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Uni hilft Flüchtlingen

Tag der Promovierenden Uni hilft Flüchtlingen

Beim Tag der Promovierenden an der Leibniz-Uni haben sich unterschiedliche Initiativen an der Hochschule vorgestellt, die unbürokratisch und kreativ Flüchtlingen helfen wollen. Dabei geht es um sinnvolle Beschäftigung und Hilfe bei juristischen Fragen.

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Prof. Thomas Scheper, Institut fuer Technische Chemie, mit seinen Doktoranden (v.l.n.r.) Yamen Alsalka, 35 (aus Syrien), Shadbin Lu, 30, (chinesische Vorfahren, deutscher Pass), Mehriban Ulusoy, 29, (bulgarische Tuerkin), Prof. Scheper, Abdalla Elshereef, 33, (aus Aegypten). 

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Oliver Islam hat aktuell genug zu tun. Der eloquente junge Mann steckt mitten in seiner Jura-Doktorarbeit. Das hat ihn jedoch nicht davon abgehalten, sich mit anderen angehenden Juristen Gedanken über eine ehrenamtliche, kostenlose Rechtsberatung für Flüchtlinge zu machen. „Wir haben Zeit und Lust dazu. Für mich ist das Freizeit, die dem Stress entgegenwirkt“, sagt er lächelnd. Der Gedanke: Ein Gespräch beim Anwalt ist für Flüchtlinge teuer, für die Juristen gleichzeitig jedoch wenig lukrativ.

Beim Tag der Promovierenden an der Leibniz-Uni hat Islam das Vorhaben jetzt vorgestellt - neben weiteren ganz unterschiedlichen Initiativen an der Hochschule, die unbürokratisch und kreativ Flüchtlingen helfen wollen. Die jungen Juristen sind bereits ein gutes Stück vorangekommen. Ihr erst im März gegründeter Verein Refugee Law Clinic hat eine dreitägige Fortbildung für Jurastudenten und Doktoranden inklusive Praktikumsplätzen bei Rechtsanwälten organisiert. Zur Infoveranstaltung kamen mehr als 100 Interessierte. 30 Plätze bei Anwälten waren eingeplant. „Wir haben das schnell erhöht“, erzählt Islam, dessen Vater einst aus Bangladesh nach Deutschland kam.

Praktika für Flüchtlinge

Im ersten Durchgang werden jetzt 39 Studenten und wissenschaftliche Mitarbeiter im Asyl- und Ausländerrecht geschult. Sie wollen danach in Zweierteams Behördenbriefe für Flüchtlinge übersetzen und Bescheide erklären. „Wir brauchen dafür kooperierende Anwälte und dürfen kostenlos auch nur begrenzt beraten. In anderen Städten wie Gießen läuft das schon länger“, erklärt der Doktorand. Schon im November geht es los - statt im März, wie zunächst gedacht.

Unkompliziert ist auch Prof. Thomas Scheper, Leiter des Instituts für Technische Chemie, zu Werke gegangen. Für Flüchtlinge, die noch keinen gesicherten Bleibestatus haben, will die Naturwissenschaftliche Fakultät sofort 20 Praktika für sechs bis zwölf Monate in den eigenen Laboren anbieten. Gedacht ist das für Menschen, die ein naturwissenschaftliches Fach studiert haben, es noch wollen oder sogar promovieren könnten. „Die Verständigung ist kein Problem, wir haben allein an unserem Institut 70 Mitarbeiter aus zwölf Nationen“, berichtet Scheper. Vieles laufe sowieso auf Englisch, einige Mitarbeiter sprechen Arabisch, Türkisch oder osteuropäische Sprachen.

Kostenlos als Gasthörer einschreiben 

„Viele Flüchtlinge langweilen sich, solange sie auf ihr Verfahren warten. Und wir können sie in dieser Zeit für unsere Themen begeistern“, glaubt Scheper. Kontakte zu Chemischer Industrie Nord und IGBCE sollen ebenfalls weiterhelfen. Probleme gibt es noch bei rechtlichen Bestimmungen zur Sicherheit im Labor oder der Frage, ob für so ein Praktikum auch Geld gezahlt werden darf. Scheper ist sich sicher, dass das bald geklärt ist. Ein Flüchtling mit Bachelor für Mikrobiologie hat sich bereits gemeldet.

Kostenlos können Flüchtlinge sich bereits jetzt als Gasthörer einschreiben. Ein erster Schritt, um das Uni-System hier kennenzulernen. Neun Interessenten haben sich bisher für das Wintersemester gemeldet. Ein Projekt am Deutschen Seminar, das zunächst für zwei Monate vom Wissenschaftsministerium gefördert wird, dreht sich um die wohl wichtigste Grundlage für ein halbwegs erfolgreiches Leben in Deutschland: den Sprachunterricht. „Für den Unterricht mit Geflüchteten, die vielleicht traumatisiert sind, ist viel Geduld notwendig“, betont Germanistik-Doktorandin Radhika Natarajan, die aus Indien stammt.

Ideen zum Wohnen

Lehramtsstudenten, die bereits das Unterrichten von Deutsch als Zweitsprache studieren, sollen Kurse geben und dafür vorher geschult werden.

„Ich freue mich über dieses Engagement der Initiativen sehr, im Namen der gesamten Hochschulleitung“, sagt Uni-Vizepräsident Prof. Joachim Escher. Früh sind die Architekten bereits aktiv geworden. Peter Haslinger, Dozent für Freies Entwerfen an der Fakultät für Architektur, hatte bereits vor mehr als einem Jahr Studenten nach ihren Ideen zum Wohnen für Flüchtlinge gefragt. „Containerbauten sind ein Problem. Sie suggerieren, dass Flüchtlinge nur eine gewisse Zeit bleiben“, glaubt Haslinger. Die Studenten suchten Lücken in der Stadt und dachten an Wohnen auf Booten, in Schrebergärten, in Waggons auf stillgelegten Gleisen mit neu gestalteten Gärten, in aufgestockten Gebäuden wie einem Parkhaus oder dem Holländischen Pavillon. Eine Gruppe stellte bei der Präsentation zum Jahresanfang eine Unterkunft in einer Messehalle vor. „Damals ist das sehr angefeindet worden. Jetzt wird es umgesetzt.“ Ein Buch mit den Entwürfen ist inzwischen erschienen („Refugees welcome. Konzepte für eine menschenwürdige Architektur“, Herausgeber Jörg Friedrich). Mit Studenten bereitet Haslinger als Nächstes ein Handbuch für Kommunen vor, das gute Beispiele enthalten soll.

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