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Aus der Stadt Symposium für hannoverschen Pionier der Nuklearmedizin
Hannover Aus der Stadt Symposium für hannoverschen Pionier der Nuklearmedizin
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00:15 13.03.2013
Von Veronika Thomas
Der ehemalige Direktor der Klinik für Nuklearmedizin Professor Heinz Hundeshagen hat immer noch ein Dienstzimmer an der MHH. Quelle: Akbaba
Hannover

In seinem Fach macht ihm kaum jemand etwas vor. Prof. Heinz Hundeshagen ist zwar seit 15 Jahren nicht mehr aktiv im Geschäft, aber den Kontakt zu seinem alten Lehrstuhl hält er nach wie vor regelmäßig. „Ich rede denen aber nicht rein“, sagt der Gründer der Nuklearmedizin an der Medizinischen Hochschule (MHH) und ehemalige Rektor der Hochschule. Mit einem SymposiumNuklearmedizin - Eine Reise durch die Zeit“ anlässlich seines 85. Geburtstags mit rund 150 Weggefährten und Schülern würdigte die MHH jetzt die Verdienste des Arztes und Forschers.

Ehe der 1928 in Thüringen geborene Hundeshagen endlich Medizin studieren konnte, musste er einige Umwege nehmen. Nachdem er als Schüler in den letzten Kriegsmonaten noch eingezogen worden war, holte er 1947 zunächst das Abitur nach und absolvierte eine Schreinerausbildung, „um überhaupt von etwas leben zu können“. Es folgten Studienjahre in Theologie, Physik und Mathematik an der Marburger Universität, dann erst konnte er das lang ersehnte Medizinstudium aufnehmen. Sein Interesse galt der Nuklearmedizin, obgleich es dieses Fach als Disziplin noch gar nicht gab. „Das firmierte alles unter Strahlenmedizin.“

1963 wurde Hundeshagen, der in Marburg 1961 über Radiokardiografie habilitiert hatte, als Berater in den Gründungsausschuss der MHH berufen, 1965 übernahm er dort die neue Abteilung Nuklearmedizin, die er bis 1997 als Direktor leitete. Er war es auch, der Hannover den ersten und einzigen Forschungsreaktor bescherte, um radioaktiv geladene Substanzen wie Kupfer oder Sauerstoff für Diagnosen selbst herstellen zu können. „Wegen zu kurzer Halbwertzeiten konnten wir nicht alles aus England oder den USA beziehen, deshalb brauchten wir den Reaktor“, sagt der leidenschaftliche Arzt. „Kupfer zerfällt schon nach 2,06 Minuten, Sauerstoff noch viel schneller“, erzählt Hundeshagen, als habe sich all dies vor ein paar Monaten zugetragen. 20 Jahre habe das Gerät mit 250 Kilowatt Leistung zuverlässig seinen Dienst getan. Glücklicherweise sei mit dem Kauf gleich die Entsorgung der Brennstäbe vereinbart worden. „Sonst hätten wir beim Abbau ein echtes Problem gehabt.“

Die Arbeit mit immer neuen Substanzen und Verfahren zur Diagnostik und Therapie, unter anderem von Schilddrüsenkarzinomen und Knochentumoren, hatte den positiven Effekt, „dass uns immer die neuesten Geräte zur Verfügung standen, weil wir sie in Zusammenarbeit mit den Herstellern entwickelten“, erzählt der Pionier der Radiologie. Prototypen von Scannern wie Kernspintomografen (CT) oder Positronen-Emissions-Tomografen (PET) wurden häufig zuerst in der MHH getestet.

Neben seiner klinischen Arbeit war Hundeshagen immer auch ehrenamtlich in einer langen Reihe von Fachgesellschaften aktiv, darunter als Präsident der Akademie für Nuklearmedizin und der Internationalen Gesellschaft für Nuklearmedizin. Hinzu kam sein Amt als Rektor der MHH, das er ab 1971 mehr als 14 Jahre innehatte, sowie acht Jahre als Prorektor. „Das war damals alles ehrenamtlich. Dafür gab es gerade einmal einen Anzug für 200 D-Mark“, erinnert sich der 85-Jährige. Später habe er noch einen Fahrer bekommen, der ihn jeden Morgen um 6 Uhr abgeholt und um 20 Uhr wieder nach Hause gebracht habe.

Ein Dienstzimmer hat Hundeshagen immer noch. Er ist in der Förderstiftung MHH plus aktiv und betreut die emeritierten und pensionierten Professoren. „Ich habe den Emerity-Stammtisch aufgebaut, eine schöne Sache.“ Und fachlich ist er sowieso auf Augenhöhe mit den Aktiven. „Der neueste Clou bei den Geräten ist die Kombination aus PET und Magnetresonanztomograph (MRT)“, schwärmt Hundeshagen. Vier Geräte gebe es davon bundesweit, Hannover habe noch keins. „Damit kann man alles machen: Schichtaufnahmen, um Erkrankungen genau zu diagnostizieren, und später sogar an Ort und Stelle lokalisieren, ob die Therapie anschlägt.“ Veronika Thomas

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