Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Probefahrt führt ins Gefängnis
Hannover Aus der Stadt Probefahrt führt ins Gefängnis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 05.10.2015
Von Michael Zgoll
Das Gericht verurteilte den Mann zu 8 Monaten Haft. Quelle: dpa (Symbolbild)
Anzeige
Hannover

Die Probefahrt mit dem Toyota Lexus – Neuwert 75.000 Euro – sollte nur zwei Stunden dauern. Doch weil der vermeintliche Autokäufer ein notorischer Betrüger war, der ein Faible für ausgedehnte Ausflüge in fremden Fahrzeugen hat, wurden daraus zwei Tage. Dabei hatte der Händler aus der List, den das großspurige Auftreten des Interessenten misstrauisch werden ließ, sogar einen GPS-Peilsender in dem Vorführwagen deponiert und war dem Probefahrer eine halbe Stunde lang gefolgt – nicht lange genug, wie sich später herausstellte.

Jetzt wurde der 56-jährige Frank P. vom Amtsgericht Hannover wegen veruntreuender Unterschlagung zu einer Haftstrafe von acht Monaten verurteilt, ohne Bewährung. Auf den gelernten Bäcker und Automechaniker, nach dem bundesweit gefahndet wurde, warten auch noch zwei weitere Verfahren – unter anderem, weil er im Sommer in Kiel mit einem geliehenen VW Tiguan 2000 Kilometer durch die Gegend kutschiert war, ohne ihn abzuliefern.

75 000 Euro, auf einen Schlag und in bar? „Kein Problem, ich muss nur meine Bank anrufen, dann habe ich das Geld“, hatte P. beim Lister Autohändler getönt. Lediglich eine Spritztour nach Hameln wolle er unternehmen, dann werde er entscheiden, ob er den Lexus tatsächlich kaufen wolle. Der Mechaniker legte einen Personalausweis mit seinem richtigen Namen vor – der abgelaufen und mit falscher Adresse versehen war. Als der 56-Jährige vom Hof rollte, heftete sich der Chef des Autohauses an seine Fersen. Zunächst wunderte er sich, dass der Mann Kurs auf Altwarmbüchen nahm, doch dann wechselte der Lexus die Richtung, fuhr tatsächlich auf die B 217 Richtung Springe. Der Autohändler machte kehrt, halbwegs beruhigt.

Weil Wochenende war, geriet der Peilsender aus dem Blick des Autohauses. Erst am Montag schreckte man dort auf, konnte den Lexus am Bahnhof Springe orten. Die Schlüssel fehlten, die Fahrzeugpapiere aber lagen ordnungsgemäß im Handschuhfach. Ein paar Wochen später geriet P. in eine Verkehrskontrolle und wurde festgenommen.

Vor Gericht wartete der Betrüger mit einer schrägen Geschichte auf. Er leide an Diabetes und habe unterwegs einen Zuckerschock erlitten. Darum habe er das Auto in Springe abgestellt, sei mit dem Zug nach Hameln gefahren, um sich in seinem Hotelzimmer Insulin zu spritzen. Selbstredend, versicherte er Amtsrichterin Gesine Irskens, habe er den Lexus später zurückbringen wollen. Seltsam nur, dass P. dies dem Autohändler nicht kundtat, seltsam auch, dass der Tacho der Nobelkarosse ein Plus von 130 Kilometern auswies – deutlich mehr als eine Tour von Hannover nach Springe.

Der mehrfach vorbestrafte P., der wegen Betrügereien bereits knapp drei Jahre im Gefängnis verbrachte, hatte sich um die Jahrtausendwende schon mehrmals Oberklasseautos „geliehen“ und war mit ihnen monatelang herumgekurvt. Sein Verteidiger Frank Ressel wies darauf hin, dass sein Mandant aber auch schon viele Jahre sozialversicherungspflichtig gearbeitet habe, sogar selbst Autohändler und Lkw-Fahrer gewesen sei. Jetzt habe ihn sein alte Schwäche, die Welt mit fremden Luxusautos zu erkunden, wohl wieder übermannt. Und auch Ressel musste zugeben: „So richtig erklärbar ist das Verhalten meines Mandanten sicher nicht.“

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Aus der Stadt Offene Werkstatt, offene Büroarbeitsplätze - Richtfest im Der Hafven

Nein, Der Hafven ist kein Schreibfehler. Und dass das Gebäude aussieht wie eine Kreuzung aus Sprengel-Anbau (anthrazitfarbene Betonfassade) und Landtags-Plenarsaal (schmale, hohe Riesenfenster) bestreitet der junge Architekt zwar vehement. Aber dass alles etwas anders ist hier als gewöhnlich, darauf sind alle stolz.

Conrad von Meding 05.10.2015

Die Lobeshymnen für das neue Fachgerichtszentrum (FGZ) dauerten eineinhalb Stunden, kleine Kritikpunkte kamen erst im Anschluss an die Feierstunde zur Sprache. 120 Gäste waren zur offiziellen Eröffnung des Neubaus in die Leonhardtstraße 15 gekommen.

Michael Zgoll 05.10.2015

Im Prozess um die Vergewaltigung eines Schülers in Belgien hat das Landgericht Hannover am Freitag das Urteil gesprochen: Der 22-jährige Angeklagte aus Hameln muss wegen schwerem sexuellen Missbrauch eines Kindes für vier Jahre und elf Monate in Haft. 

02.10.2015
Anzeige