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180 Moscheen in Niedersachsen öffnen ihre Türen

Tag der offenen Moscheen 180 Moscheen in Niedersachsen öffnen ihre Türen

Seit 1997 laden Moscheen Deutschland alljährlich am 3. Oktober zum Tag der Offenen Moschee ein - 180 haben sich in Niedersachsen beteiligt. Dem hannoverschen Landesbischof Ralf Meister war der Termin wichtig: „Wir erleben aktuell, dass Spannungen zwischen den Religionen wachsen“, sagte Meister.

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Zahlreiche Hannoveraner nutzten die Chance, die Moschee in der Nachbarschaft einmal von innen zu erkunden.

Quelle: Peter Steffen

Hannover. Er ist längst gute Tradition geworden: Seit 1997 laden Moscheen Deutschland alljährlich am 3. Oktober zum Tag der Offenen Moschee ein. Ganz bewusst an jenem Tag, an dem die Deutschen sich an die Einheit ihres Landes erinnern sollen. So soll, so weit die Idee, auch das Zusammenwachsen von Christen und Muslimen vorangetrieben werden.

Seit 1997 wird am 3. Oktober jährlich bundesweit der Tag der offenen Moscheen gefeiert. Auch in Hannover konnten nicht-muslimische Besucher die Gotteshäuser erkunden.

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Dem hannoverschen Landesbischof Ralf Meister war der Termin am Montag in diesem Jahr besonders wichtig. Er wollte ihn vor seinem Urlaub unbedingt wahrnehmen und besuchte die Ayasofya-Moschee am Weidendamm. „Wir erleben aktuell, dass Spannungen zwischen den Religionen wachsen“, sagte Meister. Deshalb sei es wichtig, sich gegenseitig Gastfreundschaft zu gewähren und einzuladen. Gemeinsam trete man für ein friedliches gesellschaftliches Zusammenleben ein.

Der neue Vorsitzende der Schura Niedersachsen, Recep Bilgen, begrüßte Meister persönlich. „Wir möchten heute unsere Moscheen öffnen für die Gesellschaft und die Chance geben, uns aus erster Hand kennenzulernen“, sagte Bilgen. Der schon gute Kontakt zur Kirche werde durch Meisters Besuch weiter vertieft.

Zeichen für ein weiteres friedliches Miteinander 

Meister hatte bei den landesweiten Erntedank-Gottesdiensten am Sonntag einen Brief verlesen oder auslegen lassen, in dem er für den Besuch der islamischen Gebetshäuser warb. „Moscheen sind Begegnungsstätten. Unsere Kirchen sind es auch“, verdeutlichte er und warb dafür, dass Christen bei den Moscheebesuchen Gegeneinladungen in ihre Gemeinden aussprechen. „Es ist ein wichtiges Signal, dass am 3. Oktober die Moscheen geöffnet sind“, sagte der evangelische Geistliche. Die Muslime in diesem Land, in dem sie ihre Heimat sähen und mit dem sie sich verbunden fühlten, setzten damit ein Zeichen für ein weiteres friedliches Miteinander der Religionen.

In Niedersachsen hatten sich 180 Moscheen an der Aktion beteiligt, die jedes Jahr ein anderes Motto trägt. „Migration als Herausforderung und Chance“ lautete es bei der aktuellen Auflage.

„Nur wer sich informiert, kann sich eine Meinung bilden“

Seit 1982 ist die Ayasofya-Moschee in einem früheren Möbelhaus ansässig. Recep Bilgen war im April überraschend zum Vorsitzenden der Schura Niedersachsen gewählt worden, einem Zusammenschluss von 90 freien Moslemgemeinden. Obwohl Landeskirche und Schura in engem Kontakt stehen, war es das erste persönliche Treffen der beiden. „Auf die künftige Zusammenarbeit freue ich mich sehr“, betonte Bilgen.

Dem Aufruf zum Moscheebesuch folgten in Hannover mehr als 100 Männer, Frauen und Kinder. Nach kurzen Begrüßungsreden und einer Koranlesung samt Übersetzung als Einstieg konnten sie sich bei Führungen das Haus ansehen, das zwischenzeitlich erweitert wurde. „Nur wer sich informiert, kann sich eine Meinung bilden“, hatte die Moscheegemeinde auf Beutel mit Informationsmaterial gedruckt, die vor dem weiträumigen Gebetsraum auslagen.

Bundesweit hatten am Montag rund 1000 Moscheen ihre Türen für die Allgemeinheit geöffnet. Die Kölner Moschee, eine der größten in Nordrhein-Westfalen, hätten am Montag mehr als 2500 Menschen besucht, sagte Zekeriya Altug, Vorstandsmitglied der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) in NRW. Gut 800 Gäste nahmen an Führungen durch das Gotteshaus oder Vorträgen teil.

In Berlin machten nach Angaben der Veranstalter vom Zentralrat der Muslime in diesem Jahr 60 bis 70 Moscheen mit. Es gehe vor allem um Begegnung, sagte der Imam der Khadija-Moschee im Stadtteil Heinersdorf, Said Ahmed Arif. Doch auch die Rechte der Frau im Islam und das Thema Dschihad interessierten immer mehr Menschen.

Milli Görüs in Hannover

Der Tag der Offenen Moschee findet seit 1997 statt. Ein gemeinsames Motto legt jeweils der Koordinationsrat fest. Ihm gehören der mit der Türkei verbundene Moschee-Verband Ditib, der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ), der Islamrat und der Zentralrat der Muslime an. Auch die reformorientierte Organisation Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ), die nicht zum Koordinationsrat gehört, beteiligte sich in diesem Jahr. Die muslimische Gemeinde Milli Görüs gehört zu den ältesten und größten Moscheegemeinden Hannovers. Gegründet hat sich der Ortsverein 1973, seit 1982 sind die Muslime am Weidendamm 9 in der Ayasofya-Moschee ansässig.

Die Gemeinde hat rund 500 Mitglieder, zum Freitagsgebet kommen manchmal deutlich mehr Gläubige. Auf dem Gelände der Moschee gibt es auch Unterrichtsräume für Kinder. Die Sechs- bis 14-Jährigen bekommen in der Woche Nachhilfe, am Wochenende islamischen Religionsunterricht. Milli Görüs wurde lange vom Verfassungsschutz beobachtet, das niedersächsische Innenministerium schätzt die Organisation inzwischen aber überwiegend als moderat ein.

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