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Aus der Stadt Tag der Architektur
Hannover Aus der Stadt Tag der Architektur
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06:15 25.06.2012
Von Heike Schmidt
Zauberlehrling: Rundgang mit Besitzer Roderick von Berlepsch und Architekt Andreas Roemeth, fuer Tag der Architektur: (v.l.) Roderick von Berlepsch und Architekt Andreas Roemeth. Quelle: Poblete
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Hannover

Es mag sich pathetisch anhören, aber für Katrien Wayenberg und Christian Diehl war es wirklich so: „Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Als sie vor dem 68er-Bau in Bemerode standen, war für beide klar: „Das ist es.“ Dabei hatte das Paar - die 37-Jährige stammt aus Belgien, der 33-Jährige kommt aus Saarbrücken - keineswegs daran gedacht, gleich das erste Objekt, das sie sich ansehen würden, für ihren künftigen Lebensmittelpunkt in Hannover zu kaufen. Doch: „Es war unglaublich: Da war jemand, der schon Ende der Sechziger genau die Formensprache hatte, die auch wir bevorzugen.“ Und die ist: eckig, mittig, bündig, ohne Schnörkel, an den klassischen Bauhausstil angelehnt. Und so fanden die Bauherren als Grundsubstanz das schon vor, was sie sonst auch unter Umständen neu gebaut hätten: Zwei Kuben, die miteinander verbunden waren und sich optimal für eine Symbiose zwischen Arbeiten und Wohnen eigneten.

„Wir sind nach der Hausbesichtigung ein Eis essen gegangen, sind zurückgefahren und haben gesagt: wir nehmen es“, erinnert sich Katrien Wayenberg. Und dann begann ein weiterer, sehr sportlich zu nennender Teil: Im Januar begannen die Planungen, im April die Umbauarbeiten, am 21. September desselben Jahres zog das Paar ein. Dass dies gelang, ist dem Architekten Benjamin Schmidt-Strohschnieder zu verdanken, der ebenso wie die Bauherren das Potenzial der vorhandenen Substanz erkannte: „Die Sanierung war nicht teurer als ein Neubau, zumal wir ja quasi einen Rohbau vorgefunden haben.“ Mehr als ein Rohbau war es wirklich nicht, was nach dem ersten Einsatz der Arbeiter übriggeblieben war: Im Erdgeschoss wurden ganze Wände und Bäder herausgerissen, im Obergeschoss eine Loggia dem heutigen Schlafzimmer zugeschlagen. So bekam das Objekt mehr Licht und Großzügigkeit: 163 Quadratmeter Fläche umfasst der Wohn-, 148 Quadratmeter der Arbeitsbereich. 238000 Euro kostete es, den alten 68er sowohl optisch als auch energetisch auf den neuesten Stand zu bringen. „Es hat sich gelohnt“, meinen alle drei - auch weil das Grundstück für den selbstständigen Unternehmer und die Sprachtrainerin eine sehr gute Lage hat: Es liegt in einem ruhigen Wohngebiet in Bemerode.

Wohn- und Geschäftshaus, Pappelteich 24, Führungen 10 bis 17 Uhr.

Wo Tradition sehr modern ist

Tradition kann so schön sein. Auch wenn Materialien wie Eiche oder Backsteinziegel eher an eine verstaubte Eckkneipe als an moderne Gastronomiearchitektur denken lassen könnten: Im Restaurant „Zauberlehrling“ sind diese Baustoffe so gekonnt eingesetzt worden, dass sie bei aller Bodenständigkeit dem Gastraum jugendlichen Charme verleihen. Und das liegt wahrscheinlich auch an dem Bauherrn Roderick von Berlepsch. Gemeinsam mit Andreas Römeth hat er den Neubau an der Geibelstraße/Ecke Alte Döhrener Straße geplant. Beiden war von Anfang an klar, dass man mit dem Neubau auch eine Tradition weiterführen wollte. „Der Klinker an der Fassade ist eine Reminiszenz an die Südstadt“, erklärt Römeth, der auch schon für von Berlepschs Eltern gearbeitet hat. Dieses Element wurde in der Gestaltung des Innenraums aufgenommen. Auf den zweiten Blick eröffnet sich auch, warum die Ziegel ihre einstige Schwere verloren haben: Sie sind flacher und gleichzeitig länger als herkömmliche Backsteine. Der Boden im gesamten Haus ist aus Eichenholz. Zudem gibt es auf jeder Etage einen Kamin – sowohl im Gastraum im Erdgeschoss als auch im Raucherzimmer im ersten Obergeschoss. Dieser Raum erinnert nicht nur wegen des traditionellen Chesterfield-Sofas mit seiner markanten Noppenstruktur an Herrenzimmer in englischen Landsitzen. Rund dreieinhalb Jahre dauerte es, bis der Neubau fertig war. „Im März 2008 haben wir mit den Planungen begonnen“, erinnert sich der 36-jährige von Berlepsch. Damals wollte man nur einen Teil des Hauses abreißen, das sein Großvater 1952 gebaut hatte. Doch als die Bagger die ersten Wände niedergerissen hatten, war klar, dass der ganze Bau hinfällig war. Im September 2011 war der Neubau dann fertig. Insgesamt 2,37 Millionen Euro hat das Gebäude gekostet, in dem sich Roderick von Berlepsch dann noch einen kleinen Traum erfüllt hat: Ganz oben hat er sich eine Wohnung eingerichtet – mit einer Dachterrasse, von der aus man bei gutem Wetter einen Blick bis zum Deister genießen kann.hs

„Der Zauberlehrling“, Geibelstraße 77, Führungen um 11, 13 und 15 Uhr.

Kostenlose Führungen

Am Sonntag öffnen 28 Hausbesitzer im Stadtgebiet Hannover und weitere in Burgwedel, Garbsen, Langenhagen, Neustadt, Sehnde und Wunstorf ihre Türen für Besucher zum Tag der Architektur. Das Besondere: Architekten und meist auch Bauherren erklären die jeweiligen Objekte. Alle Führungen sind kostenlos, in der Regel aber zu festgelegten Zeiten. Eine Auswahl: l Altes Umspannwerk: Das umgebaute alte Backsteinumspannwerk in der Südstadt (An der Weide 33) ist von Architekt Stefan Thöle (indigo) für eine Bauherrengemeinschaft so umgebaut worden, dass der Charme der alten Industriearchitektur erhalten wurde. Führungen um 12, 14 und 16 Uhr. Im Inneren gibt es Führungen im Atelier Designagenten um 11.30, 13.30 und 15.30 Uhr und im Büro Christian & Wieczorek um 11, 13 und 15 Uhr. l Polizeiinspektion West: Das von den Architekten Hübotter/Stürken in den Stichweh-Leinepark gebaute Haus für die Polizeiinspektion West und das Radgeschäft Radgeber in Limmer (Wunstorfer Straße 20–22) ist um 11, 12 und 16 Uhr zu besichtigen. l Haus in Isernhagen-Süd: Sanierung eines Sechziger-Jahre-Hauses – diese Aufgabe kommt jetzt auf viele Bauherren zu. In Isernhagen-Süd (Weidengrund?9) zeigen die Architekten Müller/Goebel um 12, 13, 14 und 15 Uhr, was sie möglich gemacht haben. l Restauriertes Kulturhaus: Das Büro pkNord hat für die Stadt ein historisches Schulgebäude zum Kulturzentrum Hainholz (Voltmerstraße 36) umgebaut. Zu sehen ist es um 11, 13 und 15 Uhr. Gezeigt werden auch Einfamilien- und Passivhäuser im Seelhorster Garten (Glosterweg 5 und 11) sowie Schulen, Bürohäuser oder etwa der Polizeicontainer vor dem türkischen Konsulat. Zeiten und Orte lassen sich in einer Broschüre nachlesen, die von der Veranstalterin, der Architektenkammer Niedersachsen, vertrieben wird sowie im Internet zu finden ist. Unter www.aknds.de gibt es den Link zum vollständigen Programm. Wer den Blick weiter schweifen lassen will: Der Tag der Architektur wird landesweit begangen. Auch in Aurich und Göttingen, Helmstedt und Osnabrück und anderswo sind Häuser zu besichtigen, eine Ausfahrt lohnt sich. med

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