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Untersuchungen des Landeskriminalamts

Täter benutzte Quecksilber bei Spritzenattacke

Von Vivien-Marie Drews

Der Fall wird immer mysteriöser: Mit einer Spritze, die er an einem Regenschirm befestigt hatte, griff der Täter sein Opfer auf offener Straße an. Der 40-jährige Mann überstand die Attacke zunächst unbeschadet, Wochen später aber versagten plötzlich seine Organe.
Foto: Inzwischen steht fest: In der Spritze war eine quecksilberhaltige Verbindung aufgezogen.

Inzwischen steht fest: In der Spritze war eine quecksilberhaltige Verbindung aufgezogen.

© dpa (Symbolbild)

Hannover. Das alles geschah im Sommer vergangenen Jahres. Am Mittwoch nun teilte die Staatsanwaltschaft auf Nachfrage der HAZ mit, dass sich in der Spritze Quecksilber befand. Das haben Untersuchungen des Landeskriminalamts ergeben.

Die Ermittler stehen vor einem Rätsel – und haben nicht eine einzige Spur. Der körperliche Zustand des Opfers ist weiterhin so schlecht, dass an eine Vernehmung nicht zu denken ist. „Wir können nur hoffen, dass das bald der Fall sein wird. Das ist unsere einzige Chance“, sagt Oberstaatsanwältin Irene Silinger. Der Mitarbeiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) war am 15. Juli auf dem Weg zu seinem Auto in der Fischerstraße in der Calenberger Neustadt von einem Unbekannten mit der Spritze attackiert worden. Der Täter hatte die Nadel an die Spitze eines Regenschirms montiert und stach seinem Opfer damit ins Gesäß. Der Fremde konnte flüchten. Dem Gewerkschaftsmitarbeiter gelang es aber, ihm die Spritze zu entreißen.

Die Untersuchungen des Tatwerkzeugs gestalteten sich schwierig, da sich in der  Spritze keinerlei Flüssigkeit mehr befand. Es dauerte Monate, bis Experten des Landeskriminalamtes winzige Überreste extrahieren und dann die Substanz gezielt auf verschiedene Stoffe testen konnten. Inzwischen steht fest: In der Spritze war eine quecksilberhaltige Verbindung aufgezogen, unklar ist bisher allerdings, worum genau es sich dabei handelte.

Der Gewerkschaftsmitarbeiter begab sich nach dem Angriff umgehend in ärztliche Behandlung. Vorbeugend ließ er sich gegen mögliche Infektionen mit dem HI-Virus und Hepatitis behandeln. Die Medikamente, die Nebenwirkungen verursachen können, verkraftete der Gewerkschaftsmitarbeiter wochenlang gut. Erst im September verschlechterte sich sein Zustand drastisch. Die Organe versagten; die Ärzte entschieden, den Patienten in ein künstliches Koma zu versetzen.

Bisher ist nicht bekannt, ob der Mann tatsächlich an einer akuten Quecksilbervergiftung erkrankt ist. Die Symptome allerdings passen ins Bild: Nach Angaben der Gift-Zentrale in Göttingen kann eine Quecksilbervergiftung einen verzögerten Verlauf nehmen und unter anderem zu akuten Nierenschäden führen. Auch das Nervensystem kann in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die Polizeidirektion Hannover hatte den Fall zunächst als normale Körperverletzung eingestuft. Im September entschied die Behörde dann, eine Ermittlungsgruppe des Zentralen Kriminaldienstes auf den mysteriösen Fall anzusetzen.

Im Dezember 2010 waren zwei russische Dissidenten mit einer Quecksilbervergiftung in die Berliner Charité eingeliefert worden. Beide waren der Überzeugung, vergiftet worden zu sein – möglicherweise vom russischen Geheimdienst. Im Fall des Gewerkschaftsmitarbeiters aus Hannover sehen die Ermittler jedoch keinen Anlass für Verschwörungstheorien. „Wir haben keine Hinweise darauf, dass es sich um etwas anderes handeln könnte als um eine gewöhnliche Straftat“, sagt Oberstaatsanwältin Silinger.

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