der Schuld fest. Damit kann der 42-Jährige frühestens in 21 Jahren entlassen werden.

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Marek K. am Mittwoch im Landgericht Hannover.

Quelle: Holger Hollemann/dpa

Hannover. Der Supermarkträuber muss wegen Raubmordes lebenslang hinter Gitter. Das Landgericht Hannover verurteilte den 42-Jährigen am Mittwoch nach einer Überfallserie auf 24 Supermärkte. Bei dem Überfall auf den NP-Markt in Stöcken war im Dezember 2014 der 21-Jährige Joey K. erschossen worden. Bei den weiteren Überfällen wurden zudem mehrere Menschen verletzt. Die Kammer hielt eine besondere Schwere der Schuld für gegeben, der Verurteilte kann deswegen frühestens nach 21 Jahren den Antrag stellen, auf Bewährung freizukommen. 

Die lange Jagd nach dem Räuber

4. Dezember 2014: Kurz vor Ladenschluss um 20 Uhr fallen im NP-Supermarkt in der Weizenfeldstraße nach einem Überfall mehrere Schüsse. Ein 21-Jähriger stirbt, ein 30-Jähriger wird schwer verletzt. Der Täter flüchtet auf einem Fahrrad.

18. Dezember 2014: Spezialkräfte der Polizei nehmen im nordrhein-westfälischen Hamm einen 48-Jährigen fest, auf den die Beschreibung des Stöckener Raubmörders passt. Doch der Mann hat ein wasserdichtes Alibi für die Tatzeit und kommt wieder frei.

16. Januar 2015: Die Raubserie auf Supermärkte geht weiter. Die Masche ist immer die gleiche: Der Täter sucht sich ein Objekt nahe einer Autobahn, kommt meist kurz vor Ladenschluss und ist in der Regel bewaffnet.

Juni 2015: Die Theorie der Ermittler, der Supermarkträuber suche sich Objekte entlang der Autobahn 2 aus, bekommt einen Dämpfer. Innerhalb von wenigen Tagen werden drei Märkte in Bayern, entlang der Autobahn 9 überfallen – die Vorgehensweise gleicht den übrigen Taten haargenau.

25. Juni 2015: Auf einem Autobahnrastplatz bei Dresden überwältigt die Polizei den 42-jährigen Marek K. aus Polen. An dem Zugriff sind mehrere Spezialkräfte aus verschiedenen Behörden beteiligt. Einen Tag zuvor war K. über die polnische Grenze nach Cottbus gereist. Die Polizei war ihm nach der Auswertung von rund drei Millionen Verbindungsdaten von zahllosen Handys und etwa 3000 Spuren auf die Schliche gekommen. Als sich das Handy des 42-Jährigen am 24. Juni in das deutsche Telefonnetz einloggte, bereitete die Polizei den Zugriff vor.

16. Dezember 2015: Vor dem Landgericht Hannover beginnt der Prozess gegen Marek K. 24 Raubüberfälle werden ihm zur Last gelegt – 14 weitere wurden geprüft, fanden aber keinen Eingang in die Anklage.

Wie Richter Wolfgang Rosenbusch ausführte, gebe es keinen Zweifel, dass Marek K. den Überfall in der Weizenfeldstraße in Stöcken beging und die tödlichen Schüsse auf Joey K. abfeuerte: Hier wurde eine DNA-Spur des Angeklagten entdeckt. Auch in etlichen anderen Supermärkten, die ausgeraubt wurden, stießen die Ermittler auf DNA-Spuren sowie Fingerabdrücke von K. Sein Vorgehen bei den Überfällen sei immer ähnlich gewesen, häufig hätten Zeugen einen osteuropäischen Akzent registriert,  auch habe K. oft ähnlich rücksichtslos agiert. Die zwei aufgesetzten Schüsse, die Joey K. trafen, habe der 42-Jährige in Tötungsabsicht ausgeführt; von einem Versehen infolge des vorherigen Gerangels mit dem Supermarktkunden könne keine Rede sein.

Einige der Geschädigten seien  langfristig traumatisiert und würden bis heute erheblich leiden, sagte Rosenbusch. K. habe bei seinen Taten erhebliche kriminelle Energie gezeigt. Dass er nach dem Mord in Stöcken seine Raubserie nicht etwa beendet, sondern lediglich den Waffenlauf ausgewechselt habe, spreche von großer Kaltblütigkeit. Allein der Mord an Joey K. sei noch nicht ausreichend, bei dem Angeklagten auf eine besondere Schwere der Schuld zu entscheiden, erläuterte Rosenbusch. Hinzu komme aber die Vielzahl der anderen schweren Raubtaten, die eine derartige längerwährende Bestrafung zwingend erscheinen lasse.

Mit dem Urteil kam das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft nach. Am Ende eines einstündigen Plädoyers hatte Staatsanwalt Martin Lienau lebenslang für Marek K. Außerdem solle das Gericht auf eine besondere Schwere der Schuld erkennen, so Lienau. Die Verhängung der Sicherungsverwahrung sei nach Ansicht der Staatsanwalt jedoch unverhältnismäßig. Zwar könne man darüber streiten, ob der 42-jährige K. einen Hang zu schweren Straftaten habe oder nicht. Bei Anerkennung einer besonderen Schwere der Schuld werde aber sowieso nach 21 Jahren geprüft, ob der Täter noch eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt.

Lienau hatte in seinem Plädoyer betont, Marek K. habe aus Habgier gehandelt und bei den tödlichen Schüssen auf Joey K. in Stöcken seine Beute sichern wollen. Bei all seinen Taten in den verschiedenen Supermärkten sei der 42-Jährige brutal, rücksichtslos und ohne Mitleid gegenüber Kassierinnen oder verängstigten Kunden vorgegangen. Er habe mehrfach scharf geschossen und sei dabei stets eiskalt und berechnend aufgetreten.

Bewegende Worte der Mutter des getöteten Supermarktkunden

Nach dem Plädoyer des Staatsanwalts hatte die Mutter des getöteten Joey K. eine bewegende Erklärung verlesen, die etliche Zuschauer im Gerichtssaal zu Tränen rührte. Sie schenke Marek K. ein „Samenkorn der Vergeltung“, das spätestens auf seinem Totenbett aufgehen solle. Sein Tod, prophezeite die Mutter, werde qualvoll und schmerzhaft sein. Es könne für seine Taten keine Vergebung geben; sie hoffe, dass seine Seele ins Nichts gezogen wird. Bis dahin werde K. im Gefängnis ein Leben ohne Freude fristen, werde seine Kinder nicht auswachsen sehen und im Bewusstsein leben, alles verloren zu haben – wie sie selbst auch. 

Verteidiger forderte kein konkretes Strafmaß

Verteidiger Holger Nitz hatte kein konkretes Strafmaß gestellt. Er wies in seinem Plädoyer darauf hin, dass Marek K. bei den ihm zur Last gelegten acht Taten lediglich 5600 Euro erbeutet habe – eine „bescheidene Beute“, die bei Überfällen auf Discounter nicht anders zu erwarten war. Sein Mandant habe sich in vieler Hinsicht unprofessionell verhalten, habe bei den Überfällen etwa keine Handschuhe getragen. Keineswegs gesichert sei, dass K. den 21-jährigen Kunden im Stöckener NP-Markt wirklich habe töten wollen; die Schüsse seien unmittelbar auf ein Gerangel mit Joey K. gefolgt. Auch habe sein Mandant den Beutel mit dem geraubten Geld nicht mitgenommen, obwohl ihm dies ein Leichtes gewesen sei. Insofern, so Nitz, könne man K. nicht vorwerfen, einen Mord begangen zu haben, um seinen Raubzug beenden zu können. Er habe in der Weizenfeldstraße nicht aus Habgier gehandelt, sondern höchstens die Verdeckung einer Straftat im Auge gehabt.

Auch in anderen Fällen sei K. nicht über Leichen gegangen, um seine Beute zu sichern, so der Verteidiger. Es habe – etwa bei Überfällen in Bottrop oder Hof – Situationen gegeben, bei denen sich Kassierinnen gewehrt und K. die Kassen-Cashbox sogar wieder entrissen hätten. In diesen Fällen habe der 42-Jährige aber keine lebensgefährlichen Schüsse auf seine Opfer abgegeben. „Wir haben hier also keineswegs jemanden vor uns, der bereit ist, in jeder Situation zu schießen“, erklärte Nitz.

Marek K. bestreitet Taten

Marek K. hatte zu Beginn des Prozesstages sein Schweigen gebrochen und die Taten bestritten. "Ich denke, dass es hier zu vielen gefälschten Beweisen gekommen ist durch die deutsche Polizei." Während etlicher der ihm zur Last gelegten 24 Überfälle habe er sich zu Hause in Polen und nicht in Deutschland befunden, sagte er. Sein Handy sei an Tatorten von der Polizei geortet worden, obwohl es bereits vom polnischen Netzbetreiber blockiert gewesen sei. Zum Zeitpunkt von einer der Taten habe er sich an einer polnischen Tankstelle befunden und müsse dort von Kameras gefilmt worden sein.

Anwalt Nitz ging auf diese Ausführungen und Rechtfertigungen seines Mandanten mit keinem Wort ein. Heißt: Auch er war nicht der Meinung, dass im Schwurgericht Hannover möglicherweise der falsche Mann auf der Anklagebank saß.

(mit: dpa/frs)

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