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Aus der Stadt Sympathisch, chaotisch – und salonfähig
Hannover Aus der Stadt Sympathisch, chaotisch – und salonfähig
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20:32 22.03.2010
Sämtliche 1102 Plätze in der Oper sind besetzt, das Publikum ist begeistert bei der Sache und klatscht sich die Hände rot, um per 
Applaus über die besten Poeten abzustimmen. Quelle: Steiner

Das gab es noch nie: Elf Poetry-Slam-Poeten stürmen unter tosendem Applaus auf die Bühne im ausverkauften Opernhaus. Es ist der erste Poetry Slam in der Oper und zugleich der größte Niedersachsens, der da eröffnet wird. Jetzt also haben die Dichterwettstreite, bei denen selbst geschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum zur Bewertung vorgetragen werden, auch das Haus der Hochkultur erobert. Wortakrobatik pur ist drei Stunden die Devise: Geschichten, Gedichte, A-cappella-Rap, dadaistische Wortgebilde – und das alles frei improvisiert in einem wahnwitzigen Tempo, das dem Motto des Abends, „Zungenbrecher“, alle Ehre macht.

Aus allen Himmelsrichtungen sind sie am Sonntagabend nach Hannover gekommen, die Wortkünstler. Dabei sind Sebastian 23 (Bochum), Philipp Scharrenberg (Stuttgart), Julius Fischer (Leipzig), Florian Cieslik (Köln), Marlene Stamerjohanns (Wilhelmshaven), Pauline Füg (Eichstätt) und Dominik Bartels (Helmstedt). Und dann sind da natürlich auch die vier Hannoveraner Kai Nesau, Hauke Voß, Kersten Flenter und Klaus Urban. Basisdemokratisch darf das Publikum entscheiden, wie viele Punkte jeder für seine sechsminütige Wortkunst erhält. Stürmischen Applaus für die Texte, die einen „kollektiven Orgasmus“ (so Moderator Tobias Kunze) auslösen, gibt es allerdings jedes Mal. Stellvertretend für alle müssen dann sieben Zuhörer die Stärke des Applauses einschätzen und anschließend mit den bunten Jurykarten Punkte vergeben. Alles wird überwacht von den drei Moderatoren Kunze, Jan Sedelies und Henning Chadde, die lässig-cool durch den Abend führen.

Kunze selbst „slamt“ in bester Rappermanier munter drauflos und erzählt dabei unter anderem wenig mitfühlend von einem in Fahrradspeichen verendeten Marder. Die Zuhörer toben bereits vor Begeisterung, obwohl noch einiges kommt. Explosives Sprachspiel bieten etwa die Gewinner der deutschsprachigen Slam-Meisterschaften 2008 und 2009, Sebastian 23 und Philipp Scharrenberg. Mit seinem Text „Von dem Verb, das ein Nomen sein wollte“ zeigt Scharrenberg sprachliche Virtuosität ganz eigener Art. Sein Verb lässt sich einen großen Anfangsbuchstaben anfertigen, doch der Vater „Personalpronomen“ ist davon gar nicht begeistert, schließlich soll sein Kind nicht bei den „transitiven Transen auf dem Bindestrich“ enden. Aber auch Poeten, die sich statt für Wortklamauk für eine Auseinandersetzung mit Kriegsgräueln und Massenvernichtungswaffen entschieden haben, finden ihr Publikum.

Im Finale der Wortakrobaten stehen schließlich Sebastian 23 und Scharrenberg – sie liefern sich ein Wortgefecht, das es in sich hat. Am Ende ist es dann Scharrenberg, der in den Besitz des ersten Preises, einer Sokrates-Büste, kommt. Doch Gewinner sind sie ja alle unterm Strich: Eine Dichtkunst aus der alternativen Szene, die lange ihren Ort in Kneipen und Bars hatte, hat die Oper erobert. Das sei auch Dramaturgin Sylvia Roth zu verdanken, die den Dichterabend unbedingt in die Oper habe holen wollen, lobt Kunze, der den Abend organisiert hat. In Hamburg gebe es solche Veranstaltungen schon seit einiger Zeit. Jetzt ist Poetry Slam auch in Hannover salonfähig geworden. Und Kunze strebt bereits das nächste Ziel an: „Die deutschen Poetry-Slam-Meisterschaften nach Hannover holen.“

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