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Aus der Stadt Syrischer Patient in der MHH
Hannover Aus der Stadt Syrischer Patient in der MHH
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18:10 08.05.2012
Von Tobias Morchner
Zwei Welten: Dem Syrer Billal D. gelang die Flucht aus dem umkämpften Homs. Der 38-Jährige wird nun an der MHH operiert. Quelle: Surrey
Hannover

Vor knapp einem Jahr, am 17. Juni 2011, feuerte ein Heckenschütze während einer Demonstration gegen den Herrscher Assad in der syrischen Stadt Homs auf den Kaufmann. Billal D., der eigentlich einen anderen Namen trägt, stand in der ersten Reihe. Ein Geschoss traf ihn im Bereich der Hüfte und zerfetzte die Nervenstränge seines rechten Beins. Der 38-Jährige ist einer der ersten drei Syrer, die durch Vermittlung des Auswärtigen Amts zur medizinischen Behandlung nach Deutschland geflogen wurden. Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover wollen in diesen Tagen versuchen, die Lähmung des Beins zu beheben.

Hinter dem syrischen MHH-Patienten liegt eine anstrengende und gefährliche Flucht in die Freiheit. Nach den Schüssen in Homs brachten Freunde den schwer Verletzten in ein geheimes Krankenhaus, in einem Keller, irgendwo in der umkämpften Stadt. Zwei Tage lang wartete der 38-Jährige dort auf seine Behandlung. Die Ärzte in dem Rebellen-Lazarett versorgten erst die Regimegegner mit Kopfwunden. Es gelang den Medizinern, das Leben des Kaufmanns zu retten. Doch fehlten ihnen die nötigen Spezialgeräte, um den beschädigten Nerv heilen zu können.

Billal D. musste die improvisierte Klinik wieder verlassen. Aus Angst vor dem syrischen Geheimdienst versteckte er sich fortan. Monatelang wechselte er regelmäßig innerhalb der Stadt seinen Aufenthaltsort und doch kamen ihm seine Verfolger immer näher. „Eines Tages hielten Geheimpolizisten meinen Cousin auf offener Straße an, nahmen ihn mit und stellten ihm fortwährend Fragen über mich“, sagt Billal D. im Gespräch mit der HAZ.

Als diese Nachricht den 38-Jährigen in seinem Versteck erreichte, begann er umgehend mit den Vorbereitungen für seine Flucht. Gemeinsam mit vier weiteren Männern und vier Frauen, alles Bekannte oder Freunde des Oppositionellen, bestiegen sie Mitte März dieses Jahres einen Bus, der sie Richtung Süden, zur syrisch-jordanischen Grenze brachte. Billal D. hatte Glück. Da er in Homs aus Sicherheitsgründen stets unter falschem Namen aufgetreten war, konnte er zur Flucht nun seinen offiziellen Pass benutzten. Die Grenzbeamten schöpften keinen Verdacht und ließen ihn in die jordanische Hauptstadt Amman ausreisen.

Mithilfe der deutschen Botschaft ging die Reise bereits einige Tage später weiter - zunächst nach Frankfurt und schließlich nach Berlin. Doch in der Charité konnten die Ärzte das taube Bein nicht operieren, sie verwiesen ihn stattdessen an die Kollegen der MHH. Seit zwei Wochen wohnt der 38-Jährige nun in einem Kleefelder Hotel. Doch seine Gedanken sind noch immer in seinem Heimatland. „Meine Eltern sind nach Aleppo in den Norden geflohen, ich mache mir Sorgen um sie“, sagt er. Einmal pro Tag ruft er mit seinem Handy bei seiner Mutter oder seinem Vater an, um sich zu vergewissern, dass es ihnen gut geht. Die Gespräche hält er ganz bewusst allgemein: „Ich kann nie sicher sein, ob der Geheimdienst nicht mithört“, sagt Billal D.

Demonstration in Hannover

Exilsyrer und Politiker der Grünen rufen am Mittwoch in der Innenstadt zum Protest gegen die anhaltende Gewalt in dem arabischen Land auf. Die Aktion beginnt um 16 Uhr mit einer Mahnwache an der Ecke Karmarschstraße/Leinstraße. Anschließend ziehen die rund 250 Demonstranten zum Steintorplatz. Dort wollen unter anderem die Landtagsabgeordnete Filiz Polat und Belit Onay, der für die Grünen im Stadtrat sitzt, sprechen. Nach Angaben der Organisatoren sind in Syrien seit dem 10. April, dem Tag der offiziell vereinbarten Waffenruhe, mehr als 800 friedliche Demonstranten und Regimegegener getötet worden.

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